Wie lautet das Erbrecht in Österreich?
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Das österreichische Erbrecht regelt die gesetzliche Erbfolge nach dem Parentelsystem (Erblinien), wobei nahe Verwandte (Kinder, Ehepartner) zuerst erben und weiter entfernte nur erben, wenn keine näheren Verwandten mehr da sind, mit dem Pflichtteil, der die Hälfte des gesetzlichen Anteils beträgt, und ohne Erbschaftssteuer (seit 2008), aber mit Grunderwerbsteuer bei Immobilien.
Wie ist die gesetzliche Erbfolge in Österreich?
Die gesetzliche Erbfolge in Österreich regelt die Aufteilung des Vermögens, wenn kein Testament existiert, und folgt dem Parentelsystem: Zuerst erben die Kinder und der Ehepartner (1/3 Ehepartner, 2/3 Kinder). Gibt es keine Kinder, erben der Ehepartner (2/3) und die Eltern (1/3). Fehlen auch diese, kommen die Großeltern, dann Geschwister und deren Nachkommen zum Zug; erst wenn alle Linien leer sind, erben die entfernteren Verwandten.
Wer erbt in welcher Reihenfolge?
Nach der gesetzlichen Erbfolge in Deutschland erben zuerst die Verwandten der ersten Ordnung (Kinder, Enkel), dann die der zweiten Ordnung (Eltern, Geschwister) und danach die der dritten Ordnung (Großeltern) – wobei immer die nächste Ordnung die weiter entfernte ausschließt. Der Ehepartner erbt immer mit und erhält je nach Situation (Güterstand und anwesende Verwandte) einen pauschalen Anteil (z.B. ein Viertel) plus einen Zugewinnausgleich, was seinen Anteil erhöht. Unverheiratete Partner erben nichts, wenn kein Testament vorhanden ist.
Wie ist die Erbfolge in Österreich für Ehepartner und Kinder?
FAQ: Erben in Österreich
Laut österreichischem Erbrecht stehen Kindern 2/3 der Verlassenschaft zu, dem Ehepartner 1/3. Der Pflichtteil beträgt von diesem gesetzlichen Erbteil.
Wer hat in Österreich Anspruch auf Pflichtteil?
Pflichtteilsberechtigte Personen:
Zum Kreis der pflichtteilsberechtigten Personen zählen der Ehegatte oder eingetragene Partner und die Nachkommen (Kinder, Enkel, Urenkel) des Verstorbenen.
Der Pflichtteil - Wer bekommt ihn und wie hoch ist er? | ERBRECHT | Menz & Partner
Wie hoch ist der Pflichtteil trotz Testament in Österreich?
Ist ein Erblasser nicht verheiratet, erhalten die Kinder die gesamte Verlassenschaft, der Pflichtteil des Kindes hier beträgt also 50 Prozent der Verlassenschaft. Mit noch lebenden Ehepartner beträgt der Pflichtteil des Ehegatten 1/6 und der Pflichtteil der Kinder 2/6 der Verlassenschaft.
Haben Eltern trotz Testament einen Pflichtteil?
Ja, Eltern haben auch bei einem Testament einen Anspruch auf den Pflichtteil, wenn sie durch das Testament enterbt wurden oder ihr gesetzlicher Erbteil zu gering ausfällt, solange der Erblasser keine Kinder oder Enkel hinterlässt; der Pflichtteil ist ein gesetzlicher Mindestanspruch, der sicherstellt, dass nahe Angehörige nicht vollständig leer ausgehen, wobei die Quote die Hälfte des gesetzlichen Erbteils beträgt und die Verjährung nach drei Jahren ab Kenntnis beginnt.
Was erbt die Ehefrau, wenn der Mann stirbt in Österreich?
Wenn die/der Verstorbene verheiratet oder verpatnert war, erhält die Partnerin/der Partner neben der ersten Gruppe ein Drittel des Erbes und neben der zweiten Gruppe zwei Drittel des Erbes. Wenn es keine Verwandten in der ersten oder zweiten Gruppe gibt, erbt sie/er den gesamten Nachlass.
Was steht mir als Ehefrau zu, wenn mein Mann stirbt?
Wenn Ihr Mann stirbt, stehen Ihnen als Ehefrau die Witwenrente (groß oder klein), das Sterbevierteljahr (Sofortzahlung) und ein gesetzlicher Erbteil zu, der je nach Situation (Kinder, Zugewinngemeinschaft) variiert, wobei die Witwenrente meist 55 % der Partnerrente beträgt, nach den ersten drei Monaten aber eigenes Einkommen angerechnet wird.
