Welche Billigkeitsgründe rechtfertigen den Erlass von Säumniszuschlägen?

Gefragt von: Frauke Kramer
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Ein Erlass aus sachlichen Billigkeitsgründen kommt in Betracht, wenn die Einziehung der Säumniszuschläge im Hinblick auf den Zweck der Säumniszuschläge nicht mehr zu rechtfertigen ist, weil ihre Entstehung den Wertungen des Gesetzgebers zuwiderläuft (sog. Überhang des Gesetzes).

Was ist ein Erlass aus Billigkeitsgründen?

Billigkeitsgründe können zum Erlass der Steuerschuld führen. Liegen persönliche oder sachliche Billigkeitsgründe vor, können Sie einen entsprechenden formlosen Antrag beim zuständigen Finanzamt stellen. Achten Sie darauf, genau anzugeben, auf welchen Steuerbescheid Sie sich beziehen.

Wann können Säumniszuschläge erlassen werden?

Ein Erlass Säumniszuschläge kommt in Betracht,

a) eine plötzliche Erkrankung vorgetragen werden kann. b) bei einem bisher pünktlichen Steuerschuldner ein offensichtliches Versehen vorliegt. c) die Zahlungsfrist nur geringfügig überschritten.

Was sind Billigkeitsgründe?

Billigkeitsgründe sind bestimmte Umstände, die eine Ausnahme von der allgemeinen Rechtslage rechtfertigen, um eine unbillige oder unangemessene Härte für den Betroffenen zu verhindern oder zu mindern.

Was ist ein Erlass von Säumniszuschlägen aus sachlichen Billigkeitsgründen?

Säumniszuschläge sind wegen sachlicher Unbilligkeit zu erlassen, wenn die Steuerfestsetzung später aufgehoben wird und der Steuerpflichtige alles getan hat, um die AdV des Steuerbescheids zu erreichen, das FA oder das FG aber die Aussetzung „obwohl möglich und geboten“ abgelehnt hat, in diesem Fall ist das Ermessen auf ...

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Was sind persönliche Billigkeitsgründe?

Persönliche Billigkeitsgründe sind solche, deren Ursachen in der persönlichen Sphäre des Stpfl. liegen. Hier kommt ein Zinsverzicht in den Fällen in Betracht, in denen die zeitweilige Zahlungsunfähigkeit (Stundungsvoraussetzung) auf besonders misslichen, von ihm nicht beeinflussbaren Umständen beim Stpfl.

Wie formuliere ich einen Erlassantrag?

Sehr geehrte Damen und Herren, die am [DATUM] fällige Steuerzahlung konnte ich nicht rechtzeitig entrichten. Die dadurch entstandenen Säumniszuschläge, die Sie mit Schreiben vom [DATUM] angefordert haben, bitte ich ausnahmsweise aus Billigkeitsgründen zu erlassen.

Wann ist ein Erlass möglich?

Ein Erlass offener Steuerschulden ist nach § 227 AO möglich, wenn und soweit ihre Einziehung im Einzelfall unbillig wäre. Entsprechendes gilt, wenn der Steuerpflichtige bereits gezahlt hat, für Anrechnung und Erstattung der entsprechenden Beträge.

Was sind die Grundsätze der Billigkeit?

Der Grundsatz der Billigkeit ist ein Rechtsprinzip, das verlangt, dass Entscheidungen nicht nur dem starren Gesetz folgen, sondern auch fair, gerecht und angemessen im Einzelfall sind, um Härten zu vermeiden und widerstreitende Interessen auszugleichen. Er dient als Korrektiv, indem er eine feingliedrige Abwägung menschlicher, sozialer und wirtschaftlicher Belange ermöglicht und so eine „zielgenauere Gerechtigkeit“ herstellt, beispielsweise bei Scheidungen oder im Verwaltungsrecht, wo Behörden „billiges Ermessen“ haben.
 

Welche Beispiele gibt es für Sachliche Unbilligkeit?

Beispiele für Fälle sachlicher Unbilligkeit sind: Verschiedene Regelungen führen zu einer hohen Steuerschuld, dem steht aber kein Zuwachs an Leistungsfähigkeit gegenüber. Verstöße gegen den Grundsatz von Treu und Glauben wurden bei der Steuerfestsetzung nicht beachtet.

Wie wehrt man sich gegen Säumniszuschläge?

Um gegen einen Säumniszuschlag Einspruch einlegen zu können, muss bei der Finanzbehörde schriftlich ein Antrag auf Erlass eines Abrechnungsbescheids (§ 218 AO) gestellt werden. Gegen diesen sogenannten Abrechnungsbescheid kann nun ein begründeter Einspruch eingelegt werden.

Wann sind Säumniszuschläge unbillig?

Die Einziehung von Säumniszuschlägen ist auch dann unbillig, wenn dem Zahlungspflichtigen die rechtzeitige Zahlung der Beiträge wegen Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung nicht möglich war.

