Wann muss ein Schwerbehinderter eingestellt werden?

Gefragt von: Achim Mertens-Anders
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Arbeitgeber mit mindestens 20 Mitarbeitenden müssen eine Pflichtquote von 5 % ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzen; kleinere Betriebe (20-39 MA) müssen einen, Betriebe (40-59 MA) zwei Stellen besetzen, danach Staffelung. Es besteht eine gesetzliche Pflicht, bei der Besetzung freier Stellen schwerbehinderte Bewerber zu berücksichtigen und eine Einstellung wird nicht zwingend vorgeschrieben, aber der Arbeitgeber muss die Pflicht erfüllen oder eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Wann müssen Schwerbehinderte eingestellt werden?

Wer im Jahresdurchschnitt monatlich 20 oder mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt, ist dazu verpflichtet, Menschen mit einer Schwerbehinderung einzustellen. Und zwar müssen mindestens 5 % der Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt werden.

Was ändert sich 2025 für schwerbehinderte Menschen?

Für Schwerbehinderte bringt 2025 vor allem Verbesserungen bei finanziellen Leistungen (Pflegegeld, Wohngeld, Kindergeld), eine Ausweitung des Behinderten-Pauschbetrags, neue Regelungen für die Rente (GdB 50) und durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) mehr barrierefreie Produkte und Dienstleistungen, während die Ausgleichsabgabe für Firmen steigt und ab 2026 strengere Rentengrenzen drohen. 

Kann sich der Arbeitgeber von der Verpflichtung Schwerbehinderte einstellen befreien?

61 % der Arbeitgeber lassen sich von der Beschäftigungspflicht für Schwerbehinderte befreien. Diese Kosten kommen auf die Arbeitgeber zu. Private und öffentliche Arbeitgeber müssen auf wenigstens 5 % der Arbeitsplätze Schwerbehinderte beschäftigen, sofern sie über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen.

Wie lange dürfen Menschen mit Behinderung arbeiten?

Menschen mit Schwerbehinderung können es ablehnen, mehr als acht Stunden täglich zu arbeiten. Außerdem kann der Mensch mit Schwerbehinderung je nach Schwere seiner Behinderung einen Anspruch auf Teilzeitarbeit haben.

Welche Rechte haben schwerbehinderte Menschen auf der Arbeit? | Rat & Tat - kurz erklärt

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Wie lange muss ich als Schwerbehinderter arbeiten?

Im Schwerbehindertenrecht haben Menschen mit Schwerbehinderung das Recht, Mehrarbeit (über 8 Stunden täglich) abzulehnen (§ 207 SGB IX) und einen Anspruch auf behinderungsgerechte Gestaltung der Arbeitszeit, was auch Teilzeit oder flexible Zeiten umfassen kann, wenn es gesundheitlich notwendig ist und dem Arbeitgeber zumutbar ist (§ 164 Abs. 4 SGB IX). Der Arbeitgeber muss die Arbeitszeit an die Behinderung anpassen, um die Gesundheit zu schützen, auch wenn dies die Anrechnung auf die Pflichtarbeitsplätze des Arbeitgebers beeinflusst (weniger Stunden als 18h/Woche).
 

Was ändert sich 2026 für Schwerbehinderte?

Ab 2026 ändert sich für viele Menschen mit Schwerbehinderung vor allem bei der Rente einiges: Der sogenannte Vertrauensschutz für die Schwerbehindertenrente endet, was bedeutet, dass abschlagsfreie Rente erst mit 65 Jahren möglich ist, während der vorgezogene Rentenbeginn ab 62 Jahren nur noch mit dauerhaften Abschlägen (bis zu 10,8 %) möglich ist. Auch die Einführung eines einheitlichen EU-Behindertenausweises beginnt, was europaweit Vorteile bringen soll, und es kommen digitalere Verfahren sowie eine stärkere Durchsetzung der Barrierefreiheit. 

Wie werde ich einen Schwerbehinderten Mitarbeiter los?

Die Zustimmung des Integrationsamtes zur Kündigung eines Schwerbehinderten ist grundsätzlich in den allermeisten Fällen erforderlich. Dies bedeutet, dass ein Antrag des Arbeitgebers auf Zustimmung des zuständigen Integrationsamtes gemäß § 170 Abs. 1 SGB IX schriftlich oder elektronisch zu stellen ist.

