Was geht vor Kindesunterhalt oder Schulden?

Gefragt von: Uli Binder
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Kindesunterhalt hat Vorrang vor den meisten anderen Schulden, insbesondere vor denen, die nach der Trennung oder der Unterhaltspflicht entstanden sind, da minderjährige Kinder nicht für sich selbst sorgen können und der Selbstbehalt sehr gering ist, aber der Mindestunterhalt muss immer gezahlt werden, was eine Reduzierung des Einkommens für andere Gläubiger bedeutet. Bei Privatinsolvenz müssen Unterhaltszahlungen ebenfalls weitergele leistet werden und haben Vorrang vor anderen Verbindlichkeiten, wobei ein höherer pfändungsfreier Betrag gewährleistet wird, um diese Pflicht zu erfüllen.

Was geht vor Unterhalt oder Schulden?

Es gibt keinen grundsätzlichen Vorrang von Unterhalt gegenüber Schulden. Ebenso wenig gibt es einen Vorrang von Schulden gegenüber Unterhalt. Allerdings gibt es gewisse Schulden, die das unterhaltsrelevante Einkommen reduzieren, sodass die Unterhaltszahlungen niedriger sind.

Was hat Vorrang, Schulden oder Unterhalt?

Was hat Vorrang: Unterhalt oder Schulden? Es gibt keine Hierarchie zwischen Unterhalt und anderen Schulden. Allerdings sind Unterhaltsschulden leichter durchzusetzen, weil die Pfändungstabelle bei der Berechnung der Unterhaltsleistung nicht zur Anwendung kommt.

Wie wirken sich Schulden auf Kindesunterhalt aus?

Beim Kindesunterhalt darf der Schuldenabzug aber nicht dazu führen, dass der Mindestunterhalt unterschritten würde, also der unterste Betrag der Düsseldorfer Tabelle. Anders ausgedrückt: Dieser Mindestunterhalt muss auf jeden Fall gezahlt werden, egal wie hoch die Schulden sind.

Was hat Vorrang, Pfändung oder Unterhalt?

Hat die Unterhaltspfändung Vorrang? Die Lohnpfändung bei Unterhaltszahlungen ist grundsätzlich nicht vorrangig gegenüber anderen Pfändungen, sie lässt sich im Regelfall lediglich leichter durchsetzen.

Die Düsseldorfer Tabelle - So hoch ist der Kindesunterhalt!

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In welcher Reihenfolge wird gepfändet?

Bei mehreren Pfändungen gilt der Prioritätsgrundsatz, d. h. die zeitlich als erste zugestellte Pfändung geht den übrigen vor: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. “. Die Befriedigung der Vollstreckungsgläubiger hat also in der Reihenfolge der zugestellten PfÜB zu erfolgen.

Ist Kindesunterhalt vorrangig?

Den Unterhalt, den Eltern ihren Kindern leisten, nennt man auch "Kindesunterhalt". Unterhalt, den Sie an Ihre Kinder zahlen, hat normalerweise Vorrang vor allen anderen Unterhaltspflichten. Unterhalt in Geld kann Ihr Kind nur bekommen, wenn es bedürftig ist und Sie leistungsfähig sind.

Was ist, wenn der Vater nicht genug Unterhalt zahlen kann?

Wenn der Unterhaltspflichtige zunächst nicht zahlen will oder kann, besteht die Möglichkeit einen Unterhaltsvorschuss bei der jeweiligen Unterhaltsvorschusskasse zu beantragen. Diese ist in der Regel beim Jugendamt, zuweilen aber auch beim Sozialamt angegliedert.

Ist laufender Unterhalt vorrangig vor Rückstand?

Kürzlich hat der BGH (Aktenzeichen XII ZR 26/04) entschieden, dass der Unterhaltspflichtige den laufenden Kindesunterhalt vorrangig zahlen muss. Unterhaltsrückstände aus der Vergangenheit müssen warten.

Welche Schulden haben Vorrang?

Schulden wie Miete, Hypothek, Energieversorger- und Kommunalsteuerschulden haben Vorrang und müssen von manchen Gläubigern priorisiert werden.

Was reduziert den Kindesunterhalt?

