Was passiert wenn man aus der Privatinsolvenz fliegt?

Gefragt von: Herr Prof. Ronald Kern MBA.
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Wenn man aus der Privatinsolvenz "rausfliegt", bedeutet das meist, dass die Restschuldbefreiung versagt wurde, wodurch alle alten Schulden weiterhin bestehen bleiben, Gläubiger wieder voll vollstrecken dürfen und ein negativer Schufa-Eintrag für drei Jahre gespeichert wird, was einen Neustart verhindert und eine erneute Insolvenz erschwert, aber nicht unmöglich macht. Hauptgründe sind oft Pflichtverletzungen in der Wohlverhaltensphase, wie falsche Angaben, Verschwendung oder Nicht-Meldung von Einkommen/Umzug.

Kann man aus der Privatinsolvenz fliegen?

Ja, grundsätzlich dürfen Sie während der Privatinsolvenz in den Urlaub fahren. Das Insolvenzverfahren schränkt zwar Ihre finanziellen Möglichkeiten und Verpflichtungen ein, greift jedoch nicht in Ihre persönliche Freiheit ein.

Was passiert, wenn die Privatinsolvenz scheitert?

Wenn die Privatinsolvenz platzt (die Restschuldbefreiung versagt wird), bleiben alle alten Schulden bestehen, Gläubiger können wieder vollstrecken (z.B. pfänden) und der Schuldner wird nicht schuldenfrei, was zu finanziellen Schwierigkeiten führt und einen negativen SCHUFA-Eintrag für drei Jahre zur Folge hat; Gründe können Pflichtverletzungen wie falsche Angaben oder Verschwendung sein, es besteht aber oft die Möglichkeit einer Beschwerde oder einer neuen Insolvenz nach einer Wartezeit. 

Kann man in der Privatinsolvenz Verträge machen?

Dürfen Schuldner während der Privatinsolvenz neue Verträge abschließen? Ja. Schuldner dürfen während ihrer Verbraucherinsolvenz auch weiterhin Verträge abschließen und Verbindlichkeiten eingehen, soweit dies für ihren Lebensunterhalt erforderlich ist bzw. im Rahmen einer bescheidenen Lebensführung.

Wann fliegt man aus der Privatinsolvenz?

Das heißt: Sie als Schuldnerin oder Schuldner werden von allen noch ausstehenden Forderungen befreit. Damit verlieren alle Gläubigerinnen und Gläubiger ihren Anspruch auf die Zahlung noch verbliebener offener Rechnungen. Mit der Restschuldbefreiung endet die Privatinsolvenz.

Ablauf der Privatinsolvenz: Was passiert wann? ⌛

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Was passiert nach der Beendigung des Insolvenzverfahrens?

Den noch ausstehenden Teil können sie nach Beendigung des Insolvenzverfahrens weiterhin voll geltend machen. Hier greift das Restschuldbefreiungsverfahren ein, das die Schuldnerin oder den Schuldner von diesen Schulden befreien soll.

Wann bekomme ich nach einer Privatinsolvenz wieder einen Kredit?

Nach der Restschuldbefreiung kann man grundsätzlich wieder Kredite aufnehmen, aber erst nach einer gewissen Wartezeit, da die Schufa-Daten erst nach 6 Monaten gelöscht werden und der Vermerk über die Restschuldbefreiung noch 3 Jahre bestehen bleibt, was zu schlechteren Konditionen führt, aber Kredite mit gutem Einkommen und geringen neuen Schulden sind oft schon früher möglich, wobei von neuen, unnötigen Krediten abgeraten wird, um eine erneute Insolvenz zu vermeiden. 

Was passiert mit laufenden Verträgen bei Insolvenzverfahren?

Wenn ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, bestehen offene Vertragsverhältnisse zwischen dem Insolvenzschuldner und seinen Gläubigern. Der Regelfall sieht so aus, dass lediglich der Vertragspartner seinen Teil des Vertrages bereits erfüllt hat, wohingegen der Schuldner seine Vertragspflicht noch schuldet.

Wann liegt Insolvenzbetrug vor?

ein Schuldner während der Insolvenz Vermögen beseite schafft, das eigentlich zur Insolvenzmasse gehört, dann ist das ein Insolvenzbetrug. Er macht sich in diesem Fall wegen Bankrotts strafbar. Wie wird Insolvenzbetrug bestraft? Das kommt darauf an, welchen Straftatbestand der Schuldner verwirklicht.

