Unter welchen Bedingungen können Angehörige vom Sozialamt für die Kosten einer Pflegeeinrichtung herangezogen werden?

Gefragt von: Erika Seiler B.Sc.
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Angehörige werden vom Sozialamt nur herangezogen, wenn die pflegebedürftige Person selbst (und ggf. ihr Ehepartner) nicht genug Einkommen oder Vermögen hat und die Pflegeversicherung die Lücke nicht deckt, aber erst seit der Reform 2020 müssen Kinder nur zahlen, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen über 100.000 Euro liegt. Liegt das Einkommen darunter, besteht keine finanzielle Verpflichtung für Kinder, auch wenn die Sozialhilfe greift; das Sozialamt prüft zuerst das Einkommen und Vermögen der pflegebedürftigen Person selbst und des Ehepartners.

Unter welchen Bedingungen werden die Angehörigen zu den Kosten einer Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung vom Sozialamt herangezogen?

Seit Inkrafttreten des Angehörigen-Entlastungsgesetzes am 01.01.2020 gibt es dafür aber eine Einkommensgrenze: Nur Angehörige (Eltern oder Kinder) mit einem Einkommen von mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr können für die Pflegeheim-Kosten herangezogen werden.

Wann kann das Sozialamt von Angehörigen Geld fordern?

Das Sozialamt kann von Angehörigen (Kindern/Eltern) Geld fordern, wenn der Pflegebedürftige selbst die Pflegekosten nicht decken kann und die Kinder/Eltern ein Jahreseinkommen über 100.000 € brutto haben (Angehörigen-Entlastungsgesetz). Zusätzlich können Schenkungen der Pflegebedürftigen, die weniger als 10 Jahre zurückliegen, vom Sozialamt zurückgefordert werden, um Pflegekosten zu decken, wobei die Haftung oft auf den Wert der Schenkung begrenzt ist. 

Wann müssen Angehörige für Pflegeheimkosten aufkommen?

Die wichtigsten Änderungen seit 1. Januar 2020 sind: Verwandte ersten Grades müssen erst ab einem Jahresbruttoeinkommen ab 100.000 Euro die Unterhaltskosten für ein Familienmitglied übernehmen, wenn dessen eigenes Vermögen dafür nicht ausreicht. Das Partnereinkommen ist dabei nicht einzubeziehen.

Wie hoch ist der Selbstbehalt für Eltern im Heim?

Der Selbstbehalt beim Elternunterhalt ist der Betrag, der dem unterhaltspflichtigen Kind nach Abzug vom Nettoeinkommen für den eigenen Lebensunterhalt verbleiben muss; er liegt laut jüngsten Entscheidungen bei einem Mindestsockel von 2.650 € (Stand 2024/2025), wobei je nach Einzelfall auch ein höherer Betrag (z.B. OLG München sprach von bis zu 5.500 €) festgelegt werden kann, der sich aus einem Sockelbetrag und einem Teil des darüber hinausgehenden Einkommens zusammensetzt, um die Leistungsfähigkeit zu bestimmen. Das Ziel ist, dem Kind eine angemessene Lebensführung zu ermöglichen, weshalb auch individuelle Umstände wie Altersvorsorge und Familiengründung berücksichtigt werden. 

Pflegekosten & Schenkung: Wann das Sozialamt DEIN ERBE zurückfordert – und wie du es schützt

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Wie hoch ist der Selbstbehalt, wenn Eltern ins Pflegeheim kommen?

2) Selbstbehalt abziehen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat 2024 entschieden, dass ein Mindestselbstbehalt von 2.650 € angemessen ist (BGH, 23.10.2024, Az. XII ZB 6/24). Im Einzelfall kann auch ein Selbstbehalt von bis zu 70 % mehr als angemessen gelten – das wären dann bis zu 4.500 €.

Wie prüft das Sozialamt das Vermögen der Kinder?

Das Sozialamt prüft das Vermögen von Kindern primär im Rahmen des Elternunterhalts, wenn die Eltern Pflege benötigen und selbst nicht zahlen können, aber nur bei Kindern mit einem Bruttojahreseinkommen über 100.000 €. Die Prüfung erfolgt bei Verdacht, indem das Amt Einkommensnachweise (Steuerbescheide) und ggf. Kontoauszüge anfordert, wobei es um das eigene Einkommen geht, nicht um das Vermögen des Kindes selbst (abgesehen vom Selbstbehalt), und es gilt ein großzügiger Freibetrag, der das Existenzminimum sichert. 

Welches Vermögen ist unantastbar?