Kindesunterhalt wird reduziert, wenn das Kind eigenes Einkommen (z.B. Ausbildungsvergütung) hat, der Unterhaltspflichtige hohe berufsbedingte Ausgaben (Fahrtkosten, Arbeitsmittel) hat, er sich erheblich an der Betreuung beteiligt (nur bei Minderjährigen), oder wenn das Einkommen des Zahlenden grundsätzlich zu niedrig ist, um den vollen Betrag zu decken (nach Abzug von Selbstbehalt und Einkommensminderungen). Wichtig sind auch Abzüge für berufsbedingte Aufwendungen (Pauschale oder Einzelnachweis) und anrechenbare Schulden.
 

Was passiert, wenn ich keinen Unterhalt wegen Schulden zahlen kann?

Bei Zahlungsverzug drohen Pfändungen, was die finanzielle Lage des Unterhaltspflichtigen weiter verschlechtern kann. Wer den Unterhalt nicht zahlt wegen Schulden, riskiert zusätzlich, ins Visier des Jugendamtes oder der Gerichte zu geraten, was langfristig zu noch höheren Schulden führen kann.

Ist Kindesunterhalt vor einer Kontopfändung geschützt?

Wenn Sie Kindesunterhalt oder Ehegattenunterhalt erhalten, sind diese vor der Pfändung geschützt (unpfändbare Bezüge nach § 850a ZPO). Eine Unterhaltspfändung ist also nicht möglich. Um die Unterhaltszahlungen vor einer Kontopfändung zu schützen, können Sie ein P-Konto anlegen und die Pfändungsfreigrenze erhöhen.

Kann man den Kindesunterhalt privat regeln?

Kann man Unterhalt privat regeln? Selbstverständlich dürfen Sie nach Ihrer Trennung oder Scheidung den Unterhalt auch privat regeln. Sie können im gegenseitigen Einvernehmen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin vereinbaren, dass und in welcher Höhe Sie Unterhalt fordern bzw. was Sie an Unterhalt zahlen.

Was kann der Vater vom Kindesunterhalt abziehen?

Einkommensberechnung beim Unterhalt: Was kann abgezogen werden?

  • Abschreibungen. Grundsätzlich ja. ...
  • Altersversorgung. Ja. ...
  • Arbeitskleidung. Siehe unter “berufsbedingte Aufwendungen”.
  • Arbeitsmittel. ...
  • Arbeitslosen-Versicherung. ...
  • Berufsbedingte Aufwendungen. ...
  • Berufsunfähigkeits-Versicherung. ...
  • Beiträge zu Berufsverbänden.

Wann muss ein Vater keinen Unterhalt zahlen?

Ein Vater muss keinen Unterhalt zahlen, wenn das Kind selbst für seinen Unterhalt sorgen kann (z.B. durch eigenes Einkommen nach der Ausbildung) oder wenn der Vater nicht leistungsfähig ist (Einkommen unter dem Selbstbehalt liegt), der Staat dann aber Unterhaltsvorschuss zahlt. Auch bei schwerwiegenden Verfehlungen des Kindes oder wenn das Kind seine Ausbildung abbricht, ohne eine neue zu beginnen, kann die Pflicht entfallen; die Pflicht endet meist nach Abschluss der ersten Ausbildung oder des Studiums. 

Sind Unterhaltspfändungen immer vorrangig?

Unterhaltsforderungen haben Vorrang vor anderen Forderungen. Das bedeutet: Erweiterter Zugriff auf Einkommen: Der unpfändbare Grundfreibetrag des Schuldners wird bei Unterhaltspfändungen reduziert.

Kann rückwirkend Kindesunterhalt gefordert werden?

Ja, Kindesunterhalt lässt sich nachträglich einfordern, aber nur, wenn Sie den Anspruch zeitnah geltend machen, indem Sie den Unterhaltspflichtigen zur Auskunft auffordern, ihn zur Zahlung mahnen oder eine Klage einreichen – der Anspruch entsteht dann rückwirkend ab dem Monat, in dem Sie den Verzug begründet haben (z. B. ab Auskunftsverlangen, Mahnung oder Klagezustellung), nicht bedingungslos für alle Zeiten. Besonders effektiv ist eine Jugendamtsurkunde oder ein gerichtlicher Titel, aber auch eine gut dokumentierte Mahnung genügt. 

Ist die Nichtzahlung von Unterhalt strafbar?

