Was ist bereinigtes Nettoeinkommen bei Elternunterhalt?

Gefragt von: Nikola Brückner
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Das bereinigte Nettoeinkommen beim Elternunterhalt ist Ihr Nettoeinkommen, von dem bestimmte Ausgaben abgezogen werden, um das tatsächlich für Unterhalt verfügbare Einkommen zu ermitteln; abzugsfähig sind unter anderem berufsbedingte Kosten (Fahrtkosten), private Altersvorsorge, Krankenvorsorge und Darlehensverbindlichkeiten, damit das verbleibende Einkommen (nach Abzug des Selbstbehalts) zur Zahlung an die Eltern herangezogen werden kann.

Was zählt alles zum bereinigten Nettoeinkommen?

Das unterhaltsrelevante bereinigte Nettoeinkommen reduziert sich ausgehend vom Bruttoeinkommen um Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Altersvorsorgeaufwendungen, berufsbedingte Aufwendungen und ehebedingte Verbindlichkeiten.

Welches Einkommen wird beim Elternunterhalt berücksichtigt?

Definition: Elternunterhalt

Ab dem 1. Januar 2020 gilt dafür eine Einkommensgrenze von 100.000 Euro brutto im Jahr. Bei einem geringeren steuerlichen Einkommen (Summe der Einkünfte), sind Sie nicht verpflichtet, zu zahlen.

Wie berechnet man bereinigtes Einkommen?

Das bereinigte Einkommen (oft "bereinigtes Nettoeinkommen" genannt) berechnet man, indem man vom Nettoeinkommen bestimmte Posten abzieht, die im Unterhaltsrecht relevant sind, wie z.B. berufsbedingte Aufwendungen (Fahrtkosten, Arbeitskleidung), Schulden, Unterhaltsverpflichtungen (für Kinder/Ex-Partner) und einen Erwerbstätigenbonus, während gleichzeitig Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld) oder Wohnvorteile hinzugerechnet werden, um das tatsächlich verfügbare Einkommen für Unterhaltsberechnungen zu ermitteln. 

Wie wird der Elternunterhalt bei einem Einkommen von 100.000 Euro berechnet?

Bei einem Bruttojahreseinkommen über 100.000 € wird der Elternunterhalt berechnet, wobei das Sozialamt das bereinigte Nettoeinkommen (inkl. Sonderzahlungen, Mieten etc.) ermittelt, einen Selbstbehalt abzieht (ca. 2.000 € für Sie, 1.600 € für den Partner) und die Hälfte des verbleibenden Betrags als Unterhalt fordert. Entscheidend ist das persönliche Einkommen, nicht das des Ehepartners, aber bei Überschreitung der Grenze zählt auch das Vermögen des Partners. Vermögen des Kindes ist erst nachrangig relevant, ebenso wie Schenkungen der letzten 10 Jahre, die zurückgefordert werden können.
 

Bereinigtes Nettoeinkommen – Juristin erklärt

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Wird Erspartes bei Elternunterhalt angerechnet?

Es spielt keine Rolle, wie viel von Ihrem Vermögen Sie für den Elternunterhalt aufwenden sollen. Es reicht, dass das Vermögen überhaupt angetastet werden muss, um den Elternunterhalt zu leisten.

Wie hoch ist der maximale Elternunterhalt, den man zahlen kann?

Die Grenze für den Elternunterhalt liegt seit 2020 bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von über 100.000 Euro pro Kind; erst dann müssen Kinder potenziell für Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen, wobei das Einkommen des Ehepartners (Schwiegerkind) irrelevant ist. Das Sozialamt prüft dies, und bei Überschreiten wird das individuelle Einkommen (Bruttogehalt, Mieten, Kapitalerträge etc.) herangezogen, um den Unterhaltsbetrag zu berechnen, wobei ein Selbstbehalt (z.B. 2.000 € monatlich, kann durch Rechtsprechung steigen) berücksichtigt wird.
 

Wie hoch ist der Selbstbehalt für unterhaltspflichtige Vater 2025?

