Was zählt alles als Einkommen bei der Scheidung?
Gefragt von: Frau Prof. Birgitta John B.A.sternezahl: 4.9/5 (52 sternebewertungen)
Bei einer Scheidung zählt zum Einkommen alles, was zur Deckung des Lebensbedarfs zur Verfügung steht: Gehalt (inkl. Boni, Zulagen, Überstunden), Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen, Renten und auch Sozialleistungen wie Elterngeld, Krankengeld, aber auch Steuererstattungen und Kindergeld. Vom Bruttoeinkommen werden Steuern, Sozialabgaben, angemessene Altersvorsorge, Krankenkassenbeiträge und berufsbedingte Aufwendungen (z.B. Fahrtkosten) abgezogen, um das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen zu ermitteln.
Welches Gehalt wird bei der Scheidung berücksichtigt?
Dabei wird das Einkommen jedes Ehepartners um die gesetzlichen Abgaben wie etwa Steuern, größere Schulden und den Kindesunterhalt bereinigt. Zusätzlich werden von den Erwerbseinkünften 10 % als sog. Erwerbstätigenbonus abgezogen. Anschließend werden beide Einkommen zusammengerechnet und die Summe halbiert.
Welcher Kontostand gilt bei Scheidung?
Bei einer Scheidung zählt der Kontostand am Stichtag der Zustellung des Scheidungsantrags (Endvermögen), aber nicht isoliert: Es wird der Zugewinnausgleich berechnet, bei dem Anfangs- und Endvermögen beider Partner verglichen werden, um zu ermitteln, wer während der Ehe mehr erwirtschaftet hat. Bei Gemeinschaftskonten gilt oft, dass das Guthaben hälftig geteilt wird, es sei denn, ein Teil stammt nachweislich aus Erbschaften oder Schenkungen.
Was zählt zum Nettoeinkommen bei Scheidung?
Ihr monatliches Nettoeinkommen
Kindergeld, Kindergeldzuschüsse und Unterhaltsgeld addiert das Gericht in der Regel zum Einkommen hinzu. Nicht angerechnet werden Sozialhilfeleistungen, denen keine Lohnersatzfunktion zukommt, und das Erziehungsgeld.
Was zählt zum unterhaltsrelevanten Einkommen?
Das unterhaltsrelevante Einkommen besteht aus eheprägenden Einkünften und Verbindlichkeiten. Zur Bestimmung der eheprägenden Einkünfte sind alle Einkünfte der Eheleute, gleich welcher Art sie sind und aus welchem Anlass sie zufließen, mit einzubeziehen, sofern sie zur Deckung des Lebensbedarfs zur Verfügung stehen.
FAQ Wer zahlt den Unterhalt bei einer Scheidung?
Welche Einkünfte gelten nicht als Einkommen?
Steuerfreie Einkünfte werden nicht besteuert, unabhängig davon, ob Sie sie in Ihrer Steuererklärung angeben. Folgende Posten gelten laut IRS als steuerfrei: Erbschaften, Schenkungen und Vermächtnisse sowie Barauszahlungen für Artikel, die Sie bei Einzelhändlern, Herstellern oder Händlern kaufen.
Welches Einkommen wird nicht auf Unterhalt angerechnet?
Freiwillige Leistungen Dritter (z.B. Zahlungen oder Naturalleistungen von Eltern/Großeltern) gehören grundsätzlich nicht zum Einkommen. Es sei denn, es besteht ein Anspruch auf solche Leistungen. Kostenloses Wohnen bei Verwandten führt deshalb i.d.R. nicht zur Anrechnung eines Wohnwerts.
Welche Gelder sind bei einer Scheidung unantastbar?
Vermögen, das Sie nicht selbst erwirtschaftet haben, wie beispielsweise eine Schenkung oder Erbschaft, die einer von Ihnen während der Ehe erhalten hat, zählt nicht zum gemeinschaftlichen Vermögen . Ein Darlehen zur Finanzierung der Ausbildung eines Ehepartners (Studienschulden) wird in der Regel wie dessen persönliches Vermögen behandelt. Nach der Scheidung ist dieser Ehepartner für die Rückzahlung seiner Studienschulden verantwortlich.
Was mindert Unterhaltszahlungen?
Unterhalt wird durch berufsbedingte Aufwendungen (Fahrtkosten, Arbeitsmittel), eigene Einkünfte der unterhaltsberechtigten Person (bes. bei volljährigen Kindern/Partnern) sowie durch abzugsfähige Verbindlichkeiten (Kredite) und Vorsorgeaufwendungen (Versicherungen) gemindert, wobei auch erweiterter Umgang mit dem Kind oder ein Wohnvorteil (mietfreies Eigenheim) eine Rolle spielen können, was das bereinigte Nettoeinkommen senkt.
