Was besagt § 107 BGB?

Gefragt von: Frau Dr. Ilona Brandl B.Eng.
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§ 107 BGB besagt, dass ein Minderjähriger für eine Willenserklärung, die ihm nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil bringt, die Einwilligung seiner gesetzlichen Vertreter (meist der Eltern) benötigt, wobei eine "lediglich rechtlich vorteilhafte" Erklärung vorliegt, wenn der Minderjährige keine Pflichten oder Nachteile eingeht, sondern seine Rechtsposition sich nur verbessert, wie z.B. bei einer Schenkung.

Was sagt 107 BGB aus?

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 107 Einwilligung des gesetzlichen Vertreters. Der Minderjährige bedarf zu einer Willenserklärung, durch die er nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt, der Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters.

Was bedeutet "lediglich rechtlich vorteilhaft"?

"Rechtlich vorteilhaft" (lediglich rechtlich vorteilhaft) bedeutet, dass ein Rechtsgeschäft die rechtliche Stellung einer Person, insbesondere eines Minderjährigen, ausschließlich verbessert, indem es ihr neue Rechte verschafft, ohne ihr neue Pflichten aufzuerlegen oder bestehende Rechte zu beschränken. Beispiele sind Schenkungen oder der Erwerb von Eigentum, wenn keine Belastungen damit verbunden sind. Reine wirtschaftliche Vorteile zählen nicht, nur die rechtlichen Folgen sind relevant. 

Was sind neutrale Rechtsgeschäfte für Minderjährige?

Ein rechtlich neutrales Geschäft ist ein Rechtsgeschäft, das dem Minderjährigen weder rechtlichen Vorteil noch Nachteil bringt. Es ist nach überwiegender Ansicht wirksam, da der Minderjährige in diesem Fall keines Schutzes bedarf (teleologische Reduktion von § 107 BGB).

Ist ein Schenkungsvertrag lediglich rechtlich vorteilhaft?

Eine Schenkung ist lediglich rechtlich vorteilhaft, wenn der Beschenkte dadurch nur Rechte erwirbt und keinerlei rechtliche Pflichten oder Belastungen eingeht, was bei vielen einfachen Geschenken (z.B. Bargeld, unbelastete Sachwerte) der Fall ist; bei Immobilien oder Wohnungseigentum wird die Schenkung aber oft als nachteilig angesehen, da damit rechtliche Verpflichtungen (z.B. Instandhaltung, WEG-Beiträge, Mietverhältnisse) verbunden sein können und dann rechtliche Vertretung (z.B. durch Ergänzungspfleger) notwendig wird.
 

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Was fällt unter Anstandsschenkungen?

Eine Anstandsschenkung ist eine kleine, gesellschaftlich übliche Zuwendung (z.B. Geburtstags-, Hochzeits-, Weihnachtsgeschenk), die man gibt, um dem sozialen Brauch zu entsprechen und Ansehen zu wahren, ohne eine Gegenleistung zu erwarten; sie wird im Erbrecht besonders behandelt, da sie meist keine Rückforderungsansprüche oder Pflichtteilsergänzungsansprüche auslöst. Der Wert und die Umstände des Einzelfalls (örtliche und soziale Gepflogenheiten) entscheiden, ob eine Schenkung als Anstandsschenkung gilt. 

Was sind die Nachteile einer Schenkung?

Risiken und rechtliche Fallstricke

  1. Verlust der Verfügungsmacht: Eine Schenkung ist rechtlich grundsätzlich unwiderruflich. ...
  2. Anrechnung auf Pflichtteile: Schenkungen können im Erbfall zu Streit führen, insbesondere wenn Pflichtteilsansprüche im Raum stehen. ...
  3. Sozialhilferegress droht:

Wann sind Rechtsgeschäfte von Minderjährigen rechtswirksam?

Sind die Eltern mit dem Kauf einer Sache einverstanden (= Einwilligung), so wird der Vertrag sofort wirksam. Sind diese vor dem Kauf nicht gefragt worden, so wird der Ver- trag erst wirksam, wenn sie zustimmen (= Genehmigung). Sie können aber auch die Genehmigung verweigern.

