Wie hoch muss man verschuldet sein für eine Privatinsolvenz?

Gefragt von: Frau Prof. Dr. Carmen Kuhlmann B.Sc.
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Für eine Privatinsolvenz gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestschuldenhöhe; entscheidend ist die Zahlungsunfähigkeit (drohende oder eingetretene), also wenn Sie Ihre fälligen Schulden nicht mehr begleichen können, und dass ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern gescheitert ist. Theoretisch sind schon wenige hundert Euro Schulden möglich, aber oft macht die Insolvenz erst bei höheren Beträgen Sinn, da sonst die Verfahrenskosten höher sein könnten als die Schulden, und es muss ein gewisser Freibetrag zum Leben bleiben (ca. 1.559,99 € netto ab Juli 2025).

Wie viel Schulden muss man haben, um in eine Privatinsolvenz zu gehen?

Ab wieviel Euro Schulden kann man Privatinsolvenz anmelden? Es gibt keine gesetzlich festgelegte Mindestschuldensumme, ab der eine Privatinsolvenz beantragt werden kann. Entscheidend ist vielmehr die finanzielle Situation des Schuldners und die Unmöglichkeit, die Schulden aus eigenen Mitteln zu begleichen.

Welche Schulden fallen nicht in die Privatinsolvenz?

Bei der Privatinsolvenz werden Schulden aus vorsätzlichen Straftaten (z.B. Betrug, Steuerhinterziehung), Geldstrafen und Bußgeldern (z.B. aus Strafverfahren), sowie vorsätzlich nicht gezahlte Unterhaltsschulden nicht erlassen und müssen auch nach dem Verfahren weiter bezahlt werden, ebenso wie Kosten aus Strafprozessen und Darlehen aus sittenwidriger Schädigung oder arglistiger Täuschung. 

Wie viel Geld steht mir bei Privatinsolvenz monatlich zu?

Seit dem 1. Juli 2025 beträgt der unpfändbare Grundbetrag 1.555,00 Euro monatlich (bisher: 1.491,75 Euro). Die Höhe der Pfändungsfreibeträge steht in der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung. Das BMJV hat zudem eine Broschüre zu den Pfändungsfreigrenzen veröffentlicht.

Sind 5000 Euro Schulden viel?

Die Höhe der Verschuldung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt im Durchschnitt bei 2.500 bis 5.000 Euro. Darüber hinaus gibt es immer wieder Fälle, in denen die Verschuldung die 5.000 Euro Marke deutlich übersteigt.

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Sind 5000 Schulden viel?

Ja, 5.000 Dollar Schulden sind eine hohe Summe, wenn dadurch Ihre Schuldenquote (Debt-to-Income-Ratio, DTI) über 43 % steigt . Die DTI berechnet sich aus dem Verhältnis all Ihrer monatlichen Schuldenzahlungen zu Ihrem monatlichen Bruttoeinkommen. Jeder Wert über 43 % bedeutet, dass Sie zu viele Schulden haben, um sie bewältigen zu können.

Muss ich während einer Privatinsolvenz Miete zahlen?

Bei Privatinsolvenz gibt es keinen speziellen Miet-Freibetrag, aber die laufende Miete muss aus dem allgemeinen Pfändungsfreibetrag gezahlt werden; dieser liegt seit Juli 2025 bei mindestens 1.560 € (netto), zuzüglich Mehrbeträgen für Unterhaltspflichtige, sodass die Miete diesen Betrag nicht übersteigen sollte, wenn Sie Ihren Selbstbehalt wahren wollen; eine fixe Obergrenze gibt es nicht, aber eine zu hohe Miete kann der Treuhänder beanstanden, da sie Ihr Existenzminimum gefährdet. 

Ist man nach 3 Jahren Privatinsolvenz schuldenfrei?

Ja, in der Regel ist man nach drei Jahren Privatinsolvenz schuldenfrei, wenn man die Auflagen erfüllt hat, da seit dem 1. Oktober 2020 die Restschuldbefreiung bereits nach dieser Zeit erteilt wird – früher waren es sechs Jahre, mit Verkürzungsmöglichkeiten, die jetzt entfallen sind. Diese Regelung gilt für neue Anträge und befreit von den meisten Schulden (außer z. B. Geldstrafen), aber die Wohlverhaltensphase mit ihren Pflichten muss erfolgreich durchlaufen werden.
 