Wann entfallen Säumniszuschläge?

Die Säumniszuschläge entfallen auf einen Zeitraum, in dem der Steuerpflichtige zweifelsfrei überschuldet und zahlungsunfähig war. Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen die Schulden nicht mehr deckt.

Kann ein Säumniszuschlag erlassen werden?

Erlass: Für den Fall, dass ein Steuerschuldner die Zahlung aus schwerwiegenden Gründen wie Krankheit oder Zahlungsunfähigkeit nicht leisten und dies beweisen kann, kann das Finanzamt den Säumniszuschlag erlassen.

Welche Erlasse gibt es?

Gesetze und Erlasse

  • Abgabenordnung (AO)
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  • Altersteilzeitgesetz (AltTZG)
  • Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG)
  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
  • Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)
  • Bundeskindergeldgesetz (BKGG)
  • Bundesreisekostengesetz (BRKG)

Was bedeutet Billigkeitserlass?

Ein Billigkeitserlass ist eine Entscheidung der Abgabenbehörde, eine festgesetzte oder festsetzbare öffentliche Abgabe ganz oder teilweise aus Gründen der Angemessenheit zu erlassen. Er dient dazu, atypische Härten abzumildern, die sich im Einzelfall aus der strikten Anwendung des Abgabenrechts ergeben können.

Was bedeutet "erlasse ich aus Billigkeitsgründen"?

Erlass aus Billigkeitsgründen in der Abgabenordnung

Dabei handelt es sich um eine Ermessensentscheidung der Behörde, die über den Antrag des Steuerschuldners durch Verwaltungsakt entscheidet. Rechtsmittel gegen die ablehnende Entscheidung ist der Einspruch.

Was sind die 3 wichtigsten Grundsätze des Rechtsstaates?

Gesetze dürfen nicht gegen das Grundgesetz verstoßen. Die Verwaltung muss sich bei ihrem Handeln an die Gesetze halten. Die Rechtsprechung wird von unabhängigen Richterinnen und Richtern ausgeübt.

Wann entspricht etwas der Billigkeit?

Billigkeit bezeichnet im rechtlichen Kontext die sachgerechte, am Einzelfall orientierte Ausgleichung widerstreitender Interessen, wenn starre Regeln zu unangemessenen oder untragbaren Ergebnissen führen würden. Sie dient als Korrektiv und Ergänzung zu allgemeinen Regeln, ohne diese aufzuheben.

Wann Erlass aus Billigkeitsgründen?

Ein Billigkeitserlass aus persönlichen Billigkeitsgründen kommt grundsätzlich nur in Betracht, wenn die Einziehung der Steuer eine wesentliche Ursache für die Existenzgefährdung darstellen würde.

Kann das Finanzamt auf Säumniszuschläge verzichten?

Das Finanzamt kann Säumniszuschläge (teilweise) erlassen, wenn die Erhebung „unbillig“ wäre (§ 227 AO). Dies kann z. B. der Fall sein, wenn wegen einer plötzlichen Erkrankung eine pünktliche Zahlung nicht möglich war oder bei Zahlungsunfähigkeit bzw.

Wann gilt ein Verwaltungsakt als erlassen?

Ein Verwaltungsakt (VA) ist erlassen, sobald er den Machtbereich der Behörde verlassen hat und in die Sphäre des Empfängers gelangt ist, also ihm zugegangen ist (häufig durch Zustellung). Der Erlass ist der behördliche Akt der Entscheidung, die eigentliche Wirksamkeit tritt aber meist erst mit dem Zugang beim Adressaten ein, der durch verschiedene Wege wie Post, elektronisch oder persönliche Übergabe erfolgen kann.
 

Wie kann ich Einspruch gegen Säumniszuschläge einlegen?

Die Festsetzung eines Verspätungszuschlags ist ein eigenständiger Verwaltungsakt. Er kann innerhalb der Einspruchsfrist mittels Einspruch angefochten werden. Nach Ablauf der Einspruchsfrist kann eine Änderung des Verspätungszuschlags auf Basis des § 129 AO oder gemäß §§ 130, 131 AO erfolgen.

Wann stellt man einen Erlassantrag?

Erlasswürdigkeit liegt nur vor, wenn der Steuerpflichtige seine mangelnde Leistungsfähigkeit nicht selbst herbeigeführt und durch sein Verhalten (z.B. Verletzung steuerlicher Verpflichtungen) gegen die steuerlichen Interessen der Allgemeinheit verstoßen hat.

Was bedeutet Erlass einfach erklärt?

Ein Erlass ist zum ersten eine Vereinbarung oder ein Verwaltungsakt, durch den ein Gläubiger einem Schuldner dessen Schuld erlässt (Schuldenerlass). Der Gläubiger verzichtet bei einem Erlass also auf seinen Anspruch (Forderungsverzicht).