Welche 3 Arten der Geschäftsfähigkeit gibt es?

Das deutsche Recht unterscheidet drei Stufen der Geschäftsfähigkeit: Geschäftsunfähigkeit (unter 7 Jahren und bei dauerhafter geistiger Störung), beschränkte Geschäftsfähigkeit (7 bis 18 Jahre, oft Zustimmung der Eltern nötig) und volle Geschäftsfähigkeit (ab 18 Jahren), wobei juristische Personen ebenfalls voll geschäftsfähig sein können, wenn sie entsprechend vertreten werden. 

Was besagt § 111 BGB?

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 111 Einseitige Rechtsgeschäfte. Ein einseitiges Rechtsgeschäft, das der Minderjährige ohne die erforderliche Einwilligung des gesetzlichen Vertreters vornimmt, ist unwirksam.

Ist Nießbrauch lediglich rechtlich vorteilhaft?

Grundsätzlich ist die Belastung des Grundstücks des Kindes mit einem Nießbrauch eine genehmigungsbedürftige Verfügung, da eine solche nicht lediglich rechtlich vorteilhaft für den Minderjährigen ist.

Was sagt Paragraph 108 BGB?

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 108 Vertragsschluss ohne Einwilligung. (1) Schließt der Minderjährige einen Vertrag ohne die erforderliche Einwilligung des gesetzlichen Vertreters, so hängt die Wirksamkeit des Vertrags von der Genehmigung des Vertreters ab.

Was besagt Paragraph 113 BGB?

§ 113 Dienst- oder Arbeitsverhältnis

(3) 1Ist der gesetzliche Vertreter ein Vormund, so kann die Ermächtigung, wenn sie von ihm verweigert wird, auf Antrag des Minderjährigen durch das Familiengericht ersetzt werden.

Was bedeutet es, wenn ein Rechtsgeschäft lediglich rechtlich vorteilhaft ist?

Ein Rechtsgeschäft ist dann lediglich rechtlich vorteilhaft, wenn der Minderjährige in seiner Rechtsstellung verbessert wird. Entscheidend sind allein die rechtlichen Folgen des Geschäfts - wirtschaftliche Vorteile bleiben dagegen außer Betracht.

Welche Beispiele gibt es für neutrale Rechtsgeschäfte?

Beispiele für rechtlich neutrale Geschäfte sind die Bestimmung der Leistung eines Dritten durch den Minderjährigen gemäß § 317 BGB oder Rechtsgeschäfte, die der Minderjährige gemäß § 165 BGB als Vertreter eines Dritten vornimmt.

Welche 3 Arten von Willenserklärungen gibt es?

Es gibt drei Hauptarten, wie eine Willenserklärung abgegeben werden kann: ausdrücklich (mündlich, schriftlich, elektronisch), konkludent (durch schlüssiges, nicht explizites Verhalten, z.B. Handheben bei einer Auktion) und ausnahmsweise durch Schweigen (z.B. im kaufmännischen Verkehr bei bestimmten Vereinbarungen). Diese Formen beschreiben, wie der Wille nach außen getragen wird, und sind wichtig für das Zustandekommen von Verträgen. 

Wann bin ich nicht geschäftsfähig?

Man ist geschäftsunfähig, wenn man das 7. Lebensjahr noch nicht vollendet hat (Kinder bis 6 Jahre) oder sich in einem krankhaften Zustand befindet, der die freie Willensbildung dauerhaft ausschließt, wie etwa bei schweren psychischen Erkrankungen oder fortgeschrittener Demenz, aber nicht bei vorübergehenden Zuständen wie akutem Rausch. Geschäftsunfähige können keine wirksamen Rechtsgeschäfte tätigen; Verträge mit ihnen sind nichtig und müssen durch gesetzliche Vertreter (z.B. Eltern, Betreuer) abgeschlossen werden. 

Ist man mit Pflegegrad 3 noch geschäftsfähig?