Es gibt kein pauschal "unantastbares" Vermögen, aber das sogenannte Schonvermögen ist bei Bezug von Sozialleistungen (wie Hilfe zur Pflege oder Grundsicherung) geschützt und darf nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts herangezogen werden, darunter fallen Freibeträge für Bargeld (z.B. 10.000 € für Einzelpersonen), eine selbstgenutzte Immobilie, ein angemessenes Auto, Hausrat und bestimmte Altersvorsorgeverträge. Was als "angemessen" gilt, hängt oft vom Einzelfall ab, aber bestimmte Gegenstände (z.B. für Berufsausübung oder altersgerechte Wohnung) bleiben ebenfalls unantastbar.
 

Wie hoch ist die maximale Zuzahlung im Pflegeheim 2025?

Anfang 2025 lag der Eigenanteil bereits bei 2.984 Euro. Seit Mitte 2025 beträgt er nun 3.108 Euro.

Kann das Sozialamt Pflegekosten zurückfordern?

Ja, das Sozialamt kann Pflegekosten von Schenkungen zurückfordern, wenn Pflegebedürftige innerhalb der letzten zehn Jahre Vermögen verschenkt haben und selbst bedürftig werden; die Forderung geht auf das Sozialamt über (§ 93 SGB XII), die Rückforderung ist aber begrenzt, muss belegt werden und schützt Kinder, wenn sie selbst verarmen würden (angemessene Anstandsschenkungen sind oft ausgenommen), wobei die Frist bei Nießbrauch oft erst mit dessen Ende beginnt. 

Wie lange zurück prüft das Sozialamt, ob Vermögen vorhanden war?

Das Sozialamt prüft Schenkungen bis zu 10 Jahre zurück, wenn es um die Rückforderung von Leistungen (z.B. bei Pflegekosten) geht, basierend auf § 529 BGB. Diese Frist beginnt mit der Vollendung der Schenkung, etwa bei Immobilien mit der Eintragung ins Grundbuch. Größere Geldbewegungen und Schenkungen innerhalb dieses Zeitraums müssen erklärt werden, wobei angemessene Anstandsschenkungen (Geburt, Hochzeit) ausgenommen sind, wenn der Beschenkte nicht mehr über den Wert verfügt oder die Schenkung für den Lebensunterhalt diente, so betanet.de. 

Was darf das Sozialamt nicht anrechnen?

Das Sozialamt darf Schonvermögen (z.B. 10.000 € pro Person), einen angemessenen Hausrat und selbstgenutztes Eigenheim, zweckbestimmte Leistungen wie Pflegegeld und bestimmte Einkommen (z.B. Grundrente, kleine Zuverdienste) nicht anrechnen, da diese dem Existenzminimum dienen sollen. Auch bestimmte Unterhaltsverpflichtungen von Eltern/Kindern sind erst ab sehr hohen Einkommen relevant, und gefördertes Altersvorsorgevermögen (Riester) bleibt bis zur Auszahlung geschützt. 

Kann das Sozialamt ein Pflegeheim ablehnen?

Betroffene können z.B. auch eine kostenintensive 24-Stunden-Pflege zu Hause finanziert bekommen. Wenn das aber sehr viel teurer ist als ein geeignetes und zumutbares Pflegeheim oder eine entsprechende Pflegeeinrichtung, darf das Sozialamt die Kostenübernahme ablehnen.

Wie verhindert man, für die Pflege der Eltern zahlen zu müssen?

Wenn die eigenen Mittel der pflegebedürftigen Person und des Ehegatten nicht ausreichen, um die Pflegekosten zu decken, kann Sozialhilfe in Form der Hilfe zur Pflege beantragt werden. Bevor der Staat einspringt, prüft er jedoch, ob Vermögen zur Finanzierung herangezogen werden kann. Dazu zählen: Ersparnisse.

Was prüft das Sozialamt bei Heimunterbringung?

Das Sozialamt prüft bei Heimunterbringung umfassend die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der pflegebedürftigen Person und des Ehe-/Lebenspartners, um zu entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die Pflegekosten selbst tragen können, bevor es „Hilfe zur Pflege“ gewährt. Geprüft werden Renten, Vermögen (Konten, Immobilien, Versicherungen), aber auch Schenkungen der letzten 10 Jahre, um sicherzustellen, dass keine Mittel absichtlich verschoben wurden. Es wird auch geprüft, ob unterhaltspflichtige Angehörige (Kinder) finanziell einspringen müssen (Elternunterhalt). 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Pflegekasse die Kosten für die Wohnraumanpassung übernimmt?

Die Pflegekasse bezuschusst die Wohnraumanpassung, wenn Pflegebedürftige einen anerkannten Pflegegrad haben. Dabei betragen die Zuschüsse bei einer Wohnraumanpassung beispielsweise mit Pflegegrad 1 als auch bei einer Wohnraumanpassung mit Pflegegrad 2 bis zu 4.180 Euro.

Wann reduziert sich der Eigenanteil im Pflegeheim?