Werden Schwerbehinderte bevorzugt eingestellt?

Ja, schwerbehinderte Menschen werden bei der Einstellung bevorzugt berücksichtigt, aber nur bei gleicher Eignung mit anderen Bewerbern; sie haben keinen automatischen Vorrang, aber Arbeitgeber müssen sie bei gleicher Qualifikation einladen und bei öffentlichen Arbeitgebern gibt es eine Einladungspflicht zum Gespräch, wenn sie fachlich geeignet sind. Ziel ist die Herstellung gleicher Chancen, nicht die Bevorzugung gegenüber fachlich besser geeigneten Personen. 

Wie viel Geld bekommt ein Arbeitgeber, wenn er einen Schwerbehinderten einstellt?

Ein Arbeitgeber bekommt bei der Einstellung eines Menschen mit Behinderung finanzielle Unterstützung, hauptsächlich in Form von Eingliederungszuschüssen von der Agentur für Arbeit (bis zu 70 % des Gehalts für bis zu 24 Monate), sowie Unterstützung bei der Arbeitsplatzerst_e_inrichtung durch die Integrationsämter und kann durch die Erfüllung der Beschäftigungspflicht (5 %) von der Ausgleichsabgabe profitieren, die bei Nichterfüllung fällig wird. 

Wie hoch ist die neue Altersgrenze für schwerbehinderte Menschen?

Vor dieser abschlagsfreien Rente ist eine um bis zu 3 weitere Jahre vorgezogene Altersrente möglich, allerdings mit Abschlägen von bis zu 10,8 %. Die Altersgrenze für eine abschlagsfreie Rente bei Schwerbehinderung wird seit 2015 schrittweise von 63 auf 65 Jahre angehoben.

Was ändert sich ab 01.01 2026?

Ab dem 1. Januar 2026 wird die Pendlerpauschale vereinfacht: Für jeden gefahrenen Kilometer gibt es dann einheitlich 38 Cent und zwar direkt ab dem ersten Kilometer. Die bisherige Staffelung (30 Cent bis 20 Kilometer, danach 38 Cent) fällt weg.

Wie viel Geld bekommen Schwerbehinderte vom Staat?

Menschen mit Schwerbehinderung

Den Bescheid über diese Leistungen müssen Sie Ihrem Antrag auf Bürgergeld beifügen. Bei einer alleinstehenden erwachsenen Person mit Schwerbehinderung beträgt der Mehrbedarf dann 197,05 Euro. Nämlich 35 Prozent von 563 Euro, also 197,05 Euro (Stand: 2026).

Was ändert sich für schwerbehinderte 2025?

Für Schwerbehinderte bringt 2025 vor allem Verbesserungen bei finanziellen Leistungen (Pflegegeld, Wohngeld, Kindergeld), eine Ausweitung des Behinderten-Pauschbetrags, neue Regelungen für die Rente (GdB 50) und durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) mehr barrierefreie Produkte und Dienstleistungen, während die Ausgleichsabgabe für Firmen steigt und ab 2026 strengere Rentengrenzen drohen. 

Wie viele schwerbehinderte Menschen muss ein Arbeitgeber mindestens einstellen?

Alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet, wenigstens fünf Prozent davon mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen ( § 154 SGB IX ).

Wie lange darf ein Schwerbehinderter krank sein?

Ein schwerbehinderter Mensch kann grundsätzlich genauso lange krank sein wie jeder andere auch, aber er genießt besonderen Kündigungsschutz und hat Anspruch auf Zusatzurlaub (5 Tage/Jahr), wobei die Krankheitsdauer allein nicht automatisch zur Kündigung berechtigt, es sei denn, sie stört das Arbeitsverhältnis massiv (z.B. > 30 Tage/Jahr in der Regel) und nach erfolglosem betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM). Die Krankenkasse zahlt das Krankengeld maximal 78 Wochen pro Krankheit innerhalb von drei Jahren, danach droht die Arbeitslosigkeit, wenn keine Besserung eintritt. 

Wann kann ein Schwerbehinderter entlassen werden?

Der besondere Kündigungsschutz gilt für schwerbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung ( GdB ) von mindestens 50 und ihnen gleichgestellten Menschen mit einer Behinderung von 30 oder 40 GdB . Er gilt auch für leitende Angestellte und Auszubildende und ist unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten.

Wie viele Stunden darf ein Schwerbehinderter am Tag arbeiten?

