Kann die Kirchensteuer rückwirkend festgesetzt und nacherhoben werden?

Gefragt von: Joanna Neuhaus-Pohl
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Die Kirchensteuerpflicht beginnt mit dem Wiedereintritt. Somit kann die Kirchensteuer grundsätzlich bis zum Zeitpunkt des Wiedereintritts, längstens bis zur Festsetzungsverjährungsgrenze (4 Jahre) auch rückwirkend festgesetzt und nacherhoben werden.

Wie lange kann die Kirchensteuer rückwirkend festgesetzt und nacherhoben werden?

Wenn Sie beispielsweise im Laufe eines Jahres aus der Kirche austreten, sind Sie nur für die Monate kirchensteuerpflichtig, in denen Sie Mitglied waren. Wurde dies nicht rechtzeitig vermerkt, können Sie unter Umständen einen Anspruch auf Rückerstattung der Kirchensteuer für die Folgemonate geltend machen.

Kann Kirchensteuer nachgefordert werden?

Bis zu fünf Jahre rückwirkend darf die Kirche Steuern nachfordern.

Warum Kirchensteuer nachzahlen, wenn ausgetreten?

Nach dem Kirchenaustritt informiert die Meldebehörde automatisch das zuständige Finanzamt, damit dieses die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) ändert. Für die Zeit nach Ihrem Kirchenaustritt wird also bei der monatlichen Gehaltsabrechnung keine Kirchensteuer mehr einbehalten.

Wie wird Kirchensteuer festgesetzt?

Der Kirchensteuersatz beträgt derzeit (2019) in Bayern und Baden-Württemberg 8 %, in den übrigen Bundesländern 9 % der Einkommensteuer. Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist die veranlagte und im Abzugsverfahren erhobene Einkommensteuer.

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Wie berechne ich die festgesetzte Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer ist transparent und lässt sich mit wenigen Angaben sicher berechnen: ESt/LSt × 8 % oder 9 % – dazu Sonderregeln für Kapitalerträge (KiStAM/Sperrvermerk), Ehe/Kirchgeld, Kappung/Erlass und Sonderausgaben.

Wie wird die Kirchensteuer im Nachweisverfahren ermittelt?

Zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer sind die Aufzeichnungen im Lohnkonto über das Religionsbekenntnis derjenigen Arbeitnehmer maßgebend, denen die pauschal besteuerten Bezüge zugeflossen sind.

Warum wird mir nach meinem Kirchenaustritt noch Kirchensteuer abgezogen?

Wenn Sie also nach dem 31.08. oder kurz vorher aus der Kirche austreten, kann das Bundeszentralamt Ihren Austritt nicht mehr berücksichtigen. Wir bekommen dann noch Ihre "alten" Konfessionsdaten geliefert und führen im folgenden Jahr noch Kirchensteuer ab.

Wann nach Kirchenaustritt keine Kirchensteuer mehr?

Mit Ablauf des Monats, in dem der Austritt wirksam wird (dies kann 1-2 Monate dauern), endet die Kirchensteuerpflicht. Ab dem nachfolgenden Monat müssen Sie keine Kirchensteuer mehr zahlen.

Was ist der Nachteil, wenn man aus der Kirche austritt?

Nachteile eines Kirchenaustritts sind der Verlust sozialer Bindungen und Gemeinschaft, der Wegfall kirchlicher Dienste (wie seelsorgerische Betreuung) und die Unmöglichkeit kirchlicher Zeremonien (Taufe, kirchliche Trauung, Beerdigung), auch können sich berufliche Nachteile bei kirchlichen Trägern ergeben und familiäre/soziale Spannungen auftreten, wobei die administrativen Hürden oft gering sind.
 

Für welchen Zeitraum kann das Finanzamt Steuern nachfordern?

Bei Personen, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, gibt es eine siebenjährige Frist, innerhalb der das Finanzamt die Steuererklärung nachfordern kann. Falls Ihnen dann die Belege fehlen, kann das Finanzamt die Steuer schätzen.

Wann wird nach einem Kirchenaustritt keine Kirchensteuer mehr abgezogen?

Liegt Ihr Einkommen 2025 unter 12.096 Euro im Jahr beziehungsweise rund 1.008 Euro im Monat, müssen Sie keine Lohnsteuer, keine Einkommensteuer und auch keine Kirchensteuer zahlen. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner/innen gilt der doppelte Grundfreibetrag in Höhe von 24.192 Euro.

Wann verjähren Kirchensteuern?

Was ist die Verjährungsfrist für die Kirchensteuer? Eine Steuer kann nach Ablauf der Festsetzungsfrist von 4 Jahren nicht mehr festgesetzt werden.

Warum muss ich Kirchensteuer zahlen, obwohl ich nicht in der Kirche bin?