Wer erbt in Österreich, wenn kein Testament hinterlassen wurde?
In Österreich greift die gesetzliche Erbfolge nach dem Parentelsystem, wenn kein Testament existiert: Zuerst erben die Kinder (1. Parentel) zu gleichen Teilen, wobei der Ehepartner oder eingetragene Partner 1/3 erhält und die Kinder 2/3 gemeinsam teilen. Fehlen Kinder, rücken Eltern und deren Nachkommen (Geschwister) nach (2. Parentel). Der Ehepartner erbt dann 2/3, die Eltern 1/3. Es gibt auch ein außerordentliches Erbrecht für Lebensgefährten (ohne Trauschein) unter bestimmten Voraussetzungen.
Wer erbt zuerst, Ehefrau oder Kinder?
Ehepartnerinnen oder Ehepartner und Kinder erben im gesetzlichen Erbrecht gemeinsam. Kinder haben immer Vorrang als „Erben 1. Ordnung“, aber der Ehepartner oder die Ehepartnerin bekommt stets den entsprechenden gesetzlichen Anteil.
Was Erben die Kinder, wenn der Vater stirbt und die Mutter noch lebt?
Wenn der Vater stirbt und die Mutter lebt, erben sie nach der gesetzlichen Erbfolge in Deutschland Mutter und Kinder gemeinsam die Hälfte des Nachlasses, wobei die Mutter (bei Zugewinngemeinschaft) pauschal 25 % (den „großen Voraus“) extra bekommt, wodurch die andere Hälfte unter den Kindern aufgeteilt wird – also in der Regel Mutter die Hälfte, Kinder die andere Hälfte, aufgeteilt nach Anzahl. Bei zwei Kindern erben sie je ein Viertel, bei drei Kindern je ein Sechstel, zuzüglich des großen Voraus für die Mutter, die dann insgesamt ein Hälfte (1/2 + 1/4 = 3/4 vom Gesamt-Nachlass) erbt.
Wie erfolgt die Aufteilung der Erbmasse?
Das Erbe wird nach der gesetzlichen Erbfolge (wenn kein Testament da ist) oder nach Testament aufgeteilt, wobei zunächst Schulden beglichen werden, dann der Nachlass erfasst und schließlich unter den Erben verteilt wird, was oft eine Einigung (Auseinandersetzung) erfordert; bei Uneinigkeiten helfen Mediation oder Gericht. Bei Geld ist die Teilung einfach, bei Immobilien oder schwer teilbaren Sachen kann eine Versteigerung nötig werden.
Sind Geschwister in Österreich erbberechtigt?
Das Erbrechtin Österreich ordnet Geschwister der zweiten Parentel zu. Dennoch können Geschwister in der Erbfolge übergangen werden, wenn der Erblasser das wünscht. Wenn der Erblasser ein Testament aufsetzt oder einen Erbvertrag errichtet, in dem die Geschwister nicht berücksichtigt werden, gehen sie leer aus.
Was erbt die Ehefrau, wenn der Mann stirbt?
Wenn der Ehemann stirbt, erbt die Ehefrau nach dem gesetzlichen Erbrecht einen Anteil, der vom Güterstand und den Verwandten abhängt, die neben ihr erben: Meistens erbt sie neben Kindern ein Viertel (§ 1931 Abs. 1 BGB), zusammen mit dem pauschalen Zugewinnausgleich (großer Pflichtteil) erhält sie oft die Hälfte oder mehr des Erbes, während bei kinderlosen Ehen und je nach Verwandtschaftsgrad auch alles. Der überlebende Ehegatte hat auch einen hohen Freibetrag bei der Erbschaftssteuer von 500.000 Euro.
Wie viel Erbschaftssteuer muss ich bezahlen, wenn ich 100.000 € Erbe?
Ehe- und eingetragene Lebenspartner müssen für die 100.000 Euro oberhalb ihres Freibetrags 11.000 Euro Erbschaftssteuer bezahlen. Bei Kindern und Enkeln, deren Eltern schon verstorben sind, beträgt der zu versteuernde Anteil der Erbschaft 200.000 Euro; dafür werden 22.000 Euro Erbschaftssteuer fällig.
Was Erben Geschwister, wenn der Ehepartner noch lebt?
Die Geschwister haben einen Anspruch auf Erbe. Der Ehepartner hat einen Anspruch auf die Hälfte des Nachlasses gegenüber Erben der 2. Ordnung. Die andere Hälfte wird unter den Geschwistern aufgeteilt und jeder erhält ¼.
