Bei welchen Krankheiten sollte man Pflegegrad beantragen?

Gefragt von: Marko Michel
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Für einen Pflegegrad zählen nicht bestimmte Krankheiten, sondern die daraus resultierenden Einschränkungen der Selbstständigkeit im Alltag bei körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen, wie sie z.B. bei Demenz, Parkinson, Schlaganfall, MS, Krebs, COPD oder schweren Depressionen auftreten, wobei der Pflegegrad (1-5) durch eine Begutachtung der individuellen Bedürfnisse ermittelt wird. Entscheidend ist der Grad der Pflegebedürftigkeit, nicht die Diagnose selbst.

Welche Krankheiten zählen zum Pflegegrad?

Für eine Pflegestufe (Pflegegrad) zählen keine bestimmten Diagnosen, sondern die Folgen einer Krankheit: Wenn körperliche, geistige oder psychische Einschränkungen dauerhaft bestehen – z. B. bei Demenz, Parkinson, Schlaganfall, Krebs oder Multiple Sklerose – kann ein Pflegegrad beantragt werden.

Was sollte man beim MDK nicht sagen?

Fragen zu Ihrem Sexualleben oder anderen sehr persönlichen und intimen Themen, die keinen unmittelbaren Bezug zu Ihrem Pflegebedarf haben, sind unzulässig. Der MDK darf nur Informationen einholen, die für die Begutachtung und die Feststellung des Pflegegrades relevant sind.

Wann steht mir ein Pflegegrad zu?

Ein Pflegegrad steht Ihnen zu, wenn Sie körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen haben, die voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen und Sie in alltäglichen Bereichen (Mobilität, Ernährung, Körperpflege etc.) unterstützen müssen, nicht nur bei der Haushaltsführung, und Sie mindestens zwei Jahre in der Pflegeversicherung eingezahlt haben. Die Einstufung erfolgt nach einem Begutachtungsprozess, bei dem der Grad Ihrer Selbstständigkeit anhand von Punkten bewertet wird, um einen der fünf Pflegegrade (1 bis 5) zu bestimmen.
 

Welche Krankheiten muss man für Pflegestufe 2 haben?

Neben Demenz gibt es auch andere psychische Erkrankungen, die eine Einstufung in Pflegegrad 2 rechtfertigen können. Menschen mit schweren Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Problemen benötigen oft eine intensive Betreuung und Unterstützung im Alltag.

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Was ist nötig, um Pflegestufe 2 zu bekommen?

Man bekommt Pflegegrad 2, wenn nach einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ festgestellt wird, was einer gewichteten Punktzahl von 27 bis unter 47,5 Punkten entspricht. Diese Einstufung gewährt Anspruch auf verschiedene Leistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Hilfsmittel.
 

Welche Krankheiten zählen zu Pflegegrad 3?

Pflegegrad 3 erhalten Menschen mit schweren Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit, die regelmäßig Hilfe im Alltag benötigen, was durch viele Krankheiten verursacht werden kann, wie z. B. fortgeschrittene Demenz, Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfallfolgen, Rückenmarkserkrankungen oder Lähmungen, aber auch schwere psychische Leiden, wobei die Einstufung von der individuellen Situation und dem tatsächlichen Hilfebedarf abhängt, nicht von einer einzelnen Krankheit. 

Wann ist es sinnvoll, einen Pflegegrad zu beantragen?

Es ist sinnvoll, einen Pflegegrad zu beantragen, sobald Sie oder ein Angehöriger voraussichtlich länger als sechs Monate regelmäßig Unterstützung im Alltag benötigt, sei es durch Krankheit, Unfall oder altersbedingte Einschränkungen, um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten – warten Sie nicht, bis Sie komplett hilflos sind, denn Pflegebedürftigkeit kann schleichend beginnen und auch kleine Hilfen zählen bereits.
 

Was darf man bei Pflegegrad 1 nicht mehr können?

