Wie vollstreckt eine Krankenkasse?

Gefragt von: Osman Rohde
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Eine Krankenkasse vollstreckt fällige Beiträge, indem sie den Fall an das Hauptzollamt übergibt, welches dann Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wie Vermögensauskünfte oder Konten-/Sachpfändungen einleitet; bei gesetzlichen Kassen erfolgt dies direkt, private Kassen benötigen meist einen gerichtlichen Titel. Zusätzlich ruhen bei gesetzlichen Kassen oft die Leistungsansprüche (bis auf Notfälle) ab zwei Monatsbeiträgen, bis die Schulden beglichen sind.

Wie vollstrecken Krankenkassen?

Das Bundesamt für Soziale Sicherung darf fachlich geeignete Beschäftigte der Krankenkassen und Krankenkassenverbände als Vollstreckungs- bzw. Vollziehungsbeamte bestellen. Diese vollstrecken dann für die Krankenkassen Ansprüche auf Gesamtsozialversicherungsbeiträge.

Wie kommen Schulden bei der Krankenkasse zustande?

Schulden bei der Krankenkasse entstehen meist, wenn Selbstständige, Freiberufler oder Privatversicherte ihre Beiträge nicht zahlen können, da sie diese selbst tragen; auch bei Arbeitnehmern kann dies bei Jobverlust und fehlendem Bezug von Sozialleistungen der Fall sein, da die Versicherungspflicht besteht. Ursachen sind oft Einkommensverlust, fehlende Meldung über Einkommensänderungen, was zu Höchstbeiträgen führt, oder verspätete Meldung nach Selbstständigkeit. Die Folge ist das Ruhen des Leistungsanspruchs (bei zwei Monatsbeiträgen Rückstand), was bedeutet, dass nur noch Notfallbehandlungen gezahlt werden, bis die Schulden beglichen sind. 

Was ist ein Vollstreckungsbeamter bei der Krankenkasse?

Vollziehungsbeamte des Zolls

Die Vollziehungsbeamten des Zolls vollstrecken öffentlich-rechtlichen Geldforderungen des Bundes und der bundesunmittelbaren juristischen Personen des öffentlichen Rechts (z. B. Rentenversicherungsträger und Krankenkassen, soweit diese keine eigenen Vollziehungsbeamten haben).

Kann eine Krankenkasse mein Gehalt pfänden?

Krankenkassen dürfen Gehalt pfänden bei nicht gezahlten Zusatzbeiträgen. Gegen säumige Beitragszahler fahren die Krankenkassen nun schweres Geschütz auf. Und das heißt Hauptzollamt, denn dieses ist in dem Fall Vollstreckungsorgan für offene Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen.

Krankenkasse macht krank

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Wie schnell pfändet die Krankenkasse?

Zwei Monate nach der ersten Mahnung wird die zweite Mahnung verschickt. Vollstreckung: Reagieren Sie auch nicht auf die zweite Mahnung, kann Ihre Krankenkasse eine Vollstreckung der Schulden veranlassen. Sie bekommen dann Besuch vom Gerichtsvollzieher.

Kann das Gehalt komplett gepfändet werden?

Kann das ganze Gehalt gepfändet werden? Nein, es kann nicht das ganze Gehalt eines Schuldners während einer Lohnpfändung eingezogen werden. Dem Schuldner muss weiterhin genug Geld zur Verfügung stehen, um seine Lebenshaltungskosten zu bestreiten.

Was passiert, wenn Krankenkassenbeiträge nicht bezahlt werden?

Wenn man die Krankenversicherung nicht zahlt, fallen Mahngebühren und Säumniszuschläge (1 % pro Monat) an, der Leistungsanspruch ruht (nur akute Schmerzen/Krankheiten gedeckt) und die Kasse kann vollstrecken (Gerichtsvollzieher). Wichtig: Man bleibt versicherungspflichtig, kann nicht kündigen und muss die Schulden samt Zuschlägen später nachzahlen, oft erst nach Rückkehr in die Versicherung. Bei Arbeitgebern drohen Strafen. 

