Warum muss ich für selbst erzeugten Strom bezahlen?

Gefragt von: Frau Prof. Dr. Lilo Scherer
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Sie müssen nicht direkt für den selbst verbrauchten Strom bezahlen, aber es können indirekte Kosten durch Steuern (Umsatz-, Einkommensteuer) und Abgaben anfallen, wenn Sie ins Netz einspeisen, da Sie technisch ans System angeschlossen sind und eine gewerbliche Tätigkeit ausüben. Bei kleinen Anlagen (bis 30 kWp) gibt es jedoch seit 2023 steuerliche Erleichterungen (0 % MwSt. beim Kauf, Befreiung von Einkommens- und Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch), wodurch die Kosten für den Eigenverbrauch oft entfallen.

Warum muss der Eigenverbrauch bei Photovoltaikanlagen versteuert werden?

Der Grund: Der erzeugte Strom wird - zumindest teilweise - ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Dadurch wird er verkauft. Ertragsteuerlich gesehen muss auf PV-Anlagen also Einkommensteuer ans Finanzamt gezahlt werden. Denn es handelt sich um Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb.

Ist selbst erzeugter Strom steuerfrei?

Strom ist von der Steuer befreit, wenn er aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt und vom Betreiber der Anlage am Ort der Erzeugung entnommen wird. Die elektrische Nennleistung der Anlage muss 2 Megawatt übersteigen.

Wie lange wird die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen gezahlt?

Die gesetzliche Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird für 20 Jahre gezahlt, wobei die Frist mit dem Jahr der Inbetriebnahme beginnt (20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr) und der festgelegte Satz für diesen Zeitraum garantiert ist, auch wenn sich die Sätze danach ändern. Nach Ablauf der 20 Jahre entfällt die feste Vergütung, aber der Strom muss weiterhin abgenommen werden; Eigenverbrauch wird dann oft lukrativer.
 

Wann muss der Netzbetreiber eine Einspeisevergütung zahlen?

Das EEG enthält keine separate Frist, bis zu der der Netzbetreiber die Monatsabrechnung vorgenommen haben muss. Die Vergütung ist aber unabhängig von der Erstellung einer Monatsabrechnung durch den Netzbetreiber zu zahlen.

Muss ich Umsatzsteuer auf meinen selbst erzeugten Strom zahlen?

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Wie erfolgt die Abrechnung der Einspeisevergütung?

Die Abrechnung der Einspeisevergütung für PV-Anlagen läuft über den Netzbetreiber, der monatliche Abschläge zahlt und eine jährliche Abrechnung erstellt, die auf dem Zählerstand basiert – entweder über Standardlastprofile (kleinere Anlagen) oder Lastgangmessung (größere Anlagen). Entscheidend sind die aktuellen Vergütungssätze des EEG, die sich nach Anlagengröße und Inbetriebnahmejahr richten (z.B. für 2024/2025 gestaffelt) und für 20 Jahre gezahlt werden, wobei der Zählerstand gemeldet werden muss. 

Wie versteuern Sie selbst erzeugten Strom richtig?

Alle Photovoltaikanlagen sind seit dem 1.1.2025 einheitlich von der Einkommensteuer befreit. Das gilt, wenn sie erst ab dem Jahr 2025 neu in Betrieb genommen oder erweitert wurden bzw. werden. Einkommensteuerfrei sind aber nur PV-Anlagen bis höchstens 30 kWp pro Wohn- oder Gewerbeeinheit, unabhängig von der Gebäudeart.

Welchen Strompreis sollte man bei Eigenverbrauch ansetzen?

Welchen Strompreis sollte man bei Eigenverbrauch ansetzen? Man sollte den aktuellen Strompreis von etwa 30 bis 40 Cent/kWh ansetzen, da dies die Kosten sind, die durch Eigenverbrauch eingespart werden.

Wie hoch sind die Steuern auf selbst erzeugten Strom?

Neben den Anschaffungskosten ist auch der erzeugte Strom einer netzgekoppelten PV-Anlage grundsätzlich mit 19 Prozent umsatzsteuerpflichtig (siehe u. a. BMF-Schreiben vom 01.04.2009 zum Direktverbrauch).

Ist der Eigenverbrauch einer Photovoltaikanlage eine unentgeltliche Wertabgabe?

Umsatzsteuerlich wird der Eigenverbrauch als unentgeltliche Wertabgabe bezeichnet. Wenn Sie die Vorsteuer aus der Anschaffung Ihrer Photovoltaikanlage geltend gemacht haben, müssen Sie zum Ausgleich für den eigenverbrauchten Strom diese unentgeltliche Wertabgabe auch im Rahmen der Umsatzsteuer versteuern.

Wie wird selbst verbrauchter Solarstrom steuerlich erfasst?

Die in Rechnung gestellten Ausgaben des Stromunternehmens für den selbst verbrauchten Strom stellen Betriebsausgaben des Jahres dar, in dem die Zahlung erfolgt. Die hierbei in Rechnung gestellte Umsatzsteuer kann als Vorsteuer geltend gemacht werden.

Wie viel Eigenverbrauch Photovoltaik ist realistisch?

