Warum auf den Pflichtteil verzichten?

Gefragt von: Wilhelmine Brandt
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Man verzichtet auf den Pflichtteil, um den Familienfrieden zu wahren, den Nachlass (z.B. ein Haus oder Unternehmen) zu sichern, steuerliche Vorteile zu nutzen oder um zu Lebzeiten eine Abfindung zu erhalten, die oft den Pflichtteil übersteigt und so Streit vermeidet. Besonders relevant ist dies beim Berliner Testament, um den überlebenden Ehepartner zu schützen, oder bei der Unternehmensnachfolge, um Liquiditätsprobleme zu vermeiden.

Warum ist es sinnvoll, auf den Pflichtteil zu verzichten?

Ein solcher Verzicht kann unterschiedliche Gründe haben. Beispielsweise kann er Streit vermeiden oder dem Erblasser oder der Erblasserin die Möglichkeit geben, das Vermögen so zu verteilen, wie er oder sie möchte. Oft bekommt der oder die Verzichtende stattdessen eine finanzielle Abfindung.

Ist es sinnvoll, im Testament auf den Pflichtteil zu verzichten?

Ein Pflichtteilsverzicht im Testament bedeutet, dass ein gesetzlicher Erbe (z. B. Kind) vertraglich und notariell auf seinen Pflichtteilsanspruch verzichtet, oft gegen eine Abfindung zu Lebzeiten, und damit eine klare Vermögensverteilung ermöglicht, ohne dass er im Erbfall trotz Enterbung noch Pflichtteilsansprüche geltend machen kann. Der Verzicht ist ein Vertrag zwischen Erblasser und Erbe, muss notariell beurkundet werden, ist in der Regel unwiderruflich und schließt Nachkommen oft mit ein, wenn nichts anderes vereinbart wird. 

Was passiert, wenn ich auf Pflichtteile verzichte?

Ein Pflichtteilsverzicht zu Lebzeiten des Erblassers muss notariell beurkundet werden. Wer notariell auf seinen Pflichtteil verzichtet hat, kann trotzdem durch Testament als Erbe eingesetzt werden, Vermächtnisse erhalten oder gesetzlicher Erbe werden.

Kann ein Kind auf seinen Pflichtteil verzichten?

Auch zu Lebzeiten des Erblassers kann das Kind bereits auf seinen Pflichtteil verzichten. Als Erblasser hat man die Möglichkeit, mit dem Pflichtteilsberechtigten zu Lebzeiten einen Pflichtteilsverzicht zu vereinbaren.

Welche Pflichten haben Sie trotz Erbausschlagung?

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Wann ist ein Erbverzicht sinnvoll?

Ein Erbe auszuschlagen ist sinnvoll, wenn der Nachlass überschuldet ist, um Ihr eigenes Vermögen vor den Schulden des Verstorbenen zu schützen, oder wenn Sie als Pflichtteilsberechtigter durch Auflagen im Testament (z.B. Nacherbe, Vermächtnis) benachteiligt sind und durch die Ausschlagung den höheren Pflichtteil fordern können. Auch bei hohen Folgekosten (z.B. sanierungsbedürftige Immobilie) oder persönlichen Gründen, um den Nachlass nicht anzunehmen, kann eine Ausschlagung ratsam sein, jedoch nur innerhalb der sechs Wochen Frist und gut überlegt, da sie unwiderruflich ist.
 

Kann man Kinder enterben, ohne den Pflichtteil zu erhalten?

Man kann Kinder grundsätzlich enterben, aber eine vollständige Enterbung ohne Pflichtteil ist nur in sehr strengen Ausnahmefällen möglich, wie bei schweren Vergehen gegen den Erblasser (z.B. versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung, Straftaten mit über einem Jahr Haftstrafe), die im Testament begründet werden müssen. Ansonsten haben enterbte Kinder immer einen Anspruch auf den Pflichtteil (die Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils). Eine weitere Möglichkeit, den Pflichtteil zu umgehen, ist ein einvernehmlicher Pflichtteilsverzicht des Kindes zu Lebzeiten oder die Reduzierung des Erbes durch Schenkungen zu Lebzeiten.
 

Kann man freiwillig auf den Pflichtteil verzichten?

Ein Pflichtteilsverzicht kann nur mit dem Einverständnis des Erblassers und des Erben beschlossen werden. Wenn der Erbe den Verzicht nicht unterschreiben möchte, ist dieser dann nicht rechtswirksam. Der Erblasser kann dem Erben jedoch trotzdem seinen Pflichtteil entziehen.