Die Rede ist vom sogenannten besonderen Kirchgeld, das nur bei glaubensverschiedenen Ehen zum Einsatz kommt. Dieses hat oft zur Folge, dass der konfessionslose Ehegatte für die Kirchensteuer des Partners aufkommen muss.

Was ist nach Kirchenaustritt nicht mehr möglich?

Wenn man aus der Kirche austritt, verliert man vor allem das Recht auf kirchliche Sakramente (Taufe, kirchliche Trauung, Kommunion, Firmung) und kirchliche Beerdigungen, darf oft nicht mehr Taufpate sein und verliert Jobs bei kirchlichen Trägern, aber man spart die Kirchensteuer. Der Hauptgrund ist der Verlust der Mitgliedschaft und damit der Anspruch auf die damit verbundenen Leistungen und Pflichten, insbesondere der Kirchensteuer. 

Wie hoch ist die maximale Kirchensteuer, die man mit der Kappung zahlen kann?

Das bedeutet, die Kirchensteuer darf höchstens 3 Prozent des zu versteuernden Einkommens betragen. Durch die Kappungsregelung darf die Kirchensteuer maximal 3 Prozent deines zu versteuernden Einkommens also von 180.000 Euro betragen: Das wären 5.400 Euro.

Kann ich Kirchensteuer nach meinem Kirchenaustritt zurückfordern?

Mit dem Austritt aus der Kirche entfällt die Kirchensteuerpflicht, zu viel gezahlte Kirchensteuer wird bei der Einkommensteuerveranlagung erstattet. Das ist für sich gesehen sehr erfreulich.

Wie hoch ist die Prognose für die Kirchenaustritte im Jahr 2024?

Kirchenaustritte in Deutschland bleiben hoch, auch wenn die Zahlen für 2023 und 2024 einen leichten Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2022 zeigten (rund 400.000 katholisch, 345.000 evangelisch), es bleibt ein deutlicher Mitgliederverlust von insgesamt rund einer Million pro Jahr, was den Bevölkerungsanteil der Kirchen bis 2024 auf ca. 45 % sinken lässt. Prognosen deuten auf einen weiteren langfristigen Mitgliederschwund hin, wobei bis 2030 mit Millionen von Austritten gerechnet wird und bis 2060 eine Halbierung der Mitgliederzahl möglich erscheint, da die Gründe (Missbrauchsskandale, Kirchensteuer, mangelnde Relevanz) weiterhin bestehen und sich die kritische Haltung über Altersgruppen hinweg angleicht. 

Was bringt Kirchenaustritt netto?

Etwa 300.000 Menschen treten pro Jahr aus der Kirche aus. Der am häufigsten genannte Grund für den Kirchenaustritt ist die Steuerersparnis. Im Durchschnitt liegt sie bei einem Arbeitnehmer bei rund 300 Euro im Jahr.

Kann ich Kirchensteuer rückwirkend zurückfordern?

Übersteigt die Erstattung die hier angesetzten Sonderausgaben, wird der verbleibende Erstattungsüberhang in das Jahr zurückgetragen, für das die Kirchensteuer zurückgezahlt wurde. Verfahrensrechtlich erfolgt die Änderung aufgrund eines rückwirkenden Ereignisses nach § 175 Abs. 1 Nr. 2 AO.

Warum muss ich plötzlich Kirchensteuer nachzahlen?

Ergibt diese, dass man unterjährig zu wenig Einkommensteuer entrichtet hat, hat man auch zu wenig Kirchensteuer – und ggf. Solidaritätszuschlag (SolZ) – entrichtet. Diese muss man zusammen nachzahlen.

Wie lange müssen Kirchenaustritte aufbewahrt werden?

Bei offiziellen Stellen wird der Nachweis nur 10 Jahre aufbewahrt, die Kirchen treten mit finanziellen Forderungen auch noch nach der Frist auf. Ohne Nachweis muss dann ggf. nachgezahlt werden.

Wo finde ich festgesetzte Kirchensteuer?

Die gezahlte Kirchensteuer findest du auf der Lohnsteuerbescheinigung, die du jedes Jahr von deinem Arbeitgeber ausgehändigt bekommst. 2.) Falls Kirchensteuer erstattet wurde, hast du schon einmal eine Steuererklärung gemacht und zu viel gezahlte Kirchensteuer wiederbekommen.

Wie hoch ist die Kirchensteuer bei der Lohnsteuerpauschalierung?

Der Steuersatz für die pauschale Kirchen-Lohnsteuer ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Er beträgt zwischen 4 % und 7 %. Die Kürzung gegenüber dem normalen Kirchensteuersätzen (9 %/8 %) trägt dem Umstand Rechnung, dass möglicherweise nur ein Teil der Mitarbeitenden einer Kirche angehören.