Wird Miete bei Privatinsolvenz berücksichtigt?

Muss ich trotz Privatinsolvenz Miete zahlen – und wenn ja, wovon? Ja, Schuldner müssen die Wohnungsmiete während der Privatinsolvenz von ihrem pfändungssicheren Freibetrag zahlen.

Welche Nachteile hat ein Privatkonkurs?

Nachteile einer Privatinsolvenz

  1. Einschränkung der finanziellen Freiheit. Während des Insolvenzverfahrens darf nur ein begrenzter Teil des Einkommens behalten werden. ...
  2. Schufa-Eintrag und eingeschränkte Kreditwürdigkeit. ...
  3. Verfahrenskosten. ...
  4. Möglicher Verlust von Vermögenswerten. ...
  5. Pflichten in der Wohlverhaltensphase.

Was ist der Nachteil von Privatinsolvenz?

Nachteile einer Privatinsolvenz sind finanzielle Einschränkungen (pfändbares Einkommen, Ratenkäufe unmöglich), ein negativer SCHUFA-Eintrag, der Verträge erschwert, Pflichten wie Meldepflichten und Jobsuche, mögliche Verwertung von Vermögen und Kosten für das Verfahren. Der Arbeitgeber erfährt vom Verfahren, da er den pfändbaren Teil des Gehalts abführen muss, und es gibt eine Veröffentlichung im Schuldnerverzeichnis, was die Wohnungssuche erschwert. Nicht alle Schulden (z. B. vorsätzliche) werden erlassen. 

Welche Schulden müssen zuerst bezahlt werden?

Welche Schulden soll ich zuerst bezahlen? Bezahlen Sie immer existentiell wichtige Schulden zuerst. Dazu gehören vor allem die Miete und Strom. Danach können Sie die anderen Verbindlichkeiten erfüllen.

Wann bin ich nach der Privatinsolvenz wieder kreditwürdig?

Nach der Restschuldbefreiung sind Sie nicht sofort wieder voll kreditwürdig, da der negative SCHUFA-Eintrag noch sechs Monate bestehen bleibt, bevor er gelöscht wird. Danach beginnt die Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit langsam, erfordert Geduld, einwandfreies Zahlungsverhalten (z. B. pünktliche Rückzahlung kleiner Kredite) und positive Kontoführung, aber Banken bleiben oft vorsichtig, weshalb es dauern kann, bis Sie wieder die gleichen Konditionen wie vor der Insolvenz erhalten.
 

Welche Schulden werden trotz Privatinsolvenz nicht erlassen?

Bei einer Privatinsolvenz werden die meisten Schulden nach Ablauf der Wohlverhaltensphase (meist 3 Jahre) erlassen, aber nicht alle: Von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind insbesondere Schulden aus vorsätzlichen Straftaten (z.B. Betrug, Steuerhinterziehung), vorsätzlich nicht gezahlte Unterhaltsverpflichtungen, Geldstrafen, Geldbußen sowie Verfahrenskosten aus Strafverfahren, da diese Forderungen immer bestehen bleiben müssen. Neue Schulden, die nach Eröffnung des Verfahrens entstehen, werden ebenfalls nicht erlassen.
 

Wer übernimmt die Kosten bei Privatinsolvenz?

Wenn Sie Insolvenz anmelden, müssen Sie diese Kosten theoretisch übernehmen. Praktisch werden sie aber in der Regel von den Gläubiger*innen übernommen, denn sie werden von der Insolvenzmasse, die unter allen Gläubiger*innen aufgeteilt wird, abgezogen.

Für wen lohnt sich Privatinsolvenz?

Allgemein lohnt sich eine Privatinsolvenz in jedem Fall, wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist und ein außergerichtlicher Vergleich mit den Gläubigern scheitert. Auch bei einer drohenden Zahlungsunfähigkeit kann die Privatinsolvenz der richtige Weg sein.

Wie hoch ist das Existenzminimum bei einer Privatinsolvenz?

Auch bei der Privatinsolvenz gilt ein Selbstbehalt zugunsten des Schuldners, damit er weiterhin seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Dieser lässt sich mithilfe der Pfändungstabelle ermitteln. Er beträgt derzeit mindestens 1.559,99 Euro (Stand: 1.7.2025).