Was darf durch das Hauptzollamt vollstreckt werden?

Neben eigenen Steuer- und Abgabenforderungen (zum Beispiel Zölle, Kraftfahrzeugsteuer, Energiesteuer) vollstrecken sie auch öffentlich-rechtliche Geldforderungen für sogenannte Fremdgläubiger, wie zum Beispiel die Agenturen für Arbeit, Krankenkassen und Berufsgenossenschaften.

Wie lange darf die Krankenkasse Beiträge zurückfordern?

Krankenkassen können Sozialversicherungsbeiträge in der Regel vier Jahre rückwirkend nachfordern, die Verjährungsfrist beginnt am 1. Januar des Folgejahres, in dem die Beiträge fällig wurden; bei vorsätzlich hinterzogenen Beiträgen verlängert sich die Frist auf 30 Jahre. Bei Erstattungen (zu viel gezahlt) gilt ebenfalls die 4-Jahres-Frist. 

Wann verjähren Schulden bei der Krankenkasse?

Schulden bei der Krankenkasse verjähren grundsätzlich nach vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie fällig wurden, gemäß § 25 SGB IV, es sei denn, die Verjährung wird gehemmt (z.B. durch Mahnung, Vollstreckungsversuch) oder die Beiträge wurden vorsätzlich vorenthalten, was zu einer 30-jährigen Frist führt. Die 4-Jahres-Frist beginnt am 31. Dezember des Jahres, in dem die Forderung entstand, also eine Forderung aus 2022 verjährt am 31. Dezember 2025.
 

Kann ich von der Krankenkasse rausgeschmissen werden?

Krankenversicherer können die Versicherung aber auch wegen eines Fehlverhaltens des Versicherungsnehmers nach Vertragsschluss fristlos kündigen. Seit mehr als zehn Jahren greifen Krankenversicherer vermehrt zu derartigen Rechtsmaßnahmen. Vor allem Krankentagegeld-versicherungen werden fristlos gekündigt.

Ist es möglich, Beitragsschulden bei der Krankenkasse zu erlassen?

Ein kompletter Erlass von Krankenkassenschulden ist selten, aber möglich, meist nur bei völliger Zahlungsunfähigkeit, oft bei Rentnern, aber man kann Ratenzahlung, Stundung oder einen außergerichtlichen Vergleich über eine Schuldnerberatung anstreben, indem man seine finanzielle Notlage offenlegt und Kooperation signalisiert; spezielle Gesetze (wie das Beitragsschuldengesetz 2013) können alte Schulden erlassen und Säumniszuschläge reduzieren, wobei eine professionelle Beratung hilft, die beste Lösung zu finden.
 

Wie entstehen Krankenkassenschulden?

Schulden bei der Krankenkasse entstehen meist, wenn Selbstständige, Freiberufler oder Privatversicherte ihre Beiträge nicht zahlen können, da sie diese selbst tragen; auch bei Arbeitnehmern kann dies bei Jobverlust und fehlendem Bezug von Sozialleistungen der Fall sein, da die Versicherungspflicht besteht. Ursachen sind oft Einkommensverlust, fehlende Meldung über Einkommensänderungen, was zu Höchstbeiträgen führt, oder verspätete Meldung nach Selbstständigkeit. Die Folge ist das Ruhen des Leistungsanspruchs (bei zwei Monatsbeiträgen Rückstand), was bedeutet, dass nur noch Notfallbehandlungen gezahlt werden, bis die Schulden beglichen sind. 

Was passiert bei Ankündigung der Vollstreckung?

Die Vollstreckungsankündigung liefert Ihnen – wie die vorherige Mahnung- allerhand Informationen, die Sie beachten sollten. Sie nennt zum einen die Steuern/Abgaben, die bisher nicht geleistet wurden und führt darüber hinaus die entstandenen Säumniszuschläge auf.

Was passiert, wenn ich die Krankenkasse nicht mehr bezahle?

Wenn eine versicherte Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht bezahlt, muss der Krankenversicherer sie schriftlich mahnen und ihr danach eine Zahlungsaufforderung zustellen.

