Wann kann ein Säumniszuschlag erlassen werden?

Gefragt von: Frau Birte Lindner B.Eng.
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Erlass: Für den Fall, dass ein Steuerschuldner die Zahlung aus schwerwiegenden Gründen wie Krankheit oder Zahlungsunfähigkeit nicht leisten und dies beweisen kann, kann das Finanzamt den Säumniszuschlag erlassen.

Wann können Säumniszuschläge erlassen werden?

Ein Erlass Säumniszuschläge kommt in Betracht,

a) eine plötzliche Erkrankung vorgetragen werden kann. b) bei einem bisher pünktlichen Steuerschuldner ein offensichtliches Versehen vorliegt. c) die Zahlungsfrist nur geringfügig überschritten.

Welche Billigkeitsgründe rechtfertigen den Erlass von Säumniszuschlägen?

Ein Erlass aus sachlichen Billigkeitsgründen kommt in Betracht, wenn die Einziehung der Säumniszuschläge im Hinblick auf den Zweck der Säumniszuschläge nicht mehr zu rechtfertigen ist, weil ihre Entstehung den Wertungen des Gesetzgebers zuwiderläuft (sog. Überhang des Gesetzes).

Wie wehrt man sich gegen Säumniszuschläge?

Um gegen einen Säumniszuschlag Einspruch einlegen zu können, muss bei der Finanzbehörde schriftlich ein Antrag auf Erlass eines Abrechnungsbescheids (§ 218 AO) gestellt werden. Gegen diesen sogenannten Abrechnungsbescheid kann nun ein begründeter Einspruch eingelegt werden.

Wann sind Säumniszuschläge unbillig?

Die Einziehung von Säumniszuschlägen ist auch dann unbillig, wenn dem Zahlungspflichtigen die rechtzeitige Zahlung der Beiträge wegen Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung nicht möglich war.

Säumniszuschlag berechnen | Beispiele, Ausnahmen, Erlass

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Wann fallen keine Säumniszuschläge an?

Dies bedeutet, dass auf einen verspäteten Steuerbetrag unter 50 Euro kein Säumniszuschlag erhoben werden kann. Der Säumniszuschlag wird jeden Monat automatisch erhöht, bis der Steuerzahler seine Schuld beglichen hat. Wichtig ist, dass der Zuschlag nicht taggenau berechnet wird.

Was bedeutet "erlasse ich aus Billigkeitsgründen"?

Erlass aus Billigkeitsgründen in der Abgabenordnung

Dabei handelt es sich um eine Ermessensentscheidung der Behörde, die über den Antrag des Steuerschuldners durch Verwaltungsakt entscheidet. Rechtsmittel gegen die ablehnende Entscheidung ist der Einspruch.

Wie formuliere ich einen Erlassantrag?

Sehr geehrte Damen und Herren, die am [DATUM] fällige Steuerzahlung konnte ich nicht rechtzeitig entrichten. Die dadurch entstandenen Säumniszuschläge, die Sie mit Schreiben vom [DATUM] angefordert haben, bitte ich ausnahmsweise aus Billigkeitsgründen zu erlassen.

Ist Säumniszuschlag rechtens?

Säumniszuschläge von 12 % pro Jahr sind rechtens. Auf Druck des Bundesverfassungsgerichts hat der Steuergesetzgeber den Zinssatz für Nachzahlungs- und Erstattungszinsen mittlerweile von 6 % auf 1,8 % pro Jahr abgesenkt.

Was kann man gegen einen Verspätungszuschlag-Einspruch einlegen?

Gegen die Festsetzung eines Verspätungszuschlags kann sich der Erklärungspflichtige wenden, indem er Einspruch einlegt (außergerichtliches Rechtsbehelfsverfahren, §§ 347 AO).

Wann ist ein Erlass möglich?

Ein Erlass offener Steuerschulden ist nach § 227 AO möglich, wenn und soweit ihre Einziehung im Einzelfall unbillig wäre. Entsprechendes gilt, wenn der Steuerpflichtige bereits gezahlt hat, für Anrechnung und Erstattung der entsprechenden Beträge.

Was sind persönliche Billigkeitsgründe?

Persönliche Billigkeitsgründe: Diese betreffen die Person des Steuerpflichtigen. Ein persönlicher Billigkeitsgrund kann unter anderem dann vorliegen, wenn die Eintreibung der Steuern dazu führen würde, dass er seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann.

Sind Säumniszuschläge verfassungswidrig?