Der Selbstbehalt beträgt beim Ehegattenunterhalt bei Berufstätigkeit 1.600 Euro (Stand: 2025). Das bedeutet: Sie muss maximal 2.000 – 1.600 = 400 Euro Unterhalt an ihren Ehepartner zahlen.

Was ist ein bereinigtes Jahreseinkommen?

Dazu werden Einkünfte zusammengeführt, einmalige oder unregelmäßige Zuflüsse sachgerecht verteilt und bestimmte Aufwendungen, die als angemessen gelten, berücksichtigt. Das Ergebnis wird häufig als „bereinigtes“ oder „anrechenbares“ Einkommen bezeichnet.

Was prüft das Sozialamt bei Elternunterhalt?

Wenn Sie die Jahresbruttogrenze überschreiten, prüft das Sozialamt, ob und in welchem Umfang Sie leistungsfähig sind. Sofern die Jahresbruttogrenze von 100.000 Euro nicht überschritten wird, spielt das Vermögen des Kindes für den Elternunterhalt keine Rolle.

Wie hoch ist der neue Selbstbehalt für Elternunterhalt?

Das OLG München hat mit seinem Beschluss vom 6. März 2024 den Selbstbehalt für unterhaltspflichtige Kinder deutlich auf 5.500 Euro monatlich erhöht. Diese neue Rechtsprechung wirkt sich unmittelbar auf bestehende Unterhaltsforderungen aus.

Welches Vermögen ist unantastbar?

Es gibt kein pauschal "unantastbares" Vermögen, aber das sogenannte Schonvermögen ist bei Bezug von Sozialleistungen (wie Hilfe zur Pflege oder Grundsicherung) geschützt und darf nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts herangezogen werden, darunter fallen Freibeträge für Bargeld (z.B. 10.000 € für Einzelpersonen), eine selbstgenutzte Immobilie, ein angemessenes Auto, Hausrat und bestimmte Altersvorsorgeverträge. Was als "angemessen" gilt, hängt oft vom Einzelfall ab, aber bestimmte Gegenstände (z.B. für Berufsausübung oder altersgerechte Wohnung) bleiben ebenfalls unantastbar.
 

Was sind bereinigte Zahlen?

Öffentliche Finanzen Bereinigung, finanzstatistische

Durch die Zahlungen zwischen einzelnen Erhebungseinheiten ergeben sich bei deren Zusammenfassung zu einer Ebene Doppelzählungen. Um diese zu vermeiden, werden die entsprechenden Zahlungen abgesetzt, das heißt bereinigt.

Was darf der Vater vom Unterhalt abziehen?

Abzugsfähig sind z.B.: Arbeitskleidung, Arbeitsmittel, Beiträge zu Berufsverbänden, vom Arbeitgeber nicht erstattete Fahrtkosten (0,42 Euro pro gefahrenem Kilometer hin und zurück, bei mehr als 30 Kilometern einfache Strecke 0,28 Euro für die Mehrkilometer), Gewerkschaftsbeiträge.

Wird das Einkommen der Frau beim Kindesunterhalt berücksichtigt?

Ja, das Einkommen der Mutter (des betreuenden Elternteils) wird beim Kindesunterhalt indirekt berücksichtigt, da es die Leistungsfähigkeit des Vaters beeinflusst: Hat die Mutter ein hohes eigenes Einkommen, muss sie sich stärker am Barunterhalt beteiligen oder der Vater zahlt weniger, da beide Elternteile zum Unterhalt der Kinder beitragen müssen, aber dem betreuenden Elternteil ein höherer Selbstbehalt zusteht und der Unterhalt nach dem verbleibenden Einkommen aufgeteilt wird, wobei Kinder immer Vorrang haben. 

Wann braucht Vater keinen Unterhalt mehr zahlen?

Ein Vater muss keinen Unterhalt zahlen, wenn das Kind selbst für seinen Unterhalt sorgen kann (z.B. durch eigenes Einkommen aus Ausbildung/Job), oder wenn der Vater selbst nicht leistungsfähig ist (sein Einkommen unter dem Selbstbehalt liegt). Bei volljährigen Kindern endet die Pflicht oft nach erster Ausbildung/Studium, aber auch bei Abbruch ohne triftigen Grund, Weltreisen oder freiwilligen sozialen Jahren, wenn das Kind untätig bleibt. 

Wie hoch ist der Höchstbetrag für Unterhaltsleistungen im Jahr 2025?

In welcher Höhe sind Aufwendungen als Unterhaltszahlungen begünstigt? Der Höchstbetrag für Unterhaltsaufwendungen beträgt im Jahr 2025 für jede unterhaltene Person 12.096 EUR.

Wie berechnet man das bereinigte Nettoeinkommen?

Das bereinigte Nettoeinkommen ist die Grundlage für Unterhaltsberechnungen und wird vom normalen Nettoeinkommen abgezogen, indem steuerliche Abzüge und Sozialabgaben vom Bruttoeinkommen abgezogen werden und dann weitere Posten wie berufsbedingte Aufwendungen (Fahrtkosten, Arbeitsmittel), gezahlter Unterhalt, Altersvorsorge, Kinderbetreuungskosten und ehebedingte Schulden berücksichtigt werden. Es wird also das unterhaltsrelevante Einkommen ermittelt, indem man vom Netto noch spezielle, gesetzlich anerkannte Ausgaben abzieht, um den tatsächlichen, frei verfügbaren Betrag zu ermitteln.
 

Wann muss der Vater weniger Unterhalt zahlen?

Der Unterhaltsanspruch bei minderjährigen Kindern entfällt dann, wenn entweder das Kind ausreichend eigene Einkünfte hat, um sich selbst zu versorgen oder wenn der den Unterhalt zahlende Elternteil nicht in der Lage ist, Unterhalt zu zahlen, weil er selbst nicht genügend zum Leben hat.

Was müssen Eltern zahlen, wenn das Kind studiert?

Eltern müssen ihren studierenden Kindern Unterhalt zahlen, in der Regel 990 € monatlich (Stand 2025/2026) nach der Düsseldorfer Tabelle, wenn das Kind nicht zu Hause wohnt, wobei dies den Bedarf abdeckt, exklusive Krankenversicherung und Studiengebühren. Lebt das Kind noch zu Hause, richtet sich der Betrag nach dem Einkommen der Eltern (Düsseldorfer Tabelle), und das Kindergeld wird angerechnet. Der Unterhaltspflicht endet mit dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss und kann durch eigene Einkünfte des Kindes (z.B. BAföG) gemindert werden.
 

Bei welchem Einkommen müssen Kinder für Eltern im Pflegeheim zahlen?

Kinder müssen für die Pflegekosten ihrer Eltern im Heim erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von über 100.000 Euro zahlen, so regelt es das Angehörigen-Entlastungsgesetz seit 2020. Liegt das Einkommen unter dieser Grenze, müssen Kinder nicht für den Elternunterhalt aufkommen, da nur sehr gut Verdienende herangezogen werden können. Bei Einkommen über 100.000 € wird der konkrete Beitrag individuell berechnet, wobei ein Mindestselbstbehalt von 2.650 € monatlich berücksichtigt wird. 

Wie kann ich mich vor Elternunterhalt schützen?

Elternunterhalt droht? Vorbeugende Maßnahmen

  1. Vorsorgevollmacht erstellen. ...
  2. Vermögen der Eltern überprüfen Schenkungen der Eltern können z.B. noch nach bis zu 10 Jahren zurückgefordert werden.
  3. Eigene Ausgaben strukturieren Das Sozialamt muss notwendige Ausgaben vom Einkommen abziehen, sofern sie keinen Luxus darstellen.

Was ist die 100.000-Euro-Grenze für Elternunterhalt?

Die 100.000-Euro-Grenze nach dem Beschluss des BGH

Der Gesetzgeber hat mit § 94 Abs. 1a SGB XII eine klare Regelung geschaffen: Danach müssen Kinder, deren jährliches Bruttoeinkommen unter 100.000 Euro liegt, keinen Elternunterhalt zahlen.