Ja, mit Pflegegrad 3 ist man grundsätzlich noch geschäftsfähig, da der Pflegegrad allein die Geschäftsfähigkeit nicht aufhebt; dies hängt vom individuellen Gesundheitszustand ab, insbesondere den kognitiven Fähigkeiten, aber bei fortschreitender Demenz oder ähnlichen Erkrankungen kann die Fähigkeit, die Tragweite von Entscheidungen zu verstehen, beeinträchtigt sein, was eine individuelle Prüfung oder Vorsorgevollmachten nötig macht. 

Ist man trotz Betreuung geschäftsfähig?

Ja, auch mit einem Betreuer ist man grundsätzlich geschäftsfähig und kann selbst Verträge abschließen – der Betreuer ist nur ein gesetzlicher Vertreter, der unterstützt, aber die Person nicht vollständig entmündigt. Nur wenn das Betreuungsgericht zusätzlich einen Einwilligungsvorbehalt anordnet (etwa zum Schutz vor finanziellen Schäden), muss der Betreute für bestimmte Bereiche die Zustimmung des Betreuers einholen, um wirksam zu handeln.
 

Kann ein 14-jähriges Kind Eigentümer einer Unternehmung sein?

Ab 7 Jahren wäre eine Gewerbeanmeldung zwar in der Theorie möglich, aber in der Praxis wird kein 7-jähriges Kind die nötige Reife besitzen, um selbstständig tätig zu sein. Das Familiengericht wird deshalb keine Zustimmung geben. Ab 14 Jahren ist in der Praxis frühestens von einer Zustimmung auszugehen.

Bin ich verpflichtet, meinem Kind ein Handy zu kaufen?

Nein, du musst deinem Kind nicht zwingend ein Handy kaufen, aber es wird oft als sinnvoll erachtet, sobald das Kind reif genug ist – meist mit 9 bis 12 Jahren – für Sicherheit und Erreichbarkeit, wobei frühere Alternativen wie einfache Tastenhandys oder Smartwatches besser sind, da ein vollwertiges Smartphone altersabhängige Risiken birgt und die Entscheidung von individueller Reife und familiären Umständen abhängt, betontdie Initiative "SCHAU HIN!", das Familienportal NRW, und Pro Juventute. 

Kann ein Sechsjähriger rechtsverbindlich für seine Eltern Brötchen kaufen?

Ab einem Alter von sieben Jahren sind Kinder gemäß § 106 BGB beschränkt geschäftsfähig. Kinder dürfen dann selbst Verträge schließen; zum Beispiel Brötchen ihrer eigenen Wahl beim Bäcker kaufen, wenn die Eltern dies zuvor gemäß § 107 BGB genehmigt haben.

Was ist besser, schenken oder überschreiben?

Ob eine Überschreibung oder Schenkung besser ist, hängt von den individuellen Umständen ab. Eine Schenkung ist dann sinnvoll, wenn keine Gegenleistung (wie etwa ein Kaufpreis) vorgesehen ist. Im Falle einer Schenkung wird die Immobilie unentgeltlich übertragen, was gemäß § 516 Abs. 1 BGB definiert ist.

Was ist eine schwere Verfehlung bei Schenkung?

Eine schwere Verfehlung liegt vor, wenn der Beschenkte durch sein Verhalten den Schenker oder einen nahen Angehörigen des Schenkers in besonderer Weise verletzt oder geschädigt hat oder eine solche Verletzung oder Schädigung unmittelbar bevorsteht.

Können Geschwister eine Schenkung anfechten?

Geschwister können eine Schenkung anfechten, wenn sie deren Pflichtteilsrechte verletzt, sie unter Zwang/Täuschung erfolgte oder der Schenker das Kind böswillig benachteiligte (§ 2287 BGB). Wichtige Wege sind die Pflichtteilsergänzung (§ 2325 BGB) nach dem Tod des Schenkers, um den Wert in den Nachlass einzubeziehen, oder ein direkter Anspruch gegen das Geschwisterkind bei böswilliger Benachteiligung schon zu Lebzeiten. Der Anspruch muss durch Beweise gestützt und rechtzeitig geltend gemacht werden, idealerweise mit anwaltlicher Hilfe.