Kann mein Vermieter mich kündigen wegen Privatinsolvenz?

Nein, der Vermieter kann bei einer Privatinsolvenz nicht einfach wegen der Insolvenz oder alter Mietschulden kündigen, da es eine Kündigungssperre (§ 112 InsO) gibt. Kündigungen sind aber möglich, wenn nach der Insolvenzeröffnung erhebliche neue Mietrückstände (z.B. zwei Mieten) entstehen, bei schwerwiegenden Vertragsverletzungen (wie Ruhestörung) oder wenn der Insolvenzverwalter das Mietverhältnis nach der sogenannten Enthaftung (Freigabe) durch das Gericht nicht übernimmt. 

Was darf ich während einer Privatinsolvenz nicht?

Bei der Privatinsolvenz darf man nicht mit den Gläubigern verhandeln, Vermögen verheimlichen, unvernünftige Ausgaben tätigen (z.B. Luxusreisen, Glücksspiel), Schulden aus vorsätzlicher Straftat (z.B. Steuerhinterziehung, betrügerische Handlungen) oder Unterhaltsschulden (bei vorsätzlicher Nichtzahlung) anhäufen und eine zumutbare Arbeit ablehnen oder Arbeitslosigkeit nicht melden – all dies kann die Restschuldbefreiung gefährden. Man muss dem Insolvenzverwalter jede Änderung seiner Adresse, seines Arbeitsplatzes oder Einkommens melden und Erbschaften sofort abgeben. 

Wie hoch sind die Kosten für eine Privatinsolvenz?

Die Verfahrenskosten für eine Privatinsolvenz betragen rund 2.000 Euro. Diese können dir vom Gericht gestundet werden. Allerdings wird bis zu vier Jahre nach der Restschuldbefreiung noch einmal geprüft, ob du diese Kosten tragen kannst. Der pfändbare Anteil des Einkommens wird drei Jahre gepfändet.

Wann ist eine Privatinsolvenz nicht möglich?

Eine Privatinsolvenz ist nicht möglich, wenn keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt, Sie noch selbstständig sind (außer bei wenigen Gläubigern), der Antrag fehlerhaft ist, Sie gegen Obliegenheiten verstoßen (z. B. falsche Angaben, keine Arbeitssuche), die Verschuldung aus Straftaten stammt, oder wenn Sie nach einer vorherigen Insolvenz eine Sperrfrist beachten müssen. Auch eine Abweisung „mangels Masse“ (nicht genug Vermögen für Kosten) kann erfolgen. 

Was passiert, wenn ich meine Schulden 7 Jahre lang nicht bezahle?

Nach sieben Jahren verschwinden Schulden aus Ihrer Schufa-Auskunft – aber nicht unbedingt aus Ihrem Leben. Das US-amerikanische Gesetz über faire Kreditberichterstattung (Fair Credit Reporting Act, FCRA) begrenzt, wie lange negative Einträge – wie Abschreibungen, Inkassoverfahren und Zahlungsverzug – in Ihrer Schufa-Auskunft erscheinen dürfen.

Wie groß darf eine Wohnung bei Privatinsolvenz sein?

Außerdem besteht der Anspruch je nach Personenzahl auf eine bestimmte Wohnungsgröße. Für eine Person wird der WBS für eine Wohnung von maximal 50 Quadratmetern ausgestellt und die Einkommensgrenze beträgt 21710 EURO (Jahreswert – Werte aus Nordrhein-Westfalen).

Was bleibt zum Leben bei Privatinsolvenz?

Verschuldete Berufstätige ohne Unterhaltspflicht dürfen 1.559,99 Euro von ihrem monatlichen Nettoeinkommen für sich behalten. Haben sie 100 Euro mehr Nettoeinkommen, müssen sie davon nicht alles abgeben, sondern nur 66,50 Euro. Einen Teil von dem Betrag, der über der Freigrenze liegt, dürfen sie also behalten.

Warum schreibt der Insolvenzverwalter den Vermieter an?

Nach meiner Erfahrung schreiben nicht alle Insolvenzverwalter ausnahmslos den Vermieter des Schuldners an. In aller Regel wird der Vermieter vom Insolvenzverwalter jedoch angeschrieben, so dass man sich als Schuldner hierauf einstellen sollte.