Wie läuft ein Vollstreckungsverfahren ab?

Ein Vollstreckungsverfahren beginnt mit einem Vollstreckungstitel (Urteil, Vollstreckungsbescheid), den der Gläubiger erwirken muss, gefolgt von dessen Zustellung an den Schuldner. Danach kann der Gläubiger über einen Gerichtsvollzieher oder das Vollstreckungsgericht Pfändungsmaßnahmen wie Konto-, Lohn- (PfÜB) oder Sachpfändung beantragen, wobei der Gerichtsvollzieher Vermögen beschlagnahmt, um die Forderung zu befriedigen, bis die Schuld vollständig getilgt ist. 

Was hat das Hauptzollamt mit der Krankenkasse zu tun?

Bei Schulden bei der gesetzlichen Krankenkasse vollstreckt das zuständige Hauptzollamt. Bei privaten Krankenkassen vollstreckt der Gerichtsvollzieher.

Was verschickt das Hauptzollamt vor einer Vollstreckung?

Vom Hauptzollamt kommen Bescheide, Mahnungen oder Aufforderungen zu Nachzahlungen, oft bei Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern (Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer, Verbrauchsteuern wie Tabak/Alkohol) oder wegen der Kraftfahrzeugsteuer, aber auch im Rahmen der Vollstreckung von Geldforderungen für andere Behörden (Krankenkasse, Agentur für Arbeit), bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit oder im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung. Es kann sich um Zahlungsaufforderungen, Anfragen oder auch Vollstreckungsmaßnahmen handeln. 

Wie viele Jahre kann die Krankenkasse Beitragszahlungen nachfordern?

Krankenkassen können Sozialversicherungsbeiträge in der Regel vier Jahre rückwirkend nachfordern, die Verjährungsfrist beginnt am 1. Januar des Folgejahres, in dem die Beiträge fällig wurden; bei vorsätzlich hinterzogenen Beiträgen verlängert sich die Frist auf 30 Jahre. Bei Erstattungen (zu viel gezahlt) gilt ebenfalls die 4-Jahres-Frist. 

Was passiert, wenn ich keine Krankenkasse mehr bezahle?

Wenn man die Krankenversicherung nicht zahlt, fallen Mahngebühren und Säumniszuschläge (1 % pro Monat) an, der Leistungsanspruch ruht (nur akute Schmerzen/Krankheiten gedeckt) und die Kasse kann vollstrecken (Gerichtsvollzieher). Wichtig: Man bleibt versicherungspflichtig, kann nicht kündigen und muss die Schulden samt Zuschlägen später nachzahlen, oft erst nach Rückkehr in die Versicherung. Bei Arbeitgebern drohen Strafen. 

Wann verjährt eine Forderung der Krankenkasse?

Schulden bei der Krankenkasse verjähren grundsätzlich nach vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie fällig wurden (§ 25 SGB IV). Die Frist beginnt aber erst am Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist und die Kasse Kenntnis erlangt hat. Wichtig: Diese Frist wird durch Mahnungen, Vollstreckungsversuche oder Anerkenntnisse gehemmt oder unterbrochen, was die Verjährung oft verhindert, und bei vorsätzlichem Vorenthalten von Beiträgen gilt eine 30-jährige Frist. 

Welche Lohnzahlungen sind nicht pfändbar?

Derzeit gelten Einkünfte von bis zu 1.559,99 Euro als unpfändbares Einkommen. Im Falle einer Unterhaltspflicht gegenüber einer Person sind bis zu 2.149,99 Euro Nettoeinkommen unpfändbar. Bei einer Unterhaltspflicht gegenüber zwei Personen dürfen 2.469,99 Euro nicht gepfändet werden.

Was wird zuerst gepfändet?

Grundsätzlich können zwar mehrere Gläubiger Lohn- und Gehalt pfänden, es geht aber stets nach dem Prinzip: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Das heißt der Gläubiger, dessen Pfändung als erstes beim Arbeitgeber zugestellt wird, bekommt den ganzen pfändbaren Einkommensanteil.