Bei Pflegegrad 1 dürfen Sie noch viele Dinge selbst tun, aber Sie haben keinen Anspruch auf die großen Geldleistungen wie Pflegegeld oder Pflegesachleistungen (volle ambulante Pflege), auch keine Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege, aber Sie bekommen den Entlastungsbetrag (131€/Monat) für kleinere Hilfen wie Alltagsbegleitung oder Haushaltshilfen, da die Selbstständigkeit nur gering beeinträchtigt ist. 

Was muss man erfüllen, um eine Pflegestufe zu bekommen?

Um einen Pflegegrad zu bekommen, stellen Sie einen formlosen Antrag bei Ihrer Pflegekasse (bei der Krankenkasse angesiedelt), die dann den Medizinischen Dienst (MDK) oder MEDICPROOF (für Privatversicherte) zur Begutachtung schickt; dieser bewertet Ihre Einschränkungen in sechs Lebensbereichen, um eine Gesamtpunktzahl zu ermitteln, die über den Pflegegrad (1-5) entscheidet. Wichtig sind der Zeitpunkt der Antragstellung (rückwirkend), die Vorbereitung mit Arztunterlagen und die Einhaltung der Voraussetzungen (z.B. zwei Jahre Pflegekassenbeiträge in den letzten 10 Jahren). 

Was muss man nicht mehr können für Pflegegrad 2?

Für Pflegegrad 2 muss man nicht mehr alles alleine können, sondern eine "erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit" haben, was oft bedeutet, dass man bei grundlegenden Dingen wie Körperpflege, Ernährung oder Mobilität regelmäßig Hilfe braucht, aber noch nicht völlig hilflos ist – man kann beispielsweise noch alleine essen, aber die Medikation nicht mehr selbst organisieren oder braucht Hilfe beim Toilettengang und Anziehen. Es sind Einschränkungen in verschiedenen Bereichen (körperlich, kognitiv, sozial) nötig, die zu einer Punktzahl zwischen 27 und 47,5 führen. 

Welche Tipps gibt es, um den Pflegegrad zu bekommen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Legen Sie den Termin so, dass er in Ihren Zeitplan passt.
  2. Tragen Sie alle wichtigen Unterlagen sorgfältig zusammen.
  3. Machen Sie sich mit den Begutachtungskriterien vertraut.
  4. Bereiten Sie die pflegebedürftige Person auf den Termin vor.
  5. Starten Sie erst, wenn alle da sind.

Auf was achtet der medizinische Gutachter?

Dazu werden die Fähigkeiten umfassend in Bezug auf folgende Lebensbereiche begutachtet: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Belastungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Welche Krankheiten zählen als chronisch krank?

Zu chronischen Krankheiten zählen lange andauernde, oft nicht heilbare Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit), Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus), Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD), Muskel-Skelett-Erkrankungen (Arthritis, Arthrose, Rheuma) und viele psychische Erkrankungen (Depressionen), die eine wiederholte Behandlung und dauerhafte Betreuung erfordern. Auch Krebs, Demenz und chronische Darmerkrankungen gehören dazu, wobei die Definition oft auf die Notwendigkeit einer mindestens einjährigen, regelmäßigen ärztlichen Behandlung abzielt.
 

Welche Beeinträchtigungen gelten als pflegebedürftig?

Als pflegebedürftig gelten Personen, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen haben oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.

Welche Beispiele gibt es für Pflegegrade?

Pflegegrade sind Einteilungen (1 bis 5) für den Grad der Selbstständigkeitseinschränkung, basierend auf Punkten in sechs Modulen, von gering (PG 1, 12,5-27 Pkt.) über erheblich (PG 2, 27-47,5 Pkt.) und schwer (PG 3, 47,5-70 Pkt.) bis zu schwerst (PG 4, 70-90 Pkt.) und schwerst mit besonderen Anforderungen (PG 5), wobei höhere Grade mehr Unterstützung und Leistungen wie Pflegegeld oder Sachleistungen bedeuten, z.B. bei einem querschnittsgelähmten Herrn Schmidt, der komplett auf Hilfe angewiesen ist (Beispiel PG 5). 

Ist es schwer, Pflegegrad 1 zu bekommen?

Pflegegrad 1 ist der niedrigste von fünf Pflegegraden in Deutschland. Zwar haben Sie mit diesem Pflegegrad nicht zu allen Pflegeleistungen Zugang, doch Sie können schon einige Leistungen bei der Pflegekasse beantragen.