Wie lange muss ein Mann Unterhalt für seine geschiedene Frau zahlen?
Fehlt es an ehebedingten Nachteilen, wird in der Praxis der nacheheliche Unterhalt üblicherweise auf eine Zeit von 1/3 bis 1/4 der Ehedauer begrenzt. Dauerte die Ehe zum Beispiel von der (standesamtlichen) Heirat bis zur Zustellung des Scheidungsantrags 12 Jahre, ist der Unterhalt für 3-4 Jahre zu bezahlen.
Was darf man im Trennungsjahr nicht?
Im Trennungsjahr darf man nicht mehr "Tisch und Bett" teilen (keine intime Beziehung, getrennte Schlafzimmer), keine Versorgungsleistungen füreinander erbringen (kochen, putzen) und muss getrennt wirtschaften (eigene Konten, Einkäufe), um die Trennung glaubhaft zu machen; allerdings ist eine neue Partnerschaft erlaubt, auch wenn sie Unterhaltsansprüche beeinflussen kann, und ein Getrenntleben unter einem Dach ist möglich, wenn die Trennung klar erkennbar ist (eigene Haushalte).
Ist man verpflichtet Kontoauszüge aufzuheben?
Nein, als Privatperson gibt es meistens keine strenge gesetzliche Pflicht, Kontoauszüge aufzuheben, aber es ist dringend empfohlen, sie mindestens 3 Jahre aufzubewahren (entspricht der regelmäßigen Verjährungsfrist), um Zahlungen (Miete, Rechnungen) nachweisen zu können und bei Streitfällen abgesichert zu sein, wobei bei hohen Einkommen (>500.000 €/Jahr) 6 Jahre gelten. Besonders bei größeren Anschaffungen (Auto, Haus) oder Handwerkerleistungen sollten die Belege länger aufbewahrt werden, auch wegen der Gewährleistung.
Wie kann man sein Geld vor einer Scheidung in Sicherheit bringen?
Um Ihr Geld bei einer Scheidung zu schützen, sollten Sie frühzeitig einen Ehevertrag abschließen oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung treffen, die den Zugewinnausgleich regelt und Vermögen (wie z.B. Schenkungen oder Erbschaften) schützt, da das Gesetz bei Fehlen einer Vereinbarung den Zugewinnausgleich vorsieht. Wichtig ist, Vermögenswerte transparent zu machen, aber auch Nachweise für Ihr Anfangsvermögen zu sammeln (Kontoauszüge, Bilanzen) und nicht eigenmächtig Konten zu leeren, da dies zu Nachteilen führen kann. Suchen Sie rechtlichen Rat, um rechtsgültige und faire Lösungen zu finden.
Welches Vermögen muss man bei Scheidung angeben?
Ausgangspunkt für die Berechnung ist der Wert des Vermögens jedes Ehepartners bei der Eheschließung (Anfangsvermögen) und bei der Beendigung des Güterstandes (Endvermögen). Vermögen, das einer der beiden während der Ehe geerbt oder geschenkt bekommen hat, wird dem Anfangsvermögen hinzugerechnet.
Was wird alles als Einkommen angerechnet?
Folgende Einnahmen zählen u.a. zum Einkommen:
Alle Einkünfte im steuerrechtlichen Sinn, z.B. aus Erwerbstätigkeit, Vermietung und Verpachtung, Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen, Unterhalt. Renten und Einkommen aus zusätzlicher Altersvorsorge (Ausnahmen siehe unten)
Wird der Nebenjob bei Scheidung angerechnet?
(4) Eine Nebentätigkeit, die erst nach der Scheidung aufgenommen wurde, wird beim unterhaltspflichtigen Ehegatten nicht als Einkommen angerechnet. Die Aufnahme einer Nebentätigkeit nach der Scheidung erhöht also nicht den Unterhaltsanspruch.
Kann ich Kredite vom Unterhalt abziehen?
Kredite werden nicht direkt vom Unterhalt abgezogen. Die monatlichen Ratenzahlungen können lediglich das bei der Unterhaltsberechnung zu berücksichtigende Nettoeinkommen mindern. Allerdings stellen auch nicht alle Kredite automatisch berücksichtigungsfähige Schulden dar.
Was zählt nicht zu Unterhaltszahlungen?