Der Eigenanteil im Pflegeheim verringert sich durch gestaffelte Leistungszuschläge der Pflegekasse, die mit der Aufenthaltsdauer steigen: Im ersten Jahr gibt es 15 %, nach mehr als 12 Monaten 30 %, nach über 24 Monaten 50 % und ab dem 37. Monat (also nach über 36 Monaten) sogar 75 % Zuschuss zum reinen Pflegekostenanteil. Diese Staffelung reduziert den Eigenanteil automatisch über die Zeit, da die Pflegekasse einen größeren Teil übernimmt, was die finanzielle Belastung senkt, je länger man im Heim wohnt. 

Wer zahlt Pflegeheim, wenn die Rente nicht reicht 2025?

Reichen ihre Leistungen 2025 nicht aus, um die Kosten im Pflegeheim zu zahlen, können Sie als Bewohner oder Bewohnerin unter bestimmten Voraussetzungen einen Antrag auf Sozialhilfe im Alter in Form von “Hilfe zur Pflege” bei Ihrem Sozialamt stellen.

Was muss ich als Tochter für ein Pflegeheim zahlen?

Wie hoch ist durchschnittlich der Eigenanteil im Pflegeheim? Bei einem anerkannten Pflegegrad ab 2 müssen Sie im Durchschnitt mit einer monatlichen Pflegeheim-Zuzahlung von rund 2.411 Euro rechnen. Dieser Betrag stellt den Eigenanteil dar, den Sie selbst monatlich aufbringen müssen (Stand: Bundesdurchschnitt 2023).

Wie viel Barvermögen darf man in einem Pflegeheim haben?

Wenn Sie ins Pflegeheim kommen, dürfen Sie ein sogenanntes Schonvermögen behalten, das vor dem Zugriff des Sozialamtes geschützt ist: Für Alleinstehende sind das aktuell in der Regel 10.000 € (bei Paaren 20.000 €), plus Hausrat, ein angemessenes Auto und eine selbstgenutzte Immobilie. Alles darüber hinaus muss grundsätzlich für die Pflegeheimkosten eingesetzt werden, bevor das Sozialamt einspringt, wobei Einkommen und Vermögen des Ehepartners ebenfalls geprüft werden, sagt dieser Artikel von Ihre Vorsorge und diese Quelle von Finanztip. 

Wie schützt man Vermögen vor Sozialamt?

Um Vermögen vor dem Sozialamt zu schützen, gibt es Strategien wie die rechtzeitige Schenkung (mit 10-Jahres-Frist), die Nutzung von Schonvermögen (Freibeträge), die Absicherung durch Stiftungen, die Errichtung eines Ehevertrags und die frühzeitige Planung durch Pflegezusatzversicherungen, wobei jede Methode eine individuelle Beratung erfordert, da schnelle Schenkungen oft zurückgefordert werden können (§ 528 BGB). 

Kann das Sozialamt meine Konten einsehen?

Ja, das Sozialamt darf Ihre Konten einsehen, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, hauptsächlich bei Verdacht auf Leistungsmissbrauch oder zur Klärung Ihrer finanziellen Situation bei der Antragstellung für Sozialleistungen (wie Grundsicherung, Hilfe zum Lebensunterhalt, Pflegehilfe), um Einkommen und Vermögen zu prüfen; dies geschieht oft über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) für Stammdaten oder durch direkte Anfragen bei der Bank, wobei Sie grundsätzlich verpflichtet sind, Auskunft zu geben oder entsprechende Kontoauszüge vorzulegen. 

Können Kinder für die Pflegekosten herangezogen werden?

Sobald die Einkünfte der Pflegebedürftigen, ihrer Ehepartner sowie die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, müssen auch die Kinder für die Kosten aufkommen. Diese rechtliche Verpflichtung, die Versorgung der Eltern – im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten – zu sichern, heißt Elternunterhalt.

Wie kann ich mein Familienvermögen vor Pflegekosten schützen?

Um eine Immobilie vor Pflegekosten zu schützen, sind frühzeitige Planung und rechtliche Schritte entscheidend, wobei Schenkungen mit Nießbrauch- oder Wohnrecht nach Ablauf einer 10-Jahres-Frist (Sozialhilferegress) effektiv sind, um das Eigentum an die nächste Generation zu übertragen, während die Selbstnutzung durch das „Schonvermögen“ geschützt wird. Alternativen sind Pflegezusatzversicherungen, Teilverkauf oder Leibrenten, die das Vermögen absichern, ohne dass die Immobilie sofort verkauft werden muss. Die Beratung durch einen Fachanwalt ist für die komplexen erbrechtlichen und schenkungsrechtlichen Fragen unerlässlich. 

Wann zahlt das Sozialamt die Kosten für ein Pflegeheim?

Sozialhilfe und Sozialamt im Pflegeheim

Gut, wenn Ihre Rente für den Eigenanteil ausreicht. Wenn nicht, müssen Bewohner ihre Rente – bis maximal auf ein Taschengeld von 135,54 Euro (Stand Januar 2023) – zur Deckung der Heimkosten verwenden.