Was soll mit Pflegegrad 1 passieren?

Bei Pflegegrad 1 erhalten Sie vor allem Entlastungsleistungen für Angehörige, Zuschüsse für Wohnraumanpassungen und Pflegehilfsmittel sowie kostenlose Pflegeberatung und Kurse, aber noch kein direktes Pflegegeld. Zu den wichtigsten Leistungen gehören der monatliche Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro, bis zu 4.000 Euro für Umbauten, 42 €/Monat für Hilfsmittel und ein Zuschuss zum Hausnotruf.
 

Bei welchen Krankheiten kann man Pflegestufe 1 beantragen?

Januar 2017 werden in den neuen Pflegegrad 1 Menschen eingestuft, die nur verhältnismäßig geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen. Dies betrifft zum Beispiel Menschen mit geringen körperlichen Beeinträchtigungen aufgrund von Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen.

Wann bekommt man keinen Pflegegrad?

Das Wichtigste in Kürze. Kurzzeitpflege bei fehlender Pflegebedürftigkeit erhalten Versicherte von ihrer gesetzlichen Krankenkasse, wenn nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei schwerer Krankheit die ambulante Versorgung nicht ausreicht und keine Pflegebedürftigkeit mit Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5 vorliegt.

Welche Krankheiten treten bei Pflegegrad 2 auf?

Bei Pflegegrad 2 sind häufig Krankheiten wie Demenz (beginnend), Diabetes, schwere Depressionen, Schlaganfallfolgen, Arthritis, COPD oder Multiple Sklerose (MS) ursächlich, die zu einer erheblichen Einschränkung der Selbstständigkeit führen, wodurch Betroffene Unterstützung bei der Körperpflege, Mobilität, Ernährung oder dem Toilettengang benötigen, oft über mehrere Tageszeiten hinweg, auch wenn die vollständige Selbstversorgung noch nicht komplett unmöglich ist. 

Wer bekommt die 125 € bei Pflegegrad 1?

Alle Versicherten mit anerkanntem Pflegegrad, die ambulante Leistungen von der Pflegeversicherung beziehen, haben Anspruch auf den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro. Entscheidend ist, dass sie im häuslichen Umfeld gepflegt werden.

Was darf man nicht mehr können bei Pflegestufe 3?

Bei Pflegegrad 3 darf man viele Dinge nicht mehr alleine oder nur noch mit erheblicher Einschränkung, z. B. Mobilität (Treppensteigen, Aufstehen), Körperpflege, Ernährung, Haushaltsführung und eigenständige Tagesgestaltung; es besteht ein hoher Hilfebedarf bei Alltagsaktivitäten, der tägliche Hilfe und oft Wohnraumanpassungen nötig macht, um die Selbstständigkeit zu erhalten. 

Kann man mit Pflegegrad 3 noch alleine wohnen?

Ja, man kann mit Pflegegrad 3 grundsätzlich alleine leben, aber es erfordert eine gut organisierte Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, Angehörige, Nachbarn und eine angepasste, barrierefreie Wohnung mit Hilfsmitteln (z.B. Hausnotruf). Pflegegrad 3 bedeutet eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, weshalb tägliche Hilfe notwendig ist, um den Alltag zu bewältigen. Die Kombination aus Pflegegeld, Pflegesachleistungen und dem Entlastungsbetrag hilft dabei, diese Versorgung zu sichern und die Selbstständigkeit zu Hause so lange wie möglich zu erhalten. 

Was muss erfüllt sein, um Pflegestufe 3 zu bekommen?

Voraussetzung für Pflegegrad 3 ist eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit 47,5 bis unter 70 Punkten bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD), was dauerhafte, erhebliche Hilfebedarfe in mehreren Lebensbereichen (Mobilität, Selbstversorgung, Psyche, etc.) bedeutet, die über mindestens sechs Monate bestehen. Sie erhalten den Pflegegrad, wenn Sie regelmäßig Unterstützung benötigen, die z.B. durch Demenz, körperliche Erkrankungen oder starke altersbedingte Schwächen entsteht.