Wer verstößt gegen die Buchführungspflichten?

Gefragt von: Elsbeth Lauer
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Gegen die Buchführungspflichten verstoßen Unternehmer, Gewerbetreibende und Freiberufler (sofern sie buchführungspflichtig sind), die ihre Bücher nicht, nicht vollständig oder fehlerhaft führen, Handelsbücher vernichten, verheimlichen oder verändern, um die Übersicht über ihr Vermögen zu erschweren, sowie auch beauftragte Personen wie Steuerberater. Verstöße reichen von der Nichtführung über fehlerhafte Aufzeichnungen bis zur Vernichtung von Unterlagen und können strafrechtliche (z. B. § 283b StGB) und steuerrechtliche Folgen (z. B. Schätzung der Besteuerungsgrundlage, Zwangsgelder) haben.

Wer ist von der Buchführungspflicht ausgenommen?

Ausnahme: Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als jeweils 800.000 Euro Umsatzerlöse und jeweils 80.000 Euro Jahresüberschuss aufweisen, sind von der handelsrechtlichen Pflicht zur Buchführung und Erstellung eines Inventars befreit (§ 241a Satz 1 HGB) ...

Was sind Beispiele für Verstöße gegen die GoB?

Was passiert bei Verstoß gegen die GoB(D)?

Verstöße gegen Gob und GoBD können zu verschiedenen Strafen führen, von Bußgeldern hin zu Freiheitsstrafen führen, vor allem beim Verdacht der Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung kennt der Fiskus wenig Kulanz bei Fehlern in der Buchhaltung.

Wer haftet bei fehlerhafter Buchhaltung?

Für Fehler in der Buchhaltung haftet primär der Unternehmer selbst, da er die Verantwortung für die Richtigkeit trägt. Bei Fehlern durch Mitarbeiter greift oft die Versicherung, aber der Mitarbeiter haftet bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz, oft durch eine spezielle „Mankovereinbarung“ bei Kassentätigkeiten. Steuerberater haften für Fehler durch ihre Berufshaftpflichtversicherung, aber der Mandant bleibt gegenüber dem Finanzamt erster Ansprechpartner. 

Wann macht sich ein Buchhalter strafbar?

Wann macht man sich wegen Verletzung der Buchführungspflicht strafbar? Strafbar macht sich, wer seine Buchführungspflicht verletzt. Allerdings präzisiert das Gesetz auch, wodurch man seine Buchführungspflicht in strafbarer Weise verletzt.

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Wer kontrolliert die Buchhaltung?

Eine der häufigsten Arten von Betriebsprüfungen ist die Außenprüfung. Dabei kommt ein Betriebsprüfer vom Finanzamt ins Unternehmen und überprüft die Buchhaltung, und alle steuerlich relevanten Sachverhalte auf mögliche Fehler oder Unregelmäßigkeiten.

Was darf ein Buchhalter nicht machen?

Folgende Dienstleistungen dürfen Bilanzbuchhalter nicht anbieten:

  • Die Buchführung oder den Kontenrahmen einrichten.
  • Den Jahresabschluss oder die Bilanz aufstellen.
  • Vorbereitende Abschlussbuchungen vornehmen (Abschreibungen, Abgrenzungen, Rückstellungen)
  • Den Gewinn/ Verlust ermitteln.
  • Lohnkonten einrichten.

Was passiert bei nicht ordnungsgemäßer Buchführung?

Ist die Buchführung nicht ordnungsgemäß, kann das FA unter bestimmten Voraussetzungen Hinzuschätzungen vornehmen. In Einzelfällen können Hinzuschätzungen sogar bei einer formell ordnungsgemäßen Buchführung möglich sein. Der Beitrag geht auf die Problematik der Schätzung bei Unterschreiten der Richtsätze ein.

Kann man Steuerberater für Fehler haftbar machen?

Zudem kann ein Steuerberater auch gegenüber dem Finanzamt oder sogar Dritten haftbar gemacht werden. Dies ist dann der Fall, wenn er falsche oder unvollständige Angaben an die Finanzbehörden weitergibt und dies zu einer Steuerhinterziehung führt.

Was passiert bei Fehlern im Jahresabschluss?

Bei fehlerhaften Jahresabschlüssen ist danach zu differenzieren, ob der Fehler so gewichtig ist, dass der Jahresabschluss gem. § 256 Abs. 1 bis Abs. 5 AktG nichtig ist oder ob der Fehler nicht so gewichtig ist, dass eine Nichtigkeit angenommen werden muss.

Was sind die 5 Grundsätze der Buchführung?

Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung: Erläuterungen

  1. Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit. ...
  2. Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit. ...
  3. Grundsatz der Einzelbewertung. ...
  4. Grundsatz der Vollständigkeit. ...
  5. Grundsatz der Sicherheit. ...
  6. Belegprinzip.

Welche Compliance-Verstöße gibt es?

Zu den häufigsten Verstößen gegen die Compliance gehören das Nichtbefolgen von Unternehmensrichtlinien und -verfahren, Verletzung gesetzlicher Vorschriften, Missmanagement von Unternehmensvermögen, Interessenkonflikte und das Nichtaufrechterhalten ordnungsgemäßer Aufzeichnungen.