Im Normalfall sind die Düsseldorfer Tabelle (für Kinder) oder ähnliche Bedarfssätze für den laufenden Unterhalt gedacht, die nicht enthalten sind: unerwartete, außergewöhnlich hohe Kosten (wie plötzliche Zahnarztkosten, spezielle medizinische Behandlungen) sowie Mehrbedarf durch besondere Talente, Privatschule oder längere Auslandsaufenthalte – diese fallen unter Sonderbedarf oder Mehrbedarf und müssen zusätzlich gezahlt werden. Auch Kosten für Urlaub, Möbel, Musikinstrumente oder spezifische Sportvereine sind meist nicht abgedeckt.
Wie viel Geld muss mir übrig bleiben, wenn ich Unterhalt zahlen muss?
Wenn Sie Unterhalt zahlen müssen, bleibt Ihnen ein fester Betrag übrig, der sogenannte Selbstbehalt, der je nach Empfänger (Kind, Ehepartner, Eltern) und Ihrer Erwerbstätigkeit variiert; dieser Betrag liegt oft zwischen 1.450 € (erwerbstätig) und 1.750 € (für volljährige Kinder), wobei die genaue Höhe von der Düsseldorfer Tabelle 2025 und Ihrem Nettoeinkommen abhängt.
Wie viel Geld steht einer Frau nach der Scheidung zu?
Bei einer Scheidung bekommt die Frau je nach Situation Unterhalt (Trennungs- und nachehelicher Unterhalt, oft ca. 45% des bereinigten Nettoeinkommens des Ex-Partners), einen Ausgleich des während der Ehe erwirtschafteten Vermögens (Zugewinnausgleich) und eine hälftige Teilung der während der Ehe erworbenen Rentenansprüche (Versorgungsausgleich) – falls kein Ehevertrag etwas anderes regelt. Der konkrete Anspruch hängt von Einkommen, Ehedauer, Kinderbetreuung und Vermögensentwicklung ab.
Wie wird Geld bei Scheidung aufgeteilt?
Bei einer Scheidung wird das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen (der sogenannte „Zugewinn“) durch den Zugewinnausgleich hälftig geteilt, indem der höhere Zuwachs an den anderen Partner ausgezahlt wird, wobei Anfangs- und Endvermögen verglichen werden. Wichtig sind auch der Versorgungsausgleich (Rentenansprüche) und die Aufteilung des Hausrats. Erbschaften/Schenkungen sind oft ausgenommen, aber Sachwerte wie Immobilien & Aktien sind Teil des Zugewinns, was zu komplexen Aufteilungen führen kann.
Welche Unterstützung bei Scheidung?
Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung für Kinder von Alleinerziehenden oder getrennt Erziehenden. Er hilft, die finanzielle Lebensgrundlage Ihres Kindes zu sichern, wenn der andere Elternteil nicht oder nur teilweise oder nicht regelmäßig Unterhalt in Höhe des Unterhaltsvorschusses zahlt.
Welche Einnahmen zählen zum Unterhalt?
Zum Unterhalt gehören alle Leistungen, die notwendig sind, um für den Lebensbedarf einer anderen Person aufzukommen. Dazu gehören zum Beispiel Geld, materielle Dinge, aber auch Erziehung, Betreuung, Pflege und persönliche Zuwendung.
Wird Erspartes beim Unterhalt angerechnet?
Ja, Ersparnisse (Vermögen) werden beim Unterhalt grundsätzlich berücksichtigt, aber es gibt wichtige Schonvermögen-Grenzen (z.B. für Altersvorsorge, angemessenes Eigenheim) und Ausnahmen: Bei Kindesunterhalt müssen Kinder oft ihr Vermögen über einem bestimmten Freibetrag (z.B. 10.000 €) zur Deckung ihres Bedarfs einsetzen, während es beim Eltern- und Ehegattenunterhalt eher um die Verwertung von Kapitalanlagen (wie Depots) geht, sofern es nicht unwirtschaftlich oder unbillig ist; auch hier gibt es Freigrenzen für einen Notgroschen.
Bei welchem Einkommen muss man keinen Unterhalt zahlen?
Man muss keinen Unterhalt mehr zahlen, wenn das eigene Einkommen unter dem sogenannten Selbstbehalt liegt, der je nach Situation (erwerbstätig: ca. 1.450 €, arbeitslos: ca. 1.080 €) variiert, oder wenn das Einkommen des betreuenden Elternteils so hoch ist, dass er keinen Barunterhalt mehr benötigt. Bei Kindesunterhalt gibt es auch eine Obergrenze für sehr hohe Einkommen (ca. 11.000 €), darüber wird der Bedarf individuell berechnet. Für den Elternunterhalt gibt es seit 2020 eine Einkommensgrenze von 100.000 € brutto pro Jahr für die Kinder, darüber müssen Kinder nur in Ausnahmefällen zahlen, mit höheren Selbstbehalten.