Wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente gegenüber der normalen Rente?

Gefragt von: Herr Prof. Antonio Fiedler B.Sc.
sternezahl: 4.7/5 (21 sternebewertungen)

Die Erwerbsminderungsrente ist meist deutlich niedriger als eine volle Altersrente, da sie auf den bis zum Rentenbeginn erworbenen Rentenpunkten basiert, ergänzt um die sogenannte Zurechnungszeit (fiktive Beitragsjahre bis zur Regelaltersgrenze), aber gekürzt um mögliche Abschläge (bis zu 10,8 %) für den vorzeitigen Bezug. Der große Unterschied zur Altersrente liegt oft in der fehlenden vollen Beitragsleistung über 40 Jahre, wobei die Erwerbsminderungsrente durch die Zurechnungszeit aufgewertet wird, aber dennoch unter der vollen Altersrente liegt und durch einen Rentenartfaktor (0,5 für teilweise, 1,0 für volle EM) multipliziert wird, bevor Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen werden.

Ist die Erwerbsminderungsrente höher als die normale Rente?

Die Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) ist oft höher als eine vorgezogene Altersrente bei nahtlosem Übergang, weil sie von der sogenannten Zurechnungszeit profitiert, die fehlende Beiträge hochrechnet, und die Altersrente meist mit Abschlägen beginnt, die auch in die EM-Rente übernommen werden. Allerdings gilt beim Wechsel von EM-Rente in Altersrente ein Bestandsschutz, sodass die Altersrente nicht niedriger ausfällt als die EM-Rente, aber auch nicht unbedingt höher, falls die Zurechnungszeit bei der EM-Rente besonders hoch war. 

Was ist der Nachteil bei Erwerbsminderungsrente?

Nachteile der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) sind oft geringere Rentenhöhe durch fehlende Beitragsjahre und mögliche Abschläge, strenge medizinische Voraussetzungen, die oft zur Ablehnung führen, die Notwendigkeit, Hinzuverdienstgrenzen einzuhalten (sonst Kürzung/Wegfall), der psychische Druck durch Befristungen und die Unsicherheit bezüglich des Übergangs in die Altersrente. Hinzu kommen bürokratische Hürden und die Mitwirkungspflicht, Einkommensänderungen sofort zu melden. 

Wie wird die Höhe der Erwerbsunfähigkeitsrente berechnet?

Die Berechnung der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) basiert auf der Formel: Entgeltpunkte x Rentenartfaktor x Aktueller Rentenwert (plus Zurechnungszeit und abzüglich Abschlägen), wobei die Entgeltpunkte Ihren Verdienst widerspiegeln und der Rentenartfaktor 1,0 (voll) oder 0,5 (teilweise) ist. Hinzu kommt die Zurechnungszeit (fiktive Entgeltpunkte bis zur Regelaltersgrenze) und bei vorzeitigem Rentenbeginn ein Abschlag von bis zu 10,8 %, wobei von der Bruttorente noch Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen werden. 

Wie hoch ist die Rente wegen voller Erwerbsminderung?

Die Höhe einer vollen Erwerbsminderungsrente ist individuell, liegt aber oft bei ca. 30–40 % des letzten Bruttogehalts. Durchschnittlich erhielten Neuzugänge 2021 rund 917 €, während 2023 der Durchschnitt bei ca. 1059 € lag, berechnet nach persönlichen Entgeltpunkten, Zurechnungszeit und dem aktuellen Rentenwert. Die Rente wird durch die Deutsche Rentenversicherung individuell berechnet und muss versteuert werden, wobei der Rentenwert jährlich angepasst wird. 

Erwerbsminderungsrente erklärt: Höhe, Anspruch, Voraussetzungen - EU-Rente / EM-Rente

38 verwandte Fragen gefunden

Wie hoch ist die Rente nach der vollen Erwerbsminderungsrente?

Beim Wechsel von einer vollen Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) zur Altersrente bleibt die Rente mindestens so hoch wie die vorherige EM-Rente, dank eines Bestandsschutzes nach § 88 SGB VI, der die Berechnungsgrundlage schützt; oft wird die bestehende EM-Rente einfach weitergezahlt, kann aber durch neue Rentenpunkte (z. B. durch Teilrente) leicht steigen, wobei der Rentenwert (aktuell ca. 40,79 € pro Entgeltpunkt) und die persönlichen Entgeltpunkte entscheidend sind. 

Wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente bei 3000 € brutto?

Jan hätte mit 66 Jahren und 1 Monat bei 3.000 Euro Monatsbrutto einen Rentenanspruch von (sehr vereinfacht) rund 1.100 Euro. Von diesen 1.100 Euro zieht die Deutschen Rentenversicherung noch 10,8 Prozent ab und Jan bekäme etwa 980 Euro EM-Rente.

Ist die Erwerbsminderungsrente dasselbe wie die EU-Rente?

Das Wichtigste in Kürze

Erwerbsminderungsrente ist eine Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung und wird umgangssprachlich oft noch wie früher Erwerbsunfähigkeitsrente oder EU-Rente genannt. Wer weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann, erhält eine Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Woher weiß ich, wie hoch meine Erwerbsminderungsrente ist?

