Wann muss ein Firmenwert aktiviert werden?

Gefragt von: Annelie Moritz-Rose
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Ein Firmenwert (Goodwill) muss aktiviert werden, wenn er entgeltlich erworben wurde, also bei einem Unternehmenskauf oder der Einbringung von Privatvermögen in ein Betriebsvermögen. Er wird dann als zeitlich begrenzter Vermögensgegenstand in der Bilanz ausgewiesen und abgeschrieben, während ein selbst geschaffener Firmenwert (originärer) grundsätzlich nicht aktiviert werden darf.

Wann wird ein Firmenwert aktiviert?

Wurde der Firmenwert entgeltlich erworben, muss er aktiviert werden (handelsrechtliche Aktivierungspflicht). Ein entgeltlich erworbener Firmenwert (sog. derivativer Firmenwert) liegt unter anderem vor, wenn die Gegenleistung beim Kauf eines Unternehmens den Wert der aktiven und passiven Wirtschaftsgüter übersteigt.

Sollte der Firmenwert aktiviert werden?

Der Firmenwert wird im Allgemeinen als aktivierter, nicht identifizierbarer immaterieller Vermögenswert in der Bilanz eines Unternehmens ausgewiesen, der aus dem Erwerb des identifizierbaren Nettovermögens eines anderen Unternehmens resultiert.

Wann ist etwas aktivierungspflichtig?

Die Aktivierungspflicht gilt für alle Vermögensgegenstände, deren Wert über die Abrechnungsperiode hinaus weiter besteht. So vermeiden Unternehmen, dass alle Vermögensgegenstände innerhalb von nur einem Geschäftsjahr vollständig abgeschrieben werden.

Kann ein selbst geschaffener Firmenwert aktiviert werden?

Sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht kann ein selbst geschaffener Firmenwert nicht aktiviert und somit nicht abgeschrieben werden (Aktivierungsverbot). Also darf man nur einen entgeltlich erworbenen Firmenwert ansetzten und abschreiben. Dabei gilt dies sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht.

Derivativer Geschäftswert oder Firmenwert, Reinvermögen | Externes Rechnungswesen

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Wann muss ich etwas aktivieren?

Die Aktivierungspflicht besteht für alle Vermögensgegenstände, für die auch über die Abrechnungsperiode hinaus noch einen Wert für dein Unternehmen darstellen. Mit dieser Aktivierungspflicht will der Gesetzgeber verhindern, dass du innerhalb von einem Geschäftsjahr alle Vermögenswerte vollständig abschreiben kannst.

Wie wird ein gekaufter Kundenstamm steuerlich abgeschrieben?

Steuerlich wird in beiden Varianten ein "immaterielles Wirtschaftsgut" gekauft, das im Rahmen der Abschreibung steuerlich geltend gemacht werden kann. Doch der Firmenwert muss über 15 Jahre abgeschrieben werden. Der Kundenstamm hat dagegen nur eine Abschreibungsdauer von fünf bis acht Jahren.

Kann man Wirtschaftsgüter unter 250 Euro aktivieren?

Wirtschaftsgüter bis 250 Euro (ohne Umsatzsteuer) werden sofort abgeschrieben. Bei Wirtschaftsgütern, der Anschaffungskosten oder Herstellungskosten zwischen 251 Euro und 800 Euro liegen, kann zwischen Sofortabschreibung und Sammelposten gewählt werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Anlagevermögen zu aktivieren?

Die Aktivierung von Anlagevermögen setzt voraus, dass ein Wirtschaftsgut dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dient, eine Verfügungsmacht besteht, ein zukünftiger wirtschaftlicher Nutzen (Mittelzufluss) wahrscheinlich ist, der Wert verlässlich schätzbar ist (oft über 1.000 €), und kein Bilanzierungsverbot (§ 248 HGB) vorliegt, wobei selbstgeschaffene immaterielle Werte oft ein Aktivierungswahlrecht haben. 

Was darf nicht aktiviert werden?

Aktivierungsverbot. Grundsätzlich gilt, dass folgende Vermögensgegenstände nicht aktiviert werden dürfen: Immaterielle Vermögenswerte wie originäre (selbst geschaffene) Firmenwerte, selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Kundenlisten, Rechte, etc. (§ 248 Abs.

Ist die Bilanzsumme der Firmenwert?

Die Aktivseite der Bilanz ist ein Verzeichnis des Vermögens des Unternehmens. Wir könnten also sagen, dass die Bilanzsumme der Wert des Unternehmens ist. Tatsächlich handelt es sich bei der Aufstellung dieser Vermögenswerte um den so genannten Buchwert, mit dem diese „in den Büchern“ stehen.

Wie buche ich den Firmenwert?

Ein entgeltlich erworbener (derivativer) Geschäfts- oder Firmenwert hingegen ist als Vermögensgegenstand sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz zu erfassen. Insoweit besteht Übereinstimmung. Die Buchung erfolgt auf das Konto "Geschäfts- oder Firmenwert" 0035 (SKR 03) bzw. 0150 (SKR 04).

Wann kann ich den Firmenwert abschreiben?

Sofern in Ausnahmefällen die voraussichtliche Nutzungsdauer eines Geschäfts- oder Firmenwerts nicht verlässlich geschätzt werden kann, ist dieser Geschäfts- oder Firmenwert nach § 253 Abs. 3 Satz 4 HGB planmäßig über einen Zeitraum von 10 Jahren abzuschreiben.