Was darf man in der Privatinsolvenz nicht tun?

Bei der Privatinsolvenz darf man nicht mit den Gläubigern verhandeln, Vermögen verheimlichen, unvernünftige Ausgaben tätigen (z.B. Luxusreisen, Glücksspiel), Schulden aus vorsätzlicher Straftat (z.B. Steuerhinterziehung, betrügerische Handlungen) oder Unterhaltsschulden (bei vorsätzlicher Nichtzahlung) anhäufen und eine zumutbare Arbeit ablehnen oder Arbeitslosigkeit nicht melden – all dies kann die Restschuldbefreiung gefährden. Man muss dem Insolvenzverwalter jede Änderung seiner Adresse, seines Arbeitsplatzes oder Einkommens melden und Erbschaften sofort abgeben. 

Wie hoch sind die Kosten für eine Restschuldbefreiung?

Die Kosten der Restschuldbefreiung (Privatinsolvenz) umfassen Gerichtskosten und die Vergütung des Insolvenzverwalters (ca. 1.000–2.000 €) und können gestundet werden, indem man beim Antrag einen Stundungsantrag stellt, wodurch sie erst nach 3 Jahren nach Verfahrensende (in Raten oder erlassen) gezahlt werden müssen. Die Kosten werden zunächst aus der Insolvenzmasse gedeckt; wenn diese nicht ausreicht, übernimmt der Staat die Mindestgebühren, wenn der Schuldner bedürftig ist. Die Restschuldbefreiung gilt nicht für die Verfahrenskosten selbst, aber die Stundung erlaubt eine spätere Zahlung. 

Kann man ein zweites Mal eine Privatinsolvenz machen?

Ja, man kann mehrmals in Privatinsolvenz gehen, da es keine gesetzliche Höchstgrenze gibt, aber es gelten strenge Sperrfristen, insbesondere bei einer erneuten Restschuldbefreiung nach der ersten – meist 11 Jahre nach der ersten Restschuldbefreiung, und die Wohlverhaltensphase im zweiten Verfahren dauert länger (5 Jahre). 

Was ist die Alternative zur Privatinsolvenz?

Alternativen zur Privatinsolvenz sind vor allem der außergerichtliche Schuldenvergleich (ein Zahlungsplan mit Gläubigern, der Schulden reduziert), das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren (ein offizieller Plan, der eine Insolvenz verhindern soll) sowie Umschuldung oder das Einwerben von Drittmitteln (Familie, Stiftungen). Ziel ist, schneller und diskreter schuldenfrei zu werden, ohne die Nachteile einer Insolvenz (lange Wohlverhaltensphase, Schufa-Einträge, Arbeitgeberinformation).
 

Kann man bei Privatinsolvenz das Land verlassen?

Eine Auswanderung während der Privatinsolvenz ist möglich, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und die Einhaltung bestimmter Pflichten. Der Schuldner muss stets für den Insolvenzverwalter und das Insolvenzgericht erreichbar sein, um den Prozess nicht zu gefährden.

Ist Urlaub während der Privatinsolvenz erlaubt?

Anspruch auf Urlaub in der Insolvenz

Bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis verfallen Urlaubsansprüche bei Insolvenzeröffnung nicht. Der aktuelle und zum Teil auch Resturlaubsanspruch kann gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend gemacht werden. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Masseforderung.

Welche Konsequenzen hat es, wenn die Privatinsolvenz abgelehnt wird?

Wenn die Privatinsolvenz abgelehnt wird, bleiben die Schulden bestehen, es gibt keinen Schutz vor Gläubigern (keine Stundung), Pfändungen gehen weiter, und Sie können die Chance auf Restschuldbefreiung verlieren, was eine neue Antragstellung erst nach Jahren ermöglicht, wobei die ursprünglichen Verfahrenskosten anfallen können; wichtig ist, alternative Wege wie einen außergerichtlichen Vergleich oder eine Schuldnerberatung zu suchen, da die Ablehnung meist wegen fehlender Masse oder mangelnder Kooperation erfolgt. 

Wie hoch ist das Existenzminimum bei einer Privatinsolvenz?