Um Ihre voraussichtliche Erwerbsminderungsrente zu erfahren, schauen Sie in Ihre Renteninformation (für alle Versicherten) oder Rentenauskunft (ab 55, automatisch), die Sie online über das Kundenportal der Deutschen Rentenversicherung, die Digitale Rentenübersicht oder telefonisch erfragen können, da die Höhe von Ihrem Einkommen, Rentenansprüchen und dem Grad der Minderung abhängt. 

Ist eine Rente mit 63 Jahren oder eine Erwerbsminderungsrente besser?

Ob Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) oder Altersrente mit 63 besser ist, hängt von der Gesundheit und den Versicherungsjahren ab: Bei gesundheitlicher Eignung und dem Wunsch nach einem früheren Ruhestand ist die Altersrente mit 63 (oft „Rente mit 63“ genannt) für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre) ohne Abschläge möglich, wenn der Geburtsjahrgang es erlaubt; wer gesundheitlich nicht mehr arbeiten kann, bekommt eher eine EM-Rente, die ab 65 abschlagsfrei ist, aber vor 65 mit Abschlägen (0,3 % pro Monat) verbunden ist, wobei der Übergang von EM-Rente zur Altersrente oft vorteilhaft ist. 

Kann die Altersrente geringer als die Erwerbsminderungsrente sein?

Nein, die Altersrente fällt bei nahtlosem Übergang innerhalb von 24 Monaten grundsätzlich nicht niedriger aus als die vorherige Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) – dies nennt man Bestandsschutz; die EM-Rente wird durch Zurechnungszeiten oft künstlich angehoben, aber der Schutz stellt sicher, dass Sie im Alter nicht schlechter dastehen, obwohl die Berechnung der Altersrente ohne weitere Rentenpunkte oft niedriger wäre. Sie können aber eine höhere Altersrente bekommen, wenn Sie bis dahin weitere Rentenpunkte sammeln, oder auch eine niedrigere, wenn die EM-Rente sehr hoch berechnet wurde, aber der Bestandsschutz greift. 

Wie lange muss man krank sein, um Erwerbsminderungsrente zu bekommen?

Um Erwerbsminderungsrente zu bekommen, muss man nicht durchgehend krankgeschrieben sein, aber mindestens sechs Monate aus gesundheitlichen Gründen weniger als drei Stunden täglich arbeiten können und zusätzlich die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen (5 Jahre Wartezeit, davon 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren) erfüllen, wobei der Fokus auf der ärztlichen Dokumentation der dauerhaften Einschränkung liegt, nicht auf lückenlosen Krankmeldungen.
 

Wie wirkt sich die Erwerbsminderungsrente auf meine spätere Rente aus?

Eine Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) wird beim Erreichen der Regelaltersgrenze automatisch in eine Altersrente umgewandelt, wobei die EM-Rentenhöhe durch den sogenannten Bestandsschutz garantiert wird: Die Altersrente darf nicht niedriger sein als die vorherige EM-Rente, selbst wenn die neue Berechnung mit Abschlägen niedriger ausfiele. Zusätzlich wird eine Zurechnungszeit hochgerechnet, die die Rente erhöht, aber bei einem Wechsel in eine vorgezogene Altersrente kann sich der Vorteil durch die Herunterrechnung der Zurechnungszeit verringern – der Bestandsschutz verhindert jedoch eine Absenkung unter das bisherige Niveau. 

Ist die gesetzliche Rente genauso hoch wie die Erwerbsminderungsrente?

Nein, die Altersrente ist nicht zwangsläufig genauso hoch, aber durch den sogenannten Besitzschutz (§ 88 SGB VI) darf sie nie niedriger ausfallen als die vorherige Erwerbsminderungsrente (EM-Rente), da die dort angesammelten Entgeltpunkte übernommen werden; oft ist sie sogar höher, weil Zurechnungszeiten weiterlaufen, aber Abschläge können auch übernommen werden, daher ist eine individuelle Berechnung durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ratsam. 

Wird bei der Erwerbsminderungsrente weiter in die Rentenkasse eingezahlt?

Ja, bei einer Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) wird in die Rentenkasse eingezahlt, wenn Sie neben der Rente arbeiten – dann werden reguläre Beiträge fällig und Sie erwerben eventuell sogar weitere Rentenansprüche, die sich auf die spätere Altersrente auswirken können. Auch ohne Job kann man freiwillig Beiträge einzahlen. Wenn Sie nur die Rente beziehen, sind Sie grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, aber zahlen einen ermäßigten Beitrag (7% als Arbeitnehmer bei Vollrente), da Sie keinen Anspruch auf Krankengeld haben. 

Welche Diagnosen führen zur Erwerbsminderungsrente?

Es gibt keine spezifischen Diagnosen, die automatisch eine Erwerbsminderungsrente garantieren, aber häufige Ursachen sind psychische Erkrankungen (Depression, Angststörungen), Erkrankungen des Bewegungsapparates (Wirbelsäulenleiden, Rheuma), Krebs (Onkologie) und Herz-Kreislauf-Leiden, die dazu führen, dass Betroffene weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können. Entscheidend ist nicht die Diagnose selbst, sondern die konkreten gesundheitlichen Einschränkungen und die daraus resultierende Restleistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. 