Denn das Bundesverfassungsgericht hatte 2021 entschieden, dass der Zinssatz von 6 Prozent jährlich bei Steuernachzahlungen und Erstattungen ab dem Jahr 2014 verfassungswidrig ist (Beschluss vom 8.7.2021, 1 BvR 2237/14, 1 BvR 2422/17).

Was ist ein Erlass aus Billigkeitsgründen nach dem AO?

Gemäß § 227 AO können die Finanzbehörden Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis ganz oder zum Teil erlassen, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falles unbillig wäre; unter den gleichen Voraussetzungen können bereits entrichtete Beträge erstattet oder angerechnet werden.

Wann fällt der Säumniszuschlag an?

Ein Säumniszuschlag wird bei einer Säumnis bis zu drei Tagen (Säumnisschonfrist) nicht erhoben (§ 240 Abs. 3 AO). Fällt das Ende der dreitägigen Schonfrist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sich das Ende der Schonfrist auf den folgenden Werktag (§ 108 Abs. 3 AO.

Wann sind Säumniszuschläge abziehbar?

Säumniszuschläge stellen steuerliche Nebenleistungen dar und entstehen bei nicht termingerechter Zahlung. Sie sind als Betriebsausgaben abzuziehen, wenn für die Steuer, deretwegen die Erhebung der Säumniszuschläge erfolgt ist, ein Betriebsausgabenabzug zulässig ist.

Wie kann ich Einspruch gegen Säumniszuschläge einlegen?

So funktioniert der Einspruch gegen Säumniszuschläge

B. nach §§ 347 ff. AO Einspruch einlegen können, funktioniert dies bei Säumniszuschlägen nicht. Denn diese entstehen kraft Gesetzes bei Verwirklichung des Tatbestands und sind bereits mit ihrer Entstehung fällig (§ 220 Abs.

Kann ein Säumniszuschlag erlassen werden?

Ein Säumniszuschlag kann im Einzelfall dem Steuerpflichtigen erlassen werden. Folgende Gründe können zum Erlass des Säumniszuschlages führen: Die Steuerschuld (Hauptschuld) wurde erlassen, es liegen die Voraussetzungen für eine zinslose Stundung der Steuer vor.

Wie hoch dürfen Säumniszuschläge sein?

Der Säumniszuschlag beträgt für jeden angefangenen Monat der Säumnis 1 % des abgerundeten rückständigen Steuerbetrags; abzurunden ist auf den nächsten durch fünfzig Euro teilbaren Betrag (§ 240 AO).

Kann das Finanzamt auf Säumniszuschläge verzichten?

Das Finanzamt kann Säumniszuschläge (teilweise) erlassen, wenn die Erhebung „unbillig“ wäre (§ 227 AO). Dies kann z. B. der Fall sein, wenn wegen einer plötzlichen Erkrankung eine pünktliche Zahlung nicht möglich war oder bei Zahlungsunfähigkeit bzw.

Wann stellt man einen Erlassantrag?

Erlasswürdigkeit liegt nur vor, wenn der Steuerpflichtige seine mangelnde Leistungsfähigkeit nicht selbst herbeigeführt und durch sein Verhalten (z.B. Verletzung steuerlicher Verpflichtungen) gegen die steuerlichen Interessen der Allgemeinheit verstoßen hat.

Wann Erlass?

Als Voraussetzungen für den Erlass gelten die persönliche und sachliche Erlassbedürftigkeit. Die persönliche Erlassbedürftigkeit besteht unter anderem, wenn die wirtschaftliche Existenz des Steuerpflichtigen gefährdet ist. Jedoch ist eine Kreditaufnahme oder eine Teilliquidation des Vermögens zumutbar.

Welche Wirkung hat ein Erlass?

Ein Erlass ist zum ersten eine Vereinbarung oder ein Verwaltungsakt, durch den ein Gläubiger einem Schuldner dessen Schuld erlässt (Schuldenerlass). Der Gläubiger verzichtet bei einem Erlass also auf seinen Anspruch (Forderungsverzicht).

Was sind Billigungsgründe?

Ein Billigkeitsgrund bezieht sich auf rechtliche Situationen, in denen die strikte Anwendung von Gesetzen und Vorschriften zu unangemessenen oder ungerechten Ergebnissen führen würde.

Welche Beispiele gibt es für Sachliche Unbilligkeit?

Beispiele für Fälle sachlicher Unbilligkeit sind: Verschiedene Regelungen führen zu einer hohen Steuerschuld, dem steht aber kein Zuwachs an Leistungsfähigkeit gegenüber. Verstöße gegen den Grundsatz von Treu und Glauben wurden bei der Steuerfestsetzung nicht beachtet.