1 Satz 1 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gesetzlich vorgesehenen acht Stunden pro Werktag. Darüber hinausgehende Arbeitszeit ist Mehrarbeit. Der schwerbehinderte bzw. ihm gleichgestellte Arbeitnehmer ist also nach § 207 SGB IX nicht verpflichtet, mehr als die regelmäßige tägliche Arbeitszeit von acht Stunden zu arbeiten.

Kann ein Schwerbehinderter befristet eingestellt werden?

Wird durch Bescheid festgestellt, dass ein Mensch schwerbehindert ist, also ein GdB 50 oder mehr vorliegt, besteht ein Anspruch auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises, was sich aus § 152 Abs. 5 SGB IX ergibt. Am Ende dieser Vorschrift heißt es: „Die Gültigkeitsdauer des Ausweises soll befristet werden.

Können Schwerbehinderte krankheitsbedingt gekündigt werden?

Ja, eine Kündigung wegen Krankheit ist auch bei Schwerbehinderten möglich, aber an strenge Voraussetzungen geknüpft: Der Arbeitgeber braucht die Zustimmung des Integrationsamtes und muss nachweisen, dass alle milderen Mittel ausgeschöpft wurden (z.B. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)), eine negative Gesundheitsprognose besteht, die betrieblichen Interessen erheblich beeinträchtigt sind und eine Interessenabwägung zugunsten der Kündigung ausfällt. Die Kündigung muss das letzte Mittel sein, und das Integrationsamt prüft diese Voraussetzungen genau.
 

Wann stimmt das Integrationsamt einer betriebsbedingten Kündigung zu?

Betriebsbedingte Kündigung schwerbehinderter Menschen

(Die Arbeitsgerichte hingegen prüfen, ob eine ordnungsgemäße Sozialauswahl gemäß § 1 KSchG stattgefunden hat). Bei Betriebsstilllegung oder wesentlicher Betriebseinschränkung muss das Integrationsamt seine Zustimmung zur Kündigung erteilen.

Ist eine Probezeitkündigung eines Schwerbehinderten möglich?

Eine Kündigung eines schwerbehinderten Menschen in der Probezeit ist grundsätzlich möglich, da der besondere Kündigungsschutz (§§ 168 ff. SGB IX) erst nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit greift (sogenannte Wartezeit), aber der Arbeitgeber muss die Schwerbehindertenvertretung anhören und die Kündigung innerhalb von vier Tagen dem Integrationsamt anzeigen, auch wenn die Zustimmung des Amtes noch nicht nötig ist, was eine Kündigung erleichtert, aber nicht risikofrei macht. Das Integrationsamt wird informiert, um eine Prüfung zu ermöglichen, kann aber bei Nichtbefolgung der Anzeigepflichten oder Diskriminierung eingreifen, selbst wenn der volle Schutz noch nicht greift.
 

Wie wirkt sich 50% Schwerbehinderung auf die Rente aus?

Menschen mit einem anerkannten Behinderungsgrad von mindestens 50 können vorzeitig abschlagsfrei in Rente gehen. Voraussetzung sind mindestens 35 Beitragsjahre. Der Grad der Behinderung muss bei Rentenbeginn offiziell festgestellt sein.

Welche Zuschüsse gibt es bei 50% Schwerbehinderung?

Bei einem GdB von 50 erhalten Sie wichtige Nachteilsausgleiche wie den Behinderten-Pauschbetrag von 1.140 € jährlich (steuerlich), 5 Tage Zusatzurlaub und besonderen Kündigungsschutz, sowie Unterstützung am Arbeitsplatz (z.B. Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber), Vorteile bei der Rente (früherer Eintritt) und Chancen auf Sozialleistungen (Wohngeld). Es gibt auch Möglichkeiten zur Kfz-Steuerbefreiung (mit Merkzeichen) und Eingliederungshilfe durch die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt.
 

Welche Krankheiten erhöhen den Grad der Behinderung?

GdB bei bestimmten Krankheiten

  • ADHS > Behinderung.
  • ALS > Schwerbehinderung.
  • Arthrose > Schwerbehinderung.
  • Allergien > Behinderung.
  • Asthma > Behinderung.
  • Brustkrebs > Schwerbehinderung.
  • CED > Schwerbehinderung.
  • Chronische Schmerzen > Schwerbehinderung.