Wie hoch ist mein Eigenverbrauch? Ein Eigenverbrauch von bis zu 80 Prozent ist realistisch, wenn Sie Photovoltaik mit einem Speicher kombinieren. Ohne Speicher können Sie üblicherweise mit einem Eigenverbrauch von ungefähr 30 Prozent rechnen.

Ist Solarstrom vom eigenen Dach überhaupt noch rentabel?

Ja, eine Solaranlage auf dem Dach lohnt sich in den meisten Fällen, besonders durch steigende Strompreise und sinkende Anlagenkosten, mit Amortisationszeiten von etwa 10 bis 16 Jahren und langfristiger Rendite, vorausgesetzt, man maximiert den Eigenverbrauch durch Kombination mit Stromspeicher, Wärmepumpe oder E-Auto-Laden, um von günstigem Solarstrom (ca. 5-10 Cent/kWh) gegenüber Netzstrom (ca. 40 Cent/kWh) zu profitieren. 

Kann ich meinen selbst erzeugten Strom verkaufen?

Damit Ihr Stromüberschuss nicht verpufft, können Sie als Eigentümer einer PV-Anlage den Überschuss Ihres selbst erzeugten PV-Stroms verkaufen. Die gängigste Art, PV-Strom weiterzuverkaufen, ist die Einspeisevergütung.

Kann ich meinen selbst erzeugten Strom woanders nutzen?

Strom produzieren und woanders nutzen bedeutet meist, überschüssigen Solar- oder Windstrom in eine virtuelle "Strom-Cloud" einzuspeisen, um ihn später oder an einem anderen Ort zu verbrauchen, oder ihn durch Energiegenossenschaften zu teilen, da der direkte Verkauf kompliziert ist, aber eine Strom-Cloud oder physische Speicher die Autarkie erhöhen und Kosten senken können. Die einfachste Variante für Mieter ist Steckersolar, während größere Anlagen oft mit Speicher und Einspeisung kombiniert werden, um den Eigenverbrauch zu maximieren und Unabhängigkeit zu gewinnen, wie die Verbraucherzentrale erklärt. 

Warum wird der Strom aus der PV zuerst verbraucht?

Wenn Sie also Strom direkt in Ihrem Zuhause erzeugen – beispielsweise durch ein Balkonkraftwerk – wird dieser Strom direkt zu den Geräten fließen, die gerade in Betrieb sind, weil dies der kürzeste und einfachste Weg ist. Ganz automatisch wird also immer Ihr selbst erzeugter, grüner Strom zuerst verwendet!

Was ist besser, Volleinspeisung oder Eigenverbrauch?

Meist lohnt sich eine Volleinspeisung erst, wenn mehr als 80 Prozent des erzeugten Stroms nicht selbst benötigt werden und daher eingespeist werden können und die Anlagengröße mindestens 10 kWp beträgt. Sie besitzen ein Mehrfamilienhaus und können den Solarstrom nicht auf die einzelnen Wohnungen verteilen.

Wie wird selbst erzeugter Strom verrechnet?

Aktuell beträgt die Einspeisevergütung bis zu 7,86 Cent pro Kilowattstunde, wenn Du Deinen PV-Strom zum Teil selbst verbrauchen willst. Bei Volleinspeisung sind es bis zu 12,60 Cent pro Kilowattstunde.

Welche Änderungen bringt das neue Solargesetz 2025 mit sich?

Das "Solarspitzengesetz" ist im Februar 2025 in Kraft getreten und bringt neue Regeln für PV-Anlagen: Ab 7 kWp wird ein Smart Meter Pflicht, bei negativen Börsenstrompreisen gibt's keine Vergütung mehr, und bei Anlagen über 7 kWp dürfen ohne Steuerbox nur 60% einspeisen; dafür wird die Bürokratie für kleine Anlagen vereinfacht und die Mehrwertsteuerbefreiung bis 30 kWp bleibt bestehen, während die Solarpflicht in Bundesländern ausgeweitet wird, was Eigenverbrauch und Speicher wichtiger macht.
 

Ist die Einspeisung aus einer Photovoltaikanlage steuerfrei?

In der Regel fällt bei der Einspeisung von Strom künftig keine Umsatzsteuer mehr an. Etwas anderes gilt lediglich, wenn der Betreiber der Photovoltaikanlage auf die Anwendung der sogenannten Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG ) verzichtet.

Wie erhalte ich meine Einspeisevergütung?

Um die Einspeisevergütung zu bekommen, müssen Sie Ihre Photovoltaikanlage beim zuständigen Netzbetreiber anmelden, sie innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur registrieren und einen Zwei-Wege-Zähler installieren lassen; danach schließen Sie einen Einspeisevertrag ab, und der Netzbetreiber zahlt Ihnen basierend auf den gesetzlichen Sätzen für Ihren erzeugten und eingespeisten Strom. 

Wann zahlt der Netzbetreiber die Einspeisevergütung?

Die Einspeisevergütung wird ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Solaranlage 20 Jahre lang als fester Betrag ausgezahlt.

Was zahlt die ÖMAG fürs Einspeisen 2025?

Der aktuell festgelegte OeMAG-Einspeisetarif für Oktober 2025 beträgt 9,167 Cent pro kWh. Dies bedeutet ein Plus von 1,8% im Vergleich zum Vormonat.