Was ist der Unterschied zwischen GoB und GoBD?

Während das Kürzel GoB hinlänglich bekannt ist, steht das moderne Kürzel GoBD für "Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff".

Wann entfällt die Buchführungspflicht?

Die handelsrechtliche Befreiung der Buchführungspflicht ist in § 241 a HGB geregelt. Hiernach sind Sie nicht zur Buchführung verpflichtet, wenn der Umsatz nicht mehr als 600.000 Euro (nicht 60.000 Euro !) bzw. der Jahresüberschuss nicht mehr als 60.000 Euro beträgt.

Ist eine KG buchführungspflichtig?

Buchführung und Jahresabschluss

Die KG ist kraft Gesetzes Vollkaufmann und somit verpflichtet, Bücher zu führen. Die Buchführung muss so beschaffen sein, dass sie sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann.

Sind alle Kaufleute zur Buchführung verpflichtet?

Handelsgesetzbuch. § 238 Buchführungspflicht

(1) Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen.

Wann macht sich Steuerberater strafbar?

Der Steuerberater wird als Gehilfe bestraft, wenn er vorsätzlich die vorsätzliche Steuerhinterziehung eines anderen fördert. Voraussetzung dafür ist der für die Beihilfe erforderliche doppelte Gehilfenvorsatz.

Was passiert, wenn das Finanzamt Fehler entdeckt?

Nachträgliche Korrektur: Fehler nach Erhalt des Steuerbescheids entdeckt. Ab dem Zeitpunkt, an dem der Steuerbescheid als zugestellt gilt, haben Sie eine Einspruchsfrist von einem Monat. Ist der Bescheid fehlerhaft, sollten Sie innerhalb dieser vier Wochen die Schritte zur Korrektur einleiten.

Wer haftet bei Fehlern des Steuerberaters?

In den meisten Fällen haftet für Fehler, die vom Steuerberater eingegangen wurde, eine abgeschlossene Berufshaftpflichtversicherung. Diese ist für Steuerberater nach § 67 Steuerberatungsgesetz (StBerG) Pflicht, sodass die Versicherung für berufliche Fehler bis zur Versicherungssumme haftet.

Was passiert bei falscher Buchhaltung?

Ein zentrales Risiko fehlerhafter Buchführung sind finanzielle Nachteile. Falsch erfasste Rechnungen oder vergessene Buchungen führen zu Nachzahlungen, Zinsen oder Strafen. Bei Betriebsprüfungen kann das Finanzamt fehlende Beträge nachfordern – teilweise für mehrere Jahre rückwirkend.

Wer kontrolliert die Buchführung?

Einem Wirtschaftsprüfer unterliegen vielfältige Aufgaben in einem Unternehmen. Er kontrolliert ordnungsgemäß die Buchführung eines Unternehmens und prüft Jahresabschluss beispielsweise den Lagebericht. Man darf sich ein Wirtschaftsprüfer nennen wenn man seine persönliche und fachliche Einigung vorweisen kann.

Wie hoch ist die Strafe im Finanzamt?

Das Gesetz sieht in § 370 AO (Abgabenordnung) für Steuerhinterzieher eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahren vor. Für das konkrete Strafmaß spielt insbesondere die Höhe der hinterzogenen Steuern eine entscheidende Rolle.

Welche Pflichten hat ein Buchhalter?

Zusammenfassung. Die Buchführungspflicht in Deutschland verpflichtet Unternehmer, ihre Geschäftsvorgänge systematisch zu erfassen. Gemäß § 238 HGB muss jeder Kaufmann Bücher führen, um die Handelsgeschäfte und die Vermögenslage nachvollziehbar darzustellen.

Ist es möglich, ohne Ausbildung Buchhalter zu werden?

Ja, man kann Buchhalter werden ohne formelle Ausbildung, da der Begriff nicht geschützt ist; der Einstieg gelingt über Quereinstieg mit Praktika, Assistenztätigkeiten (z.B. Dateneingabe), Weiterbildungen (z.B. IHK-Kurse, Fernlehrgänge) oder über Zeitarbeit, um Praxiserfahrung zu sammeln und sich dann zum geprüften Bilanzbuchhalter (IHK) fortbilden zu lassen. Wichtig sind Zahlenaffinität, Sorgfalt und die Bereitschaft, sich durch Kurse (z.B. bei privaten Anbietern wie SGD) oder Praxiserfahrung zu qualifizieren.
 

Was ist der Unterschied zwischen Buchhalter und Finanzbuchhalter?

Ein Buchhalter ist der Oberbegriff für jemanden, der Geschäftsvorfälle erfasst, während der Finanzbuchhalter eine Spezialisierung ist, die sich auf das externe Rechnungswesen konzentriert (Debitoren, Kreditoren, Vorbereitung der Jahresabschlüsse), oft mit einer speziellen Weiterbildung, die tiefere Kenntnisse in Steuern und Bilanzierung vermittelt, um das Unternehmen nach außen darzustellen. Der Finanzbuchhalter arbeitet eng mit den gesetzlichen Vorgaben zusammen und bereitet die Daten für die externe Rechnungslegung (z. B. Bilanz, GuV) vor, was über die reine Transaktionserfassung eines allgemeinen Buchhalters hinausgeht.