Wie kann ich die Auszahlung des Pflichtteils verhindern?

Soll eine dieser Personen (oder alle) nicht Erbe werden, muss dies durch eine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) angeordnet werden. Es genügt regelmäßig ein entsprechender Satz im Testament. Alternativ ist auch eine konkludente Enterbung möglich, indem man andere Personen als Erben einsetzt.

Können Geschwister auf Pflichtteile verzichten?

Einen Anspruch auf einen Pflichtteil für Geschwister gibt es laut Erbrecht nicht. Sie können nur im Testament als Erben ernannt werden oder im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge Erben werden. Da sie nicht zu den nächsten Abkömmlingen des Erblassers zählen, haben sie keinen Anspruch auf einen Pflichtteil.

Haben Kinder trotz Testament Anspruch auf Pflichtteile?

Ja, auch Enterbte haben einen Anspruch auf den Pflichtteil, sofern sie pflichtteilsberechtigt sind. Das deutsche Erbrecht garantiert bestimmten nahen Angehörigen, wie Ehegatten, Kindern und Eltern, einen gesetzlichen Mindestanspruch. Deshalb kann der Pflichtteil trotz Enterbung im Testament eingefordert werden.

Was passiert, wenn man den Pflichtteil nicht auszahlen kann?

Wenn der Erbe den Pflichtteil nicht auszahlen kann, muss der Pflichtteilsberechtigte ihn einklagen, um seinen Anspruch durchzusetzen, was oft über eine Stufenklage (erst Auskunft, dann Zahlung) läuft; der Erbe kann aber beim Nachlassgericht eine Stundung oder Ratenzahlung beantragen, wenn die sofortige Zahlung eine unzumutbare Härte (z. B. Existenzgefährdung) darstellen würde. Kommt der Erbe trotz Klage nicht, drohen Zwangsvollstreckung (Kontopfändung, Gerichtsvollzieher). 

Wie viel kostet ein Pflichtteilsverzicht beim Notar?

Die Kosten für einen Pflichtteilsverzicht beim Notar hängen vom Wert des verzichteten Pflichtteils ab (Geschäftswert) und werden nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) berechnet, typischerweise mit einem Gebührensatz von 2,0; bei einem Geschäftswert von 100.000 € liegen die reinen Notargebühren oft bei rund 546 €, zzgl. Auslagen und USt., während bei einem Wert von 50.000 € etwa 330 € anfallen. 

Welche Auswirkungen hat ein Erbverzicht auf den Pflichtteil?

Ein Erbverzicht schließt den Pflichtteil grundsätzlich mit ein, da er das gesamte gesetzliche Erbrecht umfasst (§ 2346 BGB). Es gibt jedoch die Möglichkeit, den Verzicht spezifisch zu begrenzen, sodass nur das Erbrecht, aber nicht der Pflichtteil aufgegeben wird, oder umgekehrt. Der Sinn eines Erbverzichts ist es, den Nachlass für andere zu sichern, wobei der Verzichtende oft eine Abfindung erhält. 

Was bedeutet eine Verzichtserklärung?

Ein Verzicht ist die absichtliche oder freiwillige Aufgabe eines anerkannten Rechts oder Privilegs . Im juristischen Kontext wird ein Verzicht häufig schriftlich dokumentiert, er kann aber auch stillschweigend durch Handlungen erfolgen.

Wer bekommt Pflichtteile bei Verzicht?

FAQ: Pflichtteilsverzicht

Ja. Bei einem Pflichtteilsverzicht verzichtet der Erbe lediglich auf seinen gesetzlich geschützten Mindesterbanteil (Pflichtteil), sein Erbanspruch bleibt hiervon jedoch unberührt. So können auch Erben, die auf den Pflichtteil verzichtet haben, im Erbfall erben.

Wann ist ein Pflichtteilsverzicht sinnvoll?

Ein Verzicht auf den Pflichtteil wird meist im Rahmen eines Berliner Testaments vereinbart. Dieses Ehegattentestament begünstigt die beiden Eheleute als gegenseitige Erben und möchte durch den Pflichtteilsverzicht verhindern, dass Kinder nach dem Tod des ersten Elternteils Pflichtteilsansprüche geltend machen.