Wie viel Geld bekommt man bei volle Erwerbsminderungsrente?

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente wird auf der Grundlage des durchschnittlichen Einkommens der letzten Jahre berechnet. Im Jahr 2022 erhielten Erwerbsminderungsrentner im Schnitt 933 Euro pro Monat.

Wie lange dauert die Entscheidung über Erwerbsminderungsrente?

Die Entscheidung über eine Erwerbsminderungsrente dauert oft mehrere Monate, durchschnittlich zwischen 3 und 6 Monaten, aber auch bis zu 7 Monate oder länger ist möglich, abhängig davon, wie schnell alle medizinischen Unterlagen vorliegen und ob zusätzliche Gutachten nötig sind. Der Prozess wird durch fehlende Unterlagen oder die Verfügbarkeit von Gutachtern verzögert, weshalb eine vollständige und aktuelle Antragsstellung wichtig ist, um Nachfragen und Verzögerungen zu vermeiden. 

Ist die Erwerbsminderungsrente steuerfrei?

Denn die Erwerbsminderungsrente zählt zu den sogenannten Leibrenten. Das bedeutet, dass sie anteilig steuerpflichtig ist. Wie hoch der steuerpflichtige Anteil ist, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Beispiel: Beginnt Ihre Erwerbsminderungsrente im Jahr 2025, dann sind 83,5 Prozent der Rentenzahlungen steuerpflichtig.

Warum ist die Erwerbsunfähigkeitsrente höher als die normale Rente?

Die Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) ist oft höher als die Altersrente, weil die Rentenversicherung durch die sogenannte Zurechnungszeit Ihr Rentenkonto so behandelt, als ob Sie bis zur Regelaltersgrenze weitergearbeitet hätten, was die Rentenpunkte künstlich erhöht und die niedrigeren Rentenpunkte durch die Krankheit ausgleicht. Zusätzlich schützt der Bestandsschutz beim Übergang, sodass die Altersrente mindestens so hoch wie die EM-Rente sein muss, um eine doppelte Benachteiligung zu vermeiden. 

Welche Rente bekomme ich nach der Erwerbsminderungsrente?

Nach der Erwerbsminderungsrente kommt automatisch die Regelaltersrente, sobald Sie die Regelaltersgrenze erreichen; die Rente wird dann umgestellt, aber aufgrund des Bestandsschutzes in der Regel nicht niedriger, oft sogar höher, wenn Sie während der EM-Rente besser verdient haben. Der Übergang erfolgt nicht nahtlos, aber die Deutsche Rentenversicherung sendet Ihnen automatisch Formulare zu, um den Antrag zu stellen. 

Kann die Erwerbsminderungsrente als Dauerrente gewährt werden?

Eine Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) wird als Dauerrente gezahlt, wenn medizinisch feststeht, dass die Erwerbsfähigkeit unwahrscheinlich dauerhaft eingeschränkt bleibt und durch Reha-Maßnahmen nicht verbessert werden kann; dies ist die Ausnahme, da Renten meist befristet sind, aber nach 9 Jahren befristeter Zahlung wird sie in der Regel unbefristet gewährt. Die unbefristete EM-Rente läuft bis zur Regelaltersgrenze, danach wird sie in eine Regelaltersrente umgewandelt, sofern keine anderweitige Entscheidung getroffen wurde. Eine Dauerrente bedeutet jedoch nicht absolute Sicherheit, da die Rentenversicherung die Voraussetzungen weiterhin überprüfen kann. 

Was bleibt von 2000 € Erwerbsminderungsrente übrig?

Von 2.000 Euro Bruttorente bleiben nach Steuern rund 1.907 Euro übrig – mit cleverer Steuerplanung kannst du mehr sparen.

Wie hoch ist eine gute Erwerbsminderungsrente?

Eine "gute" Erwerbsminderungsrente ist individuell und meist deutlich niedriger als das letzte Gehalt (oft nur 30-40 % des Bruttolohns bei voller EM-Rente), der Durchschnitt liegt bei etwa 1.000 € netto, was oft nicht zum Leben reicht. Die Höhe hängt von Ihren Beitragszeiten und Einkommen ab und berechnet sich nach Rentenpunkten plus Zurechnungszeiten. Daher ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung oft notwendig, um die Lücke zu schließen. 

Welche Zuschüsse gibt es für die Erwerbsminderungsrente?

Für bestehende Erwerbsminderungsrenten gibt es seit Juli 2024 automatische Zuschüsse (7,5 % oder 4,5 %), je nach Rentenbeginn (vor 2014 bzw. 2014-2018), die mit der Rentenanpassung 2025 in eine finale Stufe übergehen und mit der regulären Rente ausgezahlt werden. Falls die Rente nicht ausreicht, kann bei Bedürftigkeit Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung über das Sozialamt beantragt werden. Ein weiterer möglicher Zuschuss ist die Grundrente, die bei langjähriger unterdurchschnittlicher Beschäftigung automatisch gewährt wird.