Wie wird der Firmenwert eines Einzelunternehmens ermittelt?

Der Firmenwert eines Einzelunternehmens ist der immaterielle Mehrwert, der über die reinen Sachwerte hinausgeht (Kundenstamm, Ruf, Organisation) und wird oft durch Faustformeln (Gewinn x Multiplikator) oder professionelle Bewertungsmethoden (Ertrags-, Substanzwertverfahren) ermittelt, um eine faire Bewertung für Kauf, Verkauf oder Nachfolge zu finden, wobei subjektive Faktoren eine große Rolle spielen und es keinen einzigen „objektiven“ Wert gibt. Beim Verkauf kann ein Freibetrag von 45.000 € (bis 180.000 € Verkaufspreis) steuerliche Vorteile bringen.
 

Wie kann ich den Kaufpreis einer Firma steuerlich geltend machen?

Der Verkauf der Firma ist steuerlich für den Veräußerer eine Betriebsaufgabe. Der Kaufpreis ist auf die erworbenen Wirtschaftsgüter sowie einen ggf. gekauften Firmenwert zu verteilen. Die Abschreibung erfolgt je nach Wirtschaftsgut unterschiedlich und für den Firmenwert (nach steuerlichen Regeln) auf 15 Jahre.

Wann entsteht ein GoF?

Im handelsrechtlichen Konzernabschluss entsteht ein GoF, wenn die Anschaffungskosten für den Erwerb einer beherrschenden Beteiligung an einem Tochterunternehmen, einschließlich etwaiger Anschaffungsnebenkosten, das anteilige auf das Mutterunternehmen entfallende neubewertete Eigenkapital übersteigen (§ 301 Abs.

Wann Aktivierungspflicht?

Die Aktivierungspflicht gilt für die Vermögenswerte mit einem über die Dauer der Abrechnungsperiode hinausreichenden Wert. Durch die Aktivierungspflicht dieser Vermögenswerte wird ihre vollständige Abschreibung in einer Abrechnungsperiode (vielfach Kalenderjahr) und damit eine unzulässige Gewinnminderung verhindert.

Was regelt der 253 HGB?

Gewinne dürfen nur ausgeschüttet werden, wenn die nach der Ausschüttung verbleibenden frei verfügbaren Rücklagen zuzüglich eines Gewinnvortrags und abzüglich eines Verlustvortrags mindestens dem Unterschiedsbetrag nach Satz 1 entsprechen.

Wann muss etwas ins Anlagevermögen?

Ein Wirtschaftsgut gehört zum Anlagevermögen, wenn es dauerhaft (länger als ein Jahr) im Betrieb genutzt werden soll, unabhängig vom Preis, aber mit steuerlichen Grenzen für die sofortige Abschreibung (GWG-Grenze liegt oft bei 800 € netto). Die Entscheidung hängt also von der Absicht der dauerhaften Nutzung ab, nicht nur vom Wert, wobei Gegenstände unterhalb der GWG-Grenze oft schneller abgeschrieben werden können, während teurere Dinge über die Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden müssen. 

Was sind die GWG-Grenzen für Anlagevermögen?

Was ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut? Geringwertige Wirtschaftsgüter (kurz GWG) sind alle Gegenstände, die nach § 6 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) zum Anlagevermögen deines Unternehmens gehören und deren Kosten zwischen 250,01 Euro und 800 Euro netto liegen (bei Sammelposten 1.000 Euro netto).

Wie buche ich Werkzeuge über 250 Euro?

Anschaffungskosten zwischen 250,01 € und 1.000 € netto – Sammelposten. Sie können die GWGs zwischen 250,01 € und 1.000 € (netto) in einem Sammelposten erfassen und über 5 Jahre lang linear abschreiben.

Was ist die 800-Euro-Grenze für Kleinunternehmer?

Der Grenzwert für geringwertige Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG beträgt 800 EUR (bis dahin 410 EUR). Bei der Aufzeichnungsflicht nach § 6 Abs. 2 Satz 4 EStG gilt die Grenze von 250 EUR (bis dahin 150 EUR).

Ist der Kundenstamm Geschäfts- oder Firmenwert?

Was ist der Geschäfts- oder Firmenwert? Der Geschäfts- oder Firmenwert beschreibt den Mehrwert eines Unternehmens, der über dessen Substanzwert hinausgeht. Er umfasst immaterielle Werte wie Ruf, Kundenstamm und Organisation und wird bei der Bewertung von Unternehmen als eigenständiges Wirtschaftsgut anerkannt.

Werden Möbel über 5 oder 7 Jahre abgeschrieben?

In der Regel werden Büromöbel mit einer Nutzungsdauer von 13 Jahren gemäß der AfA-Tabelle (Abschreibung für Abnutzung) abgeschrieben. Das bedeutet, dass die Möbel über diesen Zeitraum hinweg mit einem festen Prozentsatz jährlich abgesetzt werden können.

Ist der Verkauf einer privaten Sammlung steuerpflichtig?

Der Gewinn aus dem Verkauf einer über Jahre zusammengetragenen privaten Sammlung ist nicht einkommensteuerpflichtig. So hat es der Bundesfinanzhof (die höchste deutsche Gerichtsinstanz auf dem Gebiet des Steuer- und Zollrechts) in einer Entscheidung aus dem Jahr 2020[1] deutlich gesagt.