Muss ich das Haus verkaufen, um den Pflichtteil auszahlen zu können?

Um den Pflichtteil auszuzahlen, wenn ein Haus vererbt wird, muss der Erbe nicht zwingend verkaufen; Alternativen sind die Nutzung eigener Mittel, Verkauf anderer Nachlasswerte, Aufnahme eines Kredits mit Grundschuld auf das Haus oder Ratenzahlung, aber oft ist der Verkauf die einzige Lösung, wenn Liquidität fehlt, da der Pflichtteilsanspruch ein reiner Geldanspruch ist. Wichtig ist, dass der Anspruch schnell geltend gemacht wird (Verjährung 3 Jahre), der Pflichtteilsberechtigte Auskunft verlangen kann und der Erbe die Stundung bei Härtefällen beantragen kann.
 

Wie hoch ist der Pflichtteil bei 200.000 €?

Der Pflichtteil bei 200.000 € Nachlass beträgt immer die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, was je nach Verwandtschaftsgrad variiert (z. B. 1/4 für ein Kind) und somit bei 50.000 € (1/4) liegt, wenn ein Kind enterbt wurde, aber auch höher (bis zu 100.000 €) oder niedriger ausfallen kann, wenn andere gesetzliche Erben (z.B. Ehepartner) ebenfalls an der Erbfolge beteiligt sind, die dann den großen oder kleinen Pflichtteil geltend machen können. 

Können Eltern auf Pflichtteile verzichten?

Die Eltern können zu Lebzeiten des Erblassers auf ihr Pflichtteil verzichten. Dies geschieht durch einen Vertrag zwischen dem Erblasser und den verzichtenden Eltern.

Ist ein Verzicht auf den Pflichtteil im Ehevertrag sinnvoll?

Ein Pflichtteilsverzicht in einem Ehevertrag ist eine notarielle Vereinbarung, bei der ein Ehepartner (oder ein Pflichtteilsberechtigter) gegen eine Abfindung auf seinen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch verzichtet, um den Nachlass zu sichern, besonders beim „Berliner Testament“, wodurch der überlebende Ehepartner geschützt wird und Kinder oder andere Erben den Erbfall ohne Geldansprüche erleben. Wichtig: Der Verzicht muss notariell beurkundet werden und wirkt meist auch für die Abkömmlinge des Verzichtenden, kann aber individuell eingeschränkt werden; eine Einseitigkeit im Ehevertrag kann jedoch zur Unwirksamkeit führen.
 

Wie kann ich meinen Pflichtteil gering halten?

Was ist ein Pflichtteilsverzicht? Es ist möglich, zwischen dem Erblasser und dem Pflichtteilsberechtigten einen notariellen Pflichtteilsverzicht zu vereinbaren. Lässt sich das Kind auf einen Pflichtteilsverzicht ein, so kann es im Erbfall seinen Pflichtteil weder verlangen noch einklagen.

Hat ein Kind immer Anspruch auf den Pflichtteil?

Kinder sind ebenfalls im Normalfall immer pflichtteilsberechtigt, sowohl eheliche als auch nichteheliche und adoptierte Kinder. Stiefkinder haben keinen Anspruch. Enkel sind nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn keine Kinder des Erblassers mehr leben oder ihnen die Ansprüche aus besonderen Gründen aberkannt wurden.

Kann der Ehegatte den Pflichtteil trotz Testament geltend machen?

Ja, ein Ehegatte kann seinen Pflichtteil trotz Testament geltend machen, denn das deutsche Erbrecht garantiert nahen Angehörigen wie dem Ehepartner einen Mindestanspruch, selbst wenn er im Testament enterbt wurde oder nur einen zu geringen Erbteil erhält. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils und muss aktiv eingefordert werden, indem die Erben zur Auskunft über den Nachlasswert aufgefordert werden, um ihn dann schriftlich geltend zu machen – idealerweise mit anwaltlicher Hilfe, da die Frist meist drei Jahre ab Kenntnis des Erbfalls beträgt.
 

Wann gibt es keinen Pflichtteil mehr?

Der Pflichtteil kann ihnen nur in Ausnahmefällen entzogen werden. Laut § 2333 BGB kann Kindern ihr Erbanteil entzogen werden, wenn sie das Leben des Erblassers gefährden, ihre Unterhaltspflicht nicht erfüllen oder die Erbbeteiligung für den unzumutbar ist.