Ja, die vorsätzliche Nichtzahlung von gesetzlichem Unterhalt ist eine Straftat nach § 170 des deutschen Strafgesetzbuches (StGB) und kann mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden, weil sie den Lebensbedarf des Unterhaltsberechtigten gefährdet. Dies gilt für Kindes- und Ehegattenunterhalt, wenn man sich verwerflich und vorsätzlich seiner Pflicht entzieht. Bei finanziellen Schwierigkeiten sollte man aktiv das Familiengericht aufsuchen (Mangelfall) oder sich an Schuldnerberatungen wenden, um Strafbarkeit zu vermeiden.
 

Wie hoch ist der Kindesunterhalt bei einem Nettoeinkommen von 2000 €?

Bei 2.000 € Nettoeinkommen hängt der Unterhalt vom Alter des Kindes ab (Düsseldorfer Tabelle), liegt aber oft bei ca. 400-500 € für jüngere Kinder (nach Kindergeldabzug), während für den Ehegattenunterhalt der Selbstbehalt von ca. 1.600 € (bei Erwerbstätigkeit) berücksichtigt wird, sodass dann nur ein Restbetrag (ca. 400 €) gezahlt werden müsste, wenn der Unterhaltspflichtige arbeitet. 

Wie lange kann zu wenig gezahlter Kindesunterhalt nachgefordert werden?

Kindesunterhalt kann man rückwirkend geltend machen, aber nur für die Vergangenheit, wenn der Anspruch innerhalb eines Jahres nach Entstehung (z. B. nach Auskunftserteilung oder gerichtlicher Aufforderung) geltend gemacht wird, sonst droht Verwirkung; ansonsten greift die reguläre 3-Jahres-Verjährung, beginnend mit dem Ende des Jahres, in dem Kenntnis erlangt wurde. Bei tituliertem Unterhalt (Gerichtsbeschluss, Jugendamtsurkunde) verjähren Ansprüche sogar erst nach 30 Jahren, aber auch hier gilt die Ein-Jahres-Frist für die rückwirkende Geltendmachung vor Verjährung. 

Wer trägt Anwaltskosten bei Kindesunterhalt?

Bei Anwaltskosten für Kindesunterhalt trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die Kosten, also wer den Prozess verliert, muss meist die eigenen Anwaltskosten und die der Gegenseite zahlen. Bei Einigungen oder bei Verfahren im Scheidungsverbund werden die Kosten oft geteilt oder jeder trägt seinen Anwalt selbst. Bei minderjährigen Kindern übernimmt oft der besser verdienende Elternteil einen größeren Anteil oder es gibt eine Kostenübernahme durch den Staat (Verfahrenskostenhilfe), wenn die finanziellen Mittel fehlen. 

Welches Kind steht beim Unterhalt an erster Stelle?

Wie Sie sehen, stehen die minderjährigen Kinder an erster Stelle. Volljährige Kinder stehen in Ziffer 4 (mit Ausnahme der den Minderjährigen gleichgestellten) recht weit hinten an, gehen aber den Eltern des Unterhaltsschuldners noch vor, die unter Ziffer 6 erfasst sind.

Wann darf der Vater den Kindesunterhalt kürzen?

Ein Vater darf Kindesunterhalt nicht einfach eigenmächtig kürzen, sondern nur unter strengen Voraussetzungen und meist nur nach gerichtlicher Anpassung eines Titels, z.B. wenn sich das Kind für längere Zeit (mehr als ca. 10 Tage/Monat) beim umgangsberechtigten Elternteil aufhält (reduzierter Barunterhalt), das eigene Einkommen unter den Selbstbehalt fällt, das Kind eigene Einkünfte hat oder sich ein sittliches Verschulden des Kindes ergibt (z.B. Sucht). Ohne gerichtliche Abänderung drohen Zwangsvollstreckungen, auch wenn der Unterhaltspflichtige weniger verdient.
 

Wer zahlt Unterhalt, wenn der Vater arbeitslos ist?

Wenn ein Vater arbeitslos ist, muss er weiterhin Unterhalt zahlen, solange er sich ernsthaft um Arbeit bemüht (ggf. fiktives Einkommen) – aber der Staat springt ein: Bei minderjährigen Kindern gibt es Unterhaltsvorschuss vom Staat, wenn der Vater nicht zahlt; bei Bedarf kann auch der Bürgergeld-Empfänger (Vater) Unterhaltspflichten haben, die das Jobcenter prüft; und bei Ehegattenunterhalt kann der arbeitslose Partner Unterhalt wegen Erwerbslosigkeit vom Ex-Partner verlangen.