Hat die erste Ehefrau Anspruch auf Witwenrente?
Ja, die erste Frau kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Witwenrente bekommen, vor allem wenn die Ehe vor dem 1. Juli 1977 geschieden wurde, sie nicht wieder geheiratet hat und Unterhalt vom Ex-Partner bezog oder Anspruch darauf hatte, und der Ex-Partner die Mindestversicherungszeit erfüllt hat. Bei einer späteren Scheidung ist ein Anspruch unwahrscheinlicher, aber möglich, wenn sie z.B. während der Ehe in eine Notlage geriet und ein Unterhaltsanspruch bestand, der aber oft mit der Witwenrente der neuen Ehefrau verrechnet wird.
Was passiert, wenn der Mann stirbt und die Frau nicht im Grundbuch steht?
Wenn der Ehemann stirbt, aber nur er im Grundbuch steht, erbt die Ehefrau aufgrund der gesetzlichen Erbfolge einen Teil des Hauses, aber sie bildet mit eventuellen Kindern oder anderen Verwandten eine Erbengemeinschaft; der Grundbucheintrag ist für die Erbschaft nicht entscheidend, sichert aber Rechte, da der überlebende Ehepartner ohne Eintragung erst seine Erbenstellung nachweisen muss (z.B. durch Erbschein), um Eigentümer zu werden und die Immobilie zu verwalten oder zu verkaufen, was ohne Grundbucheintrag zu Problemen führen kann, aber auch eine kostenfreie Grundbuchberichtigung innerhalb von zwei Jahren möglich ist.
Wie viel erbt der Ehegatte in Österreich?
Neben den Nachkommen (Kindern und Enkeln) des Verstorbenen bekommt der Ehegatte 1/3 der Verlassenschaft. Erbt der Ehegatte neben den Eltern des Verstorbenen (seinen Schwiegereltern), stehen ihm hingegen bereits 2/3 zu. Ist ein Elternteil des Verstorbenen vorverstorben, bekommt der Ehegatte auch noch dessen Teil.
Wie hoch ist der gesetzliche Erbteil der Ehefrau?
Die gesetzliche Erbfolge der Ehefrau hängt von den verbleibenden Verwandten (Kinder, Eltern etc.) und dem ehelichen Güterstand ab; neben Kindern erbt sie meist einen pauschalen Zugewinnausgleich plus ein Viertel, während sie bei Fehlen von Kindern der 1. und 2. Ordnung die Hälfte oder sogar die ganze Erbschaft erhalten kann, wenn keine Großeltern da sind, wobei sich die Anteile je nach Situation verschieben.
Wie berechnet man den Pflichtteil in Österreich?
Berechnung des Pflichtteils:
Der Pflichtteil entspricht 50 % des gesetzlichen Erbteils. Beispiel: Hinterlässt der Verstorbene einen Ehegatten und zwei Kinder, beträgt der gesetzliche Erbteil des Ehegatten ein Drittel. Der Pflichtteil des Ehegatten ist somit ein Sechstel des Nachlasses.
Ist es möglich, Kinder zu enterben, ohne dass sie Pflichtteil geltend machen können?
Kinder können in Deutschland nicht einfach enterbt werden, ohne dass ein Pflichtteil bestehen bleibt; eine vollständige Enterbung ohne Pflichtteil ist nur in extremen Fällen von Erbunwürdigkeit (schwere Straftaten, böswillige Verletzung der Unterhaltspflicht) oder durch einen lebzeitigen Pflichtteilsverzicht (notariell beurkundeter Vertrag) möglich, was eine gute Beziehung voraussetzt. Ansonsten haben Kinder immer einen gesetzlichen Anspruch auf die Hälfte ihres regulären Erbteils, selbst wenn sie enterbt wurden.
Was ändert sich 2025 im Erbrecht?
Für 2025 gelten bei der Erbschaftssteuer immer noch die bekannten Freibeträge: Eheleute können bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, Kinder bis zu 400.000 Euro pro Elternteil. Laut rosepartner.de wurden diese Beträge bereits seit 2009 nicht mehr angepasst – trotz stark gestiegener Immobilienpreise und Inflation.
Hat mein Mann Anspruch auf das Erbe meiner Eltern?
Nein. Selbst wenn Sie in der Ehe erben, steht Ihnen die Erbschaft allein zu. Die/Der Ehegatt:in hat keinen Anspruch auf das Erbe. Was unter Ehegatten gilt, gilt erst recht unter Geschiedenen: Die/Der Ex-Partner:in erbt nach der Scheidung nicht.