Auch bei der Privatinsolvenz gilt ein Selbstbehalt zugunsten des Schuldners, damit er weiterhin seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Dieser lässt sich mithilfe der Pfändungstabelle ermitteln. Er beträgt derzeit mindestens 1.559,99 Euro (Stand: 1.7.2025).

Wie hoch ist die Geldstrafe bei Ausspähen von Daten?

Das Ausspähen von Daten wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren bestraft. Für Abfangen von Daten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren oder eine Geldstrafe. Das aber auch nur dann, wenn die Tat nicht in anderen Strafgesetzen mit einer höheren Strafe bedroht ist.

Welche Schulden werden bei Privatinsolvenz nicht erlassen?

Bei einer Privatinsolvenz werden hauptsächlich Schulden aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen (wie Betrug), Geldstrafen und Bußgelder, vorsätzlich nicht gezahlter Unterhalt sowie alle neuen Schulden, die nach der Insolvenzeröffnung entstehen, nicht erlassen. Auch bestimmte Steuerschulden, wenn sie aus Steuerstraftaten resultieren, bleiben bestehen. 

Was passiert mit Handyvertrag bei Privatinsolvenz?

Im Normalfall können Sie Ihren Handyvertrag bei Privatinsolvenz behalten. Ihr Insolvenzverwalter hat zwar das Recht, Verträge zu kündigen; beim Handyvertrag ist das aber eher unwahrscheinlich. Entscheidend ist, ob Sie den Vertrag aus Ihrem unpfändbaren Einkommen zahlen können.

Wie erfährt der Arbeitgeber von Restschuldbefreiung?

Erfährt mein Arbeitgeber von meinem Insolvenzverfahren? Ihr Verfahren wird bei Eröffnung durch das Insolvenzgericht öffentlich gemacht, so dass Ihr Arbeitgeber bereits durch das Internet Kenntnis über Ihr Verfahren erlangen könnte.

Ist eine Kündigung während einer Privatinsolvenz erlaubt?

Ja, Sie dürfen während der Privatinsolvenz kündigen und sogar den Job wechseln, da dies höchstpersönliche Entscheidungen sind und der Insolvenzverwalter nicht eingreifen darf; der Arbeitsvertrag bleibt bestehen, und Sie müssen den neuen Job dem Insolvenzverwalter melden, da Ihr Einkommen zur Insolvenzmasse gehört. Das Arbeitsverhältnis wird dadurch nicht aufgelöst, aber der Insolvenzverwalter hat bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber spezielle, verkürzte Kündigungsfristen (3 Monate) und muss die allgemeinen Regeln beachten, auch in der Insolvenz. 

Was passiert mit laufenden Krediten bei Privatinsolvenz?

Bei einer Privatinsolvenz werden alle bestehenden Kredite in das Verfahren einbezogen, wobei die Banken zu den Gläubigern gehören und ihre Forderungen nur noch anteilig bedient werden, bis am Ende die Restschuldbefreiung greift. Während der Insolvenz dürfen keine Zahlungen mehr an einzelne Gläubiger geleistet werden, und neue Kredite sind extrem schwierig zu bekommen, da die Bonität schlecht ist und ein Kredit die Restschuldbefreiung gefährden kann, da neue Schulden nicht von der Restschuldbefreiung erfasst werden. 

Was bedeutet es, wenn ein Insolvenzverfahren beendet wurde?

Ein Aufhebungsbeschluss ist eine gerichtliche Entscheidung, die das Ende eines Insolvenzverfahrens erklärt. Dies kann aus verschiedenen Gründen erfolgen, wie z.B. das vorhandene Vermögen ist verwertet oder dem Abschluss eines Insolvenzplans. Mit dem Aufhebungsbeschluss wird das Insolvenzverfahren offiziell beendet.

Ist eine zweite Privatinsolvenz möglich?

Ja, eine zweite Privatinsolvenz ist in Deutschland grundsätzlich möglich, aber an strenge Sperrfristen gebunden, die davon abhängen, ob die Restschuldbefreiung im ersten Verfahren erteilt oder versagt wurde; nach einer erfolgreichen ersten Insolvenz muss man 11 Jahre warten, bis man einen neuen Antrag stellen kann, und die Laufzeit der zweiten Insolvenz verlängert sich dann auf 5 Jahre, während bei Versagung der Restschuldbefreiung kürzere Fristen (z